Die Ehrlichkeit der Menschen untereinander




Platz #512 in Essen & Kochen, #10091 insgesamt
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Das eigene Geburtstagsessen - eine Kurzgeschichte

Die Ehrlichkeit der Menschen untereinander

Ein Geburtstagsessen nur allein für Erwin Kunze

Erwin Kunze hat sich in Schale geworfen und sich selbst zu einem gu­ten Essen eingeladen. Der dunkle Anzug steht ihm ausgezeichnet. Er ist eine stattliche Erscheinung und die Frauen dre­hen sich interessiert nach Ihm um. Nur der grüne Binder will nicht so recht zu seinem Outfit passen. Es fehlen die kontrollie­renden Augen einer Ehefrau. Er ist seit kurzem geschieden. Ge­nau vor Fünfzig Jahren war Erwin in dieser Stadt geboren wor­den. Da möchte er sich an diesem, seinem Geburtstag etwas ganz Be­sonderes gönnen. Das beste Re­staurant dieser Stadt ist der „Deutsche Hof“ am Markt. Er­win steuert direkt darauf zu. Im Hotel angekommen, macht er es sich an einem Tisch an der Fensterseite bequem und bestellt Muscheln in Weißwein, sein Leibgericht. Nach ei­nem kurzen Moment kommt das Ge­wünschte. Erwin kon­zentriert sich jetzt nur noch auf seine Mu­scheln. Der Berg mit den Schalen auf dem Abfallteller wächst schnell. Nach etwa einer Viertelstunde spürt Erwin, wie ein starker, nicht unangenehmer Duft seine Nase umspült.

Die zufällige Tischbekanntschaft

Erwin blickt kurz hoch. Vor seinem Tisch steht eine hübsche, nach neuster Mode gekleidete, attraktive Dame. Erwin schätzt sie auf etwa Vierzig Jahre, obwohl er sich bei Frauen oftmals irrt. Höflich fragt Sie, ob ein Platz an seinem Tisch frei ist. Et­was verwun­dert nickt Erwin Ihr zu. Das Lokal ist mäßig be­sucht und die meisten Tische sind nicht belegt. Er hat nichts da­gegen. Erwin wid­met sich schnell wieder seinen Muscheln und denkt an nichts anderes. Nachