Buchkritik: Brussig "Wie es leuchtet"




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Der Roman über das Zusammengehen der deutschen Staaten

Viele Leser und noch mehr Zuschauer bei der Verfilmung der "Sonnenallee" haben sich zu Brussigs Werken vor Lachen gekringelt. Wer Ähnliches von seinem Roman "Wie es leuchtet" erwartet, wird enttäuscht werden. Wenn man sich aber auf die Erzählweise einlässt, bekommt man einen Einblick in eine Zeit, die viele – vor allem in Westdeutschland – in ihrer ganzen Tragweite kaum wahrgenommen haben. Dieser Roman über den Umschwung in der DDR wird noch lange das damalige Lebensgefühl auf literarische Weise vermitteln. Er sollte Schullektüre werden, ist dafür allerdings mit mehr als 600 Seiten wohl doch zu dick.

Um was geht es?

Das ist gar nicht so einfach zusammenzufassen. Am ehesten kann man noch Vergleiche zu Filmen von Robert Altman ziehen. Da geht es auch häufig um eine Vielzahl von Personen, ohne dass man einen oder mehrere Protagonisten ausmachen kann. Als Debutroman hätte Brussig diese Art zu Erzählen, so kunstvoll sie auch ist, wohl kaum bei einem großen Verlag untergebracht.

Problematisch bei der Zusammenfassung des Inhaltes ist es schon, dass es keine Hauptfigur gibt. Vielmehr haben wir ein ganzes Bündel von einzelnen Erzählsträngen mit ihren jeweiligen Figuren. Einen Hochstapler, der sich als "Sonderbevollmächtigter von VW" ausgibt und die Lage in Ostdeutschland analysiert, einen dicken Hoteldirektor, der sein Fähnchen nach dem Wind hängt, ein erfolgreicher Journalist eines "großen Hamburger Magazins", eine Blinde, der mit einer Operation im Westen das Augenlicht geschenkt wird und andere mehr. Jeder einzelne der Erzählstränge zeugt von Brussigs Lust am Fabulieren und hätte für sich genommen schon bald einen Roman füllen können. Kunstvoll werden die einzelnen Erzählstränge miteinander verwoben, treffen sich und teilen sich wieder. Am ehesten kann man die Erzählweise wie gesagt mit den Filmen von Robert Altman vergleichen.

Ostdeutschland

Wie es leuchtet

Wie es leuchtet

von: Fischer (Tb.), Frankfurt, Thomas Brussig
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Am kürzeren Ende der Sonnenallee

Am kürzeren Ende der Sonnenallee

von: Fischer (Tb.), Frankfurt, Thomas Brussig
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Berliner Orgie

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Helden wie wir

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Leben bis Männer

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Humor

Brussigs Bücher "Helden wie wir" und "Am kürzeren Ende der Sonnenallee" waren wohl vor allem durch ihren Humor erfolgreich. Der kommt bei "Wie es leuchtet" auch nicht zu kurz. Das Buch ist allerdings weniger brüllend komisch wie die beiden anderen genannten Werke, vielmehr hat es eine etwas melancholische Heiterkeit und ein Gespür für absurde Situationen, die gleichzeitig auch noch eine Portion Tragik beinhalten. Besonders deutlich wird das bei der Blinden, der durch eine Operation im Westen nach der Vereinigung das Sehen geschenkt wird. Trotz der körperlichen Möglichkeit zu sehen, kommt sie mit den zusätzlichen Sinneseindrücken nicht zurecht. Ihre geschärften anderen Sinne verkümmern gleichzeitig.

Fazit:

Brussigs "Wie es leuchtet" verleiht den vielen Facetten aus der Zeit um 1989/90 menschliche Gesichter. Ein literarisches Geschichtsbuch für den Westen ebenso wie für den Osten.

Diese Kritik ist erstmals bei
http://www.suite101.de erschienen.