3. Kapitel. Meine Zeit in München, ein neuer Lebensabschnitt, Flausen im Kopf und lästige Typen




Platz #3 in Über Mich, #130 insgesamt
4.5
Durchschnitt: 4.5 (4 Bewertungen)

Wie ich mich auf dem Campus als 30jährige einlebte.

3. Kapitel. Meine Zeit in München, ein neuer Lebensabschnitt, Flausen im Kopf und lästige Typen

Mit Anbruch meines dreißigsten Lebensjahres,beschloss ich das zu machen was MIR Spaß macht. Mir meine Zeit nach meinem ermessen sinnvoll zu gestalten.
Bisher hatte ich mich immer an alle Regeln gehalten die mir eher andere aufgedrückt hatten. Was juckt mich überhaupt was andere denken die selbst ein Schablonenleben führten? Im Grunde sind diese Menschen arm dran, wissen aber nichts davon, das ist vielleicht ihr Glück.

Ich musste raus, was erleben, andere Städte sehen und mir was zutrauen anstatt zuhause zu bleiben wo ich mich doch so sicher aber eingeengt fühlte, wie in einem Dornröschenschlaf.

Also beschloss ich die wichtigsten Dinge in meinen Landrover Devender zu packen und mich mit großer Neugierde auf die kommende Zeit auf den Weg nach München zu machen.

Ich hatte ein Zimmer auf einem Unicampus in München, welches mit Schränken, einem Bett, Schreibtisch und Kühlschrank ausgestattet war. Also brachte ich einen 2-Plattenherd, meinen PC, Fernseher und Hifi-Anlage mit. Als ich dann noch meine Klamotten und meine Schuhe in den Landrover packte war mein Wagen voller als voll.

Ich kam auf dem Campus an, bezog mein Zimmer und es kam zum ersten Treffen mit meinen zukünftigen Mitschülern. Ich hatte mich für den Beruf der Mediengestalterin entschieden um meine Kreativität endlich effektiv einsetzen zu können.

Fünf von meinen Mitschülern fielen mir gleich auf und ruckzuck waren wir uns sympathisch. Wie es oft so ist, lernt man schnell die Leute besser kennen und man merkt das man überhaupt nicht mit allen auf einer Wellenlinie liegt, aber solche Kandidaten merken garnicht dass man sich nicht für sie interessiert.
Ich hatte natürlich auch solch einen Fall dabei. Ein ganz seltsamer Typ genannt Kurty, wahrscheinlich hatte er in der Jugend zu viele Drogen genascht, auf jeden Fall war etwas in seinem Oberstübchen unmöbliert geblieben nur hatte er es noch nicht gemerkt.

Im gefiel München sooo gut, wahrscheinlich hatte er das erste mal Berlin verlassen, kam sich unheimlich schön vor und sagte ständig :“ is dat schön hier und mit die schönen Berge.....“ ächtz. Wir gaben ihm trotzdem eine Chance sich zu integrieren und gingen alle abends auf die Münchener Piste.
In Diskotheken kann man sich normalerweise gut aus dem Wege gehen, aber ich hatte ständig das Pech Kurty an den Hacken zu haben, er hatte sich wohl direkt verliebt oder so, ich war inzwischen ziemlich genervt vor allem weil er mir ständig intime Fragen stellte, die ihn rein gar nichts angingen.
Richtig frech und dreist. Selbst als ich es ihm direkt sagte hat er es nicht verstanden, der Typ war echt zu dumm um aus den Bus zu gucken.

Okay irgendwann schlossen in dieser Nacht die Läden und wir gingen noch zu anderen auf ihr Zimmer weil wir noch nicht Feierabend machen wollten, mit Chips, Oliven und Wein ging es dort weiter.

Kurty war irgendwann so stramm, das er mich fragte:“ Mathilda, kannste dir vorstellen mit mir zu schlafen?“ . Meine Emotionen müsst ihr euch folgendermaßen vorstellen, um zu beschreiben was in diesem Moment in mir vorging... meine ca. 80 cm langen Haare standen senkrecht zu Berge, die Augen so weit geöffnet das nur noch mehr weiß als Farbe/Iris zu sehen war, den Mund zu einem gequältem „ AAAAAaaaaahhhhhhhh“ geöffnet. Brrr, ekel...schüttel." Nä, kann ich mir kein Stück vorstellen und ich will es mir auch nicht vorstellen" Ich verbann seine Worte sofort aus meinem Kopf bevor ich traumatisiert wurde.

Die anderen konnten sich kaum halten vor entsetzen über seine unsinnig, dreiste Frage und waren ziemlich baff, sie wussten das sich jede Frau Kurty nackig um den Bauch wickeln konnte und es wäre bei keiner eine sexuelle Erregung zustande gekommen.

