Andreas Gruber: Das Eulentor
Ein phantastischer Abenteuerroman in der Tradition Jules Vernes
Andreas Gruber, Träger des deutschen Phantastik-Preises, hat mit "Das Eulentor" einen Roman geschaffen, der sich ganz in der Tradition von Jules Verne und E.A.Poe bewegt. Sogar die äußere Aufmachung des im Blitz-Verlag erschienenen Buches orientiert sich an den Klassikern düsterer Phantastik.
Eine Expedition ins ewige Eis von Spitzbergen
Der Wiener Arzt Alexander Berger macht 1911 sich auf die Reise nach Spitzbergen und wird von Jan Hansen begleitet, der die Insel kartographieren soll. Mit weiteren Männern werden sie auf der Insel ausgesetzt und sollen sie zu Fuß erkunden. Sie entdecken einen runden Schacht, der in eine unergründiche Tiefe führt. Ein Expeditionsmitglied stürzt mitsamt Hundeschitten hinunter. Wenn sie Gegenstände hinunterfallen lassen, hören die Männer keinen Aufprall. Der Schacht scheint tatsächlich bodenlos zu sein.
Expedition auf Abwegen
Nach dieser Entdeckung ändern die Männer ihr Expeditionsziel und widmen sich der Erforschung des geheimnisvollen Schachtes. Dazu muss aber erst einmal Geld aufgetrieben und Material herbeigeschafft werden. Das braucht seine Zeit und so spielt die Geschichte im Zeitraum von 1911 - 1914. Die Geldgeber, die die immer aufwendigere Expeditionsausrüstung finanzieren, mischen sich auch mehr und mehr in die Arbeit vor Ort ein, was zu Spannungen innerhalb der Gruppe führt.
Der unendliche Schacht
Der Schacht kann nicht natürlichen Ursprungs sein, denn sein Durchmesser beträgt genau 3, 14 Meter, was der Kreiszahl Pi entspricht. Es lässt sich außerdem nicht feststellen, aus welchem Material die Wände sind. Die meiste Zeit zieht die Luft in dem Schacht nach unten, aber wohin?
Nachdem Stufen in die Tiefe nicht ausreichen, wird mit Winden gearbeitet und Zwischendecken eingezogen. Als auch dafür die Seile zu lange und zu schwer sind, wird eine Art vertikale Zahnradbahn in den Schacht gebaut, mit der man auf bis zu siebzig Kilometer Tiefe kommt. Der Abstieg in den Schacht und der Aufstieg dauern mehrer Stunden.
Abenteuerroman oder phantastischer Roman?
Bis etwa zur Mitte des Romans, bleibt es eigentlich eine Abenteuergeschichte über eine Expedition ins ewige Eis, mit einigen Todesfällen und im Umkreis eines geheimnisvollen Schachtes. Die phantastischen Elemente treten erst gegen Ende des Romans auf, wenn Expeditionsmitglieder, die länger unten im Schacht bleiben, diesen zwar einerseits faszinierend finden, andererseits aber dem Wahnsinn verfallen und einer nach dem anderen Sterben.
Das Unwesen aus dem Schacht
Der Protagonist der Geschichte, Alexander Berger, kommt selbst - als er seinen dem Wahnsinn verfallenen Freund Hansen retten will, beinahe ums Leben. Noch bedrohlicher ist aber, dass ein Unwesen (von vielleicht vielen) aus dem Schacht den Weg nach oben gefunden hat und mordet. Es gelingt Alexander Berger dieses Wesen zu vernichten. Um die Menschen vor den Gefahren aus dem Schacht zu bewahren, sprengt er mit dem letzten vorhandenen Sprengstoff den Eingang zum Schacht.
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Wenig Phantastik, mehr Abenteuer
Andreas Gruber hat einen Roman geschrieben, der vielleicht näher an dem klassischen Abenteuerroman ist als an phantastischen Romanen etwa eines H.P. Lovecraft. Phantastische und Horrorelemente werden in der ersten Hälfte des Buches sehr sparsam eingesetzt.
Ich-Perspektive und Spannung
Der Roman ist, bis auf wenige Absätze, durchgehend in der Ich-Perspektive des jungen Arztes Alexander Berger geschrieben. Das war bei vielen klassischen Abenteuerromanen, etwa von Jack London, durchaus häufiger der Fall. Heute ist das eher unüblich, denn ein Spannungsmoment, ob nämlich der Protagonist die anstehenden Gefahren überlebt, wird dadurch genommen.
Insgesamt ein lesenswerter Roman, bei dem in dieser Aufmachung (Hardcover mit einigen Illustrationen) auch der Preis in Ordnung geht.
Andreas Gruber: Das Eulentor. Blitz-Verlag 2008. Hardcover, 256 Seiten. Euro 17,95.
Rezension ertmals erschienen bei suite101.
http://www.suite101.de/writer_articles.cfm/rabe
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