50 Jahre Simson Schwalbe - 50 Jahre Freiheit




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50 Jahre Simson Schwalbe - 50 Jahre Freiheit
Simson Schwalbe © dieter76 - Fotolia.com

Die Simson Schwalbe feiert ihren 50. Geburtstag. Auch wenn die Produktion bereits vor fast zwanzig Jahren eingestellt wurde, ist die Faszination für diesen kleinen Roller noch immer ungebrochen - vor allem im Osten Deutschlands.

Im Januar 1964 lief die erste Simson Schwalbe KR 51 vom Band des VEB Fahrzeug und Gerätewerk Simson - später VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk "Ernst Thälmann" - in Suhl. 163.500 Stück dieser ersten Baureihe sollten in den kommenden vier Jahren folgen. Ziel war es, ein Kleinkraftrad zu schaffen, das mit westlichen Standards konkurrieren konnte. Anfangs auf eine Höchstgeschwindigkeit von 68 Stundenkilometern konzipiert, wurde die Schwalbe schließlich auf 60 Stundenkilometer gedrosselt. Dem Fahrspaß tat das allerdings keinen Abbruch.

Der kleine Vogel mit 50 Kubikzentimeter Hubraum und 3,4 Pferdestärken brachte vor allem der jungen Generation ein ungeahntes Freiheitsgefühl. Auch liebevoll Vespa des Ostens genannt, galt der Kleinroller als unverwüstlich, war leicht zu reparieren, erschwinglich und vor allem ohne lange Wartezeiten erhältlich. 

Frei wie ein Vogel

Dabei war die Schwalbe der erste Motorroller der Vogelserie. Später folgten noch Spatz, Star, Sperber und Habicht. Benannt nach heimischen Vogelarten sollten die kleinen Roller alles verkörpern. Die gefiederten Tierchen standen seinerzeit für Heimatverbundenheit und Treue, aber eben auch für Freiheit und Abenteuerlust.

Hergestellt wurden sie alle in Suhl - und zwar nach dem kostengünstigen Baukastenprinzip. Von der Schwalbe rollten in den drei Produktionsserien KR 51, KR 51/1, KR 51/2 in den Jahren 1964 bis 1986 mehr als 500.000 Exemplare vom Band. Ähnlich erfolgreich war der Star, der in den Jahren 1964 und 1975 mit ebenfalls rund 500.000 Stück hergestellt wurde. Auch die Produktion des Spatz startete 1964 in Suhl. Rund 150.000 Stück wurden bis 1971 verkauft. Der Sperber folgte 1966 (bis 1972) mit rund 80.000 Exemplaren. Und schließlich komplettierte der Habicht die Vogelserie in den Jahren 1972 bis 1975 mit ebenfalls knapp 80.000 Stück.

Im Werk zu Hause

In den 70er und 80er Jahren kamen keine weiteren Vögel hinzu - die neuen Modelle der Simson-Werke erhielten andere Namen. Rund 2.500 Menschen arbeiteten seinerzeit in dem Werk, das am Rande des thüringischen Suhl seinen eigenen kleinen Mikrokosmos errichtet hatte. Hier gab es neben der werkseigenen Kantine einen Konsum, einen Kindergarten und ärztliche Versorgung. Ebenso waren Friseure, Schneider und Handwerker aller Gewerke vor Ort. Lehrlinge waren im Wohnheim untergebracht und die Arbeiter fuhren mit Bus, Bahn oder dem Werks-Barkas nach Hause. Und gefeiert wurde stilecht im Simsonkulturhaus, das tagsüber als Kino, abends als Veranstaltungssaal diente.

Nach der Wende wurde die Produktion durch die Treuhand zum Ende des Jahres 1991 aufgrund des schwächelnden Absatzes eingestellt. Die ehemaligen Käufer der Kleinroller interessierten sich nun eher für Westautos und -roller. Insgesamt wurden rund sechs Millionen Fahrzeuge in Suhl hergestellt.  

Kampf nach der Wende


Doch die ehemaligen Mitarbeiter des Simson-Werkes wollten nicht einfach aufgeben. Bereits 1992 gründeten sie die "Suhler Fahrzeugwerk GmbH". Unter der Marke Simson führten sie die Produktion fort und entwickelten die Roller nach zeitgemäßen Standards weiter. Seit 1996 trugen sie auch wieder Vogelnamen. Nach einigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten wurde das Unternehmen 2003 allerdings versteigert.

Heute werden in Suhl keine Neufahrzeuge mehr gebaut. Lediglich Ersatzteile für alle bestehenden Modelle werden in dem Werk hergestellt. Aufgrund des Baukastenprinzips sind sie oft universell und modellübergreifend einsetzbar. Neben den neuhergestellten Ersatzteilen gibt es allerdings auch noch Originalersatzteile auf dem Teilemarkt.

Kult-Vögel


Der Faszination für die flotten Vögel tut das keinen Abbruch, sind doch die Besitzer in der Regel echte Liebhaber und wahre Schraub-Künstler. Ihre Fertigkeiten stellen sie in Fanclubs und auf den regelmäßig stattfindenden Simson-Treffen zur Schau. Die wohl größte dieser Zusammenkünfte findet alljährlich in Zwickau mit Wettkämpfen und Rundflügen statt - in diesem Jahr am 19. Juli. Dann versammeln sich die Vögel wieder.




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