Bewerbung um einen Arbeitsplatz
Hoffnung auf einen Job
Die Bewerbung
Wolfgang ist wieder einmal arbeitslos. Er hat bereits unzählige Bewerbungen geschrieben und bringt immer wieder neue zu Papier. Gut ausgebildet, kann er etwas. Als Maschinenbauer, Programmierer und CNC- Dreher ist Wolfgang für viele Stellen über qualifiziert. Ich nehme jede Arbeit an, betont er in seinen Schreiben immer wieder. Null Chance. Zahlreiche Umschulungen liegen hinter Ihm. Außer Kosten, hat es nichts gebracht. Unverhofft stößt Wolfgang beim Studium der Tageszeitung auf eine kleine, unscheinbare Anzeige. Ein Mittelständiges Unternehmen sucht einen CNC-Dreher mit guten Kenntnissen der Programmierung. Diese Firma befindet sich nicht allzu weit von seiner Wohnung. Wolfgang entschließt sich die Unterlagen persönlich bei der Personalabteilung abzugeben. Gleichzeitig werden dadurch Porto kosten gespart. Durch die vielen Schreiben sind diese gewaltig gestiegen.
Die Abgabe der Bewerbungsunterlagen
Gleich Montag früh fährt Wolfgang zu diesem Unternehmen. Alles ist verschlossen. Im Hof der Firma steht ein großer LKW und ein Mann in einer grünen Latzhose lädt mit einem Gabelstapler Kisten auf das Fahrzeug. Wolfgang läuft zum Gabelstapler. Der Mann in der Latzhose schaut neugierig auf Wolfgang. „Jetzt wo ich fast fertig bin, willst Du mir wohl helfen?“, fragt dieser angriffslustig. „Falls es noch etwas zu tun gibt, kein Problem für mich“, antwortet Wolfgang, krempelt sich die Ärmel hoch und will bereits mit zufassen. Beide kommen ins Gespräch. Auch über die Firma vor Ort wird sich unterhalten. Wolfgang erzählt, dass er nur seine Bewerbung abgeben wollte. „Es ist aber niemand da.“ „Kein Problem“, sagt der Arbeiter. Er war vielleicht doppelt so alt wie Wolfgang. „Gib mir den Umschlag. Er kommt schon an die richtige Stelle. Der Rest der Belegschaft muss sich einen Vortrag über Feuerlöscher anhören. Ich hatte keine Lust“, meint der Arbeiter augenzwinkernd. „Einer muss ja die Arbeit tun.“ Etwas zögerlich überreicht Wolfgang den großen Umschlag mit seinen Unterlagen und verabschiedet sich dankend. Genau eine Woche später ist ein Brief dieser Firma in seiner Post. Entwicklung und Fertigung steht auf dem Absender. Wolfgang ist erst einmal froh, dass es kein großer Umschlag ist. Großer Umschlag bedeutet, Bewerbungsunterlagen kommen zurück. Nervös reißt Wolfgang den Umschlag mit einem Ruck auf. Er habe sich am Donnerstag zu einem Vorstellungsgespräch in der Firma zu melden, steht drin. Dazu die Zeit. Mehr nicht.
Das Vorstellungsgespräch
Pünktlich, zehn Minuten vor dem Termin, steht Wolfgang, gut gekleidet, am Büro des Chefs. Die Sekretärin bittet ihn im Vorzimmer Platz zu nehmen. Kurz vor 09.00 Uhr geht die Tür auf: „Er soll rein kommen“, ruft der Chef. Wolfgang betritt mit gemischten Gefühlen diesen heiligen Raum. „Nimm Platz“, tönt es Wolfgang entgegen. „Willst Du einen Kaffee oder lieber ein Wasser“, fragt der Chef weiter. „Ein Wasser bitte“, antwortete Wolfgang höflich. Alles ziemlich vertraulich, denkt er bei sich. Endlich gibt es eine Gelegenheit, sein gegenüber genauer anzuschauen. Das ist doch die gleiche Person, die den LKW beladen und seine Unterlagen in Empfang genommen hat, bemerkt Wolfgang völlig überrascht. Es war also der Chef höchst persönlich, der sich mit mir am Fahrzeug unterhalten hatte. Krampfhaft überlegt Wolfgang, ob er damals etwas unüberlegtes gesagt haben könnte. Er konnte sich nicht daran erinnern. Nach einem kurzen schweigen, lächelte der Chef Wolfgang zu. „Nur Mut, junger Mann“. Ein rein fachlicher Dialog beginnt. Etwa fünfzehn Minuten später, sagte der Chef zu Wolfgang: „Sie können es. Morgen sieben Uhr an der Maschine. Probezeit einen halben Monat. Das reicht, um zu erkennen, ob wir ein Team werden.“ Damit verabschiedete der Chef Wolfgang, hintergründig dabei lächelnd. Verschwitzt aber glücklich fährt Wolfgang nach Hause. Er hat den Job. Selbstverständlich wird er sich die größte Mühe auf Arbeit geben.
Inzwischen sind über drei Jahre vergangen. Wolfgang gehört fest zur Firma. Fast schon zum Inventar, wie der Chef auf Firmentreffen oftmals scherzhaft andeutet. Der Chef und Wolfgang verstehen sich blendend. Gern erinnern sich beide an den Beginn der Bewerbung am LKW.
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