Autonamen: Charmante Macken und peinliche Irrtümer




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Ein Auto ist ein Gebrauchsgegenstand. Logisch. Aber es verkörpert eben auch Eleganz, Schönheit und den treuen Helfer in allen Lebenslagen. Daher beschäftigen sich die Marketingabteilungen großer Konzerne ebenso mit wohlklingenden Autonamen wie die späteren Fahrzeugbesitzer. Ein kleiner Streifzug durch ein Themengebiet voller Peinlichkeiten, Macken und Irrtümer.

Vornamen fürs Auto

Mal ehrlich. Hand aufs Herz: Wer hat noch nie mit seinem Auto gesprochen? Spätestens bei der ersten Panne unterwegs redet wahrscheinlich jeder seinem Fahrzeug gut zu. Zumindest aber wird dann auf die „Sch...karre“ geschimpft, ganz so, als könnte das Gefährt irgendetwas dafür.
Obwohl das Auto vermutlich weltweit einen besonderen Status unter den Gebrauchsgegenständen einnimmt, wird vor allem über die Deutschen behauptet, das Auto sei ihr liebstes Kind. Tatsächlich „fühlt“ sich hierzulande ein Lackkratzer für so manchen Autofreund an wie ein Riss in der eigenen Haut.
Da ist es schon beinahe naheliegend, dass Autos auch einen Namen erhalten. Dabei handelt es sich offenbar um eine charmante Macke, die (entgegen allen Vorurteilen) keineswegs nur Frauen hegen. Einige Männer nennen ihr Auto zwar einfach „Baby“. Andere aber sind da wesentlich kreativer. Diskrete Recherchen haben ergeben, dass unter anderem folgende Autonamen im Umlauf sind: Bruno, Sally, Paul, Heiner, Hektor und Johann.
Manche Besitzer eines Renault Megane hingegen machen es sich einfach und nennen ihr Gefährt schlicht Meg beziehungsweise Meggy. Noch einfacher zu erklären ist der Name, den so mancher Trabant in den letzten 23 Jahren verliehen bekam: Seit dem Kultfilm „Go, Trabi, go“ heißen viele der überlebenden Zweitakter aus Zwickau natürlich „Schorsch“.
Dennoch ist die Eigenart, mit Autos zu sprechen und ihnen Namen zu geben, den meisten Menschen hierzulande ein wenig peinlich. Warum eigentlich? Immerhin gab es in den 1980er Jahren sogar eine sehr erfolgreiche Fernsehserie, deren Hauptdarsteller mit einem Auto namens KITT sprach. David Hasselhoff wurde in der Rolle des „Knight Rider“ in Deutschland schließlich ziemlich berühmt...
 

Tierisches und Autos mit Spitznamen

Angehörige mancher Naturvölker trugen früher tierische Namen, deren Symbolkraft bestimmte Eigenschaften ihrer Namensträger darstellten. Wir kennen das aus Indianerromanen: Großer Bär ist besonders stark, Flinker Hirsch kann sehr schnell laufen und an Weiße Taube schätzt man eben Schönheit und Friedfertigkeit.
Offenbar verfolgten im Laufe der Automobilgeschichte einige Marketingstrategen ganz ähnliche Absichten und ließen Tiere für bestimmte Fahrzeuge Pate stehen. So gilt Jaguar bis heute als sportliche Luxusmarke, und der legendäre Ford Mustang symbolisiert Freude an Geschwindigkeit. Ebenfalls für Pferdeliebhaber war offenbar der Hyundai Pony gedacht. Welche Eigenschaften uns Opel allerdings mit dem doch eher behäbigen Manta suggerieren wollte bleibt dem Autor dieses Artikels ebenso rätselhaft, wie der Umstand, dass Pontiac eines seiner Modelle Firebird (Feuervogel) taufte.
Doch nicht nur die Autohersteller selbst bedienten sich bei der Namensfindung gern tierischer Vorbilder. Auch die Autofahrer steuerten so manche inoffizielle Bezeichnung bei. Man denke nur an den VW Käfer, den Elefantenrollschuh (ein früherer Fiat 500 und sein Lizenzmodell Polski Fiat 126) oder die Taigaziege als abfällige Bezeichnung für den russischen Saporoshez. Bekannt ist natürlich auch die Ente von Citroen. Dieser Hersteller produzierte übrigens noch ein weiteres Modell mit inoffizieller Bezeichnung. Der legendäre Citroen DS wurde aufgrund einer phonetischen Ähnlichkeit auch als die „Göttin“ bezeichnet. Wirklich göttlich war das Design des Wagens allerdings nicht. Einen weniger schmeichelhaften Namen hingegen musste sich die erste Generation des Ford Escort gefallen lassen. Wegen der Form des Kühlergrills nannte man das Fahrzeug gelegentlich „Hundeknochen“...
 

Anhalter

Anhalter

von: Michael Voigt




Misslungene Autonamen

Für Lacher und Negativwerbung sorgen bisweilen jedoch die Autohersteller selbst. Im Bemühen um originelle, gut klingende und einprägsame Typenbezeichnungen geriet schon so manche Namensfindung gründlich daneben. Eines der bekanntesten Beispiele hierbei ist der zu Beginn dieses Jahrtausends produzierte Mazda Laputa. Da im spanischsprachigen Raum La Puta eine Hure bezeichnet, enthielt das Werbeversprechen „Laputa bietet auf engstem Raum größten Nutzen“ natürlich eine sehr zweideutige Aussage. Ähnlich erging es Mitsubishi mit dem Pajero, denn dieses Wort deutet im Spanischen auf Solo-Sex hin. Die Firma Rolls Royce hingegen musste eines Tages feststellen, dass der Modellname „Silver Mist“ im Deutschen keine wirklich gute Werbung ist. Nicht weniger stinkend ergeht es dem Toyota MR2 im Französischen, wo diese Bezeichnung phonetisch dem Wort merde (Scheiße) ähnelt. In die gleiche Kategorie gerät unfreiwillig Audi mit seinem Elektromodell E-Tron, den „etron“ ist das französische Wort für „Kothaufen“.
Vulgär gebärdete sich zudem ein Honda mit der Typenbezeichnung „Fitta“, was in Schweden ein unfeiner Ausdruck für das weibliche Geschlechtsorgan ist. Das Gegenstück dazu lieferte der Ford Pinto, das dieses Wort in Brasilien unter anderem für einen kleinen Penis gebraucht wird.
 

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