Brasilia – Die ungeliebte Hauptstadt Brasiliens




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Brasilia – Die ungeliebte Hauptstadt Brasiliens
Der Nationalkongress in Brasilia (© Carla Salguerio @ flickr)

Die Hauptstadt Brasiliens ist weder die Urlaubsmetropole Rio de Janeiro, noch die 11 Millionen Einwohner große Stadt Sao Paulo. Die Hauptstadt des südamerikanischen Landes ist das zentral, auf einem 1158 Meter hohen Plateau, gelegene Brasilia. Weit abseits von Zuckerhut und Co. werden hier anlässlich zur Fußball Weltmeisterschaft 2014 sieben Spiele stattfinden, darunter ein Achtelfinal-, ein Viertelfinal- und ein Halbfinalspiel.

 

Eine Stadt vom Reisbrett

Doch warum wurde eine auf einem Reisbrett entworfene Planstadt zur brasilianischen Metropole? Verantwortlich dafür war der brasilianische Politiker Juscenlino Kubitschek, der in den Jahren 1956 bis 1961 das Amt des Staatspräsidenten von Brasilien besetzte. Eines seiner größten Projekte während seiner fünfjährigen Präsidentschaft war die Erschließung des menschenleeren Landesinneren, durch die Gründung von Brasilia. Der Bau der neuen Landeshauptstadt wurde bereits in der Verfassung von 1891 festgelegt, doch es dauerte beinahe ein halbes Jahrhundert bis Kubitschek das Vorhaben in die Wirklichkeit umsetzte.
Brasilia wurde von der Küste her erschlossen. Um den Bau der neuen Hauptstadt überhaupt möglich zu machen, mussten zuerst tausende Kilometer Straßen gebaut und Bahngleiße verlegt werden. Die für den Bau von Straßen und Gebäuden notwendigen Materialien wie Sand, Kies oder Stahl wurden mit LKWs oder per Güterzüge aus über 1.000 Kilometern herangeschafft. Am 21. April 1960 hat Brasilia nach fast 200 Jahren Rio de Janeiro als Landeshauptstadt abgelöst.

 

Architektonische Highlights

Der verantwortliche Stadtplaner wurde Lucio Costa und als Chef des staatlichen Bauamtes wurde Oscar Niemeyer ernannt, der für das Gesamtprojekt Brasilia und für die Entwürfe der öffentlichen Gebäude zuständig war. Aus deren Feder entstanden zahlreiche architektonische Meisterwerke, die für die damalige Zeit mit ihrem futuristischen Aussehen für große Euphorie sorgten. Die berühmtesten Bauwerke sind die offizielle Arbeitsstätte des Präsidenten, der „Palacio do Planalto“, das Kongressgebäude „Congresso Nacional“ oder der Fernsehturm „Brasilia“, das mit 224 Metern höchste Gebäude des Landes. Lohnenswert ist ein Besuch des Praca dos Tres Poderes („Platzes der Drei Gewalten“), einem 120 mal 220 Metern großen betonierten Platz mit modernen Skulpturen, der neben den oben genannten Regierungsgebäuden noch den obersten Gerichtshof, den „Supremo Tribunal Federal“ beherbergt.

 

Boomstadt Brasiliens

Heute ist Brasilia eine Boomstadt, nirgendwo in Brasilien ist das Pro-Kopf-Einkommen größer als in der Betonhauptstadt. Innerhalb der Stadtgrenzen leben rund 200.000 Einwohner auf etwa 470 Quadratkilometern. Hier leben vor allem Bürger aus der Mittel- und der Oberschicht, die in den staatlichen Verwaltungseinrichtungen arbeiten. Die meisten Menschen leben in den Vorstädten, dort prägen zum einen die hohe Arbeitslosigkeit und zum anderen die bei Großstädten üblichen Begleiterscheinungen, wie ein hoher Drogen- und Alkoholkonsum oder steigende Kriminalitätsraten. In der Metropolregion rund um Brasilia, die bis in die Bundesstaaten Goiás und Minas Gerais reicht, leben etwa 3,5 Millionen Menschen. Seit 1987 wird Brasilia auf der UNESCO-Liste für Weltkulturgut geführt, im März 2008 wurde der Stadt der Titel „Kulturhauptstadt Amerikas“ verliehen.

Brasilia symbolisiert mit seiner modernen Architektur und den extravaganten Baustilen den Fortschritt des Landes. Dennoch fehlen der Stadt noch zusätzliche soziokulturelle Einrichtungen, die einer Hauptstadt das pulsierende Leben einer echten Großstadt vermitteln. Große Hoffnung wird auf die Fußballweltmeisterschaft 2014 gesetzt. Sie soll neue Wachstumsimpulse bringen und das aktuelle Image der Stadt als „langweilige, graue Maus“ in Brasilien und der ganzen Welt aufbessern. Zu diesem Anlass wurde extra ein neues Nationalstadion, das Estádio Nacional de Brasilia, mit einem Fassungsvermögen von über 70.000 Zuschauern das zweitgrößte Fußballstadion der WM, gebaut.




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