Mein Instinkt sagte mir „ Angriff ist die beste Verteidigung“ und „ halte dir einen Fluchtweg frei und setz dich schon mal in Aufspringposition“. Es war keine Reaktion von beiden nötig, die anderen hatten ihn gebeten zu gehen, was er natürlich nicht tat da er je eine recht lange Leitung hatte, darauf hin flogt er unsanft raus.

Natürlich war das dass Thema an den darauf folgenden Tagen in der Mensa und drum herum. Er hatte es mal wieder geschafft einen zentnerschweren Vogel abzuschießen und den Spott auf seiner Seite.

Die darauf folgende Zeit in München war wunderschön, ich hatte zwar immer noch den Stalker Kurty am Hintern, aber ich habe ihn nur noch ignoriert sonst hätte er mich zur Weißglut gebracht, er war schon oft genug haarscharf daran.

Ich hatte eine Freundin auf dem Campus gefunden die Claudia hieß und zu dieser Zeit 42 Jahre war. Wir verstanden uns prächtig. Wir konnten zusammen shoppen, reden, feiern und lernen, machten Picknick auf dem Campugelände mit grillen, Musik, Vino tino und Planschbecken.

Sie war für fast jede Dummheit zu haben, wir lebten und blüteten beide richtig auf und das sah man uns auch an.
Oft waren wir zwischen 5 und 8 Leute in eine Clique, schauten gemeinsam im Wechsel in unseren Zimmern Dvd's, kochten gemeinsam, und spielten sogar Flaschendrehen.
Das hatte ich zuletzt als 12 jährige gespielt, diesen Abend war ich 30. und spielte mit 6 Freunden ( Männer und Frauen), alle waren gut beschwipst.
Wenn die Flaschenspitze jemanden traf, musste beim (unprofessionellem) Bauchtanz gestrippt werden, was natürlich witzig aussah wenn das Gleichgewicht nicht mehr ganz vorhanden war, da hieß es dann " alle in Deckung". Es wurde lauthals gesungen, oder wir rannten zu dritt, nur noch bekleidet in Unterwäsche über den Flur und klopften an fremde Zimmertüren um dann gackernd wie Hühner weiter zu rennen.

Es war herrlich albern zu sein, und uns war es egal was andere dachten. Wir hatten unsere Freiheit und eine Menge Spaß. Lachen tut doch so gut.
Ganz im Gegenteil wie wir vermuteten, gewannen wir immer mehr an Beliebtheit bei den anderen Campusbewohnern, bald hatten wir quasi eine Fangemeinschaft und eine Menge Ansehen.

Natürlich waren nicht nur solche Hammerwerfer wie Kurty, Campusbewohner. Es gab auch richtige Schnuckelchen unter ihnen, yammy yammy.
Männer, ausgezeichnet mit erfrischenden Humor und einer Ausstrahlung die einfach mitreißend war.
Darunter hatte ich dann auch meinen Favoriten gefunden, er hieß Michael, war 35 Jahre alt und kam aus Mannheim, ein Fiffikus, kein Adonis aber mit ausgeprägtem Magnetcharakter, jedenfalls für mich.

Es hat bei mir eine Weile gedauert bis ich mich verknallt hatte, aber dann spürte ich es doch. Ich benahm mich wie ein kleines Mädchen, so aufgeregt war ich. Ich kaufte mir ein paar neue Klamotten, damit ich bei der Konkurrenz mithalten konnte.
Weil wir Sommer hatten und oft schwimmen gingen, kaufte ich mir einen teuren wasserfesten Kajal in einer Parfümerie, ich wollte doch gut aussehen.

Also gut, Michael und ich verabredeten uns mit den Fahrrädern zum Freibad zu fahren weil es sehr heiß werden sollte. Ich trug meinen Kajal auf und...ich gefiel mir echt gut.

Wir waren gerade im Freibad, hatten uns auf unsere Strandlaken gelegt da zogen Gewitterwolken auf. Wir konnten gerade noch unsere Sachen zusammenpacken da fing es an heftig zu regnen.
Es blieb uns nichts anderes übrig als etwas Schutz unter einem Baum zu suchen, da standen wir nun, eng beinander.... es war so romantisch, er schaute mir in die Augen ( das kribbeln in meinem Bauch war kaum auszuhalten, es ging bis in die Füße)...und er küsste mich ganz sanft. Das war so ein schönes Gefühl, mir wurde fast schwindelig. Ich ahnte allerdings nicht, das mein super teurer, wasserfester Kajal wohl nur als Stiftspitze unter der Stifthülle wasserfest war und ich wegen dem Regen aussah wie ein Panda. War das peinlich....

Es hatte ihn nicht gestört, als ich mich für mein unmögliches Aussehen später entschuldigte. Mein Missgeschick gefiel ihm viel besser und er fand mich so süß damit.

Wir waren beide verliebt über beide Ohren, leider für kurze Zeit. Uns trennte dann letztendlich unsere unterschiedlichen Auffassungen vom Leben und eine zu große geographische Entfernung.

Aber mein Leben ging natürlich weiter....in München....und erlebte so einiges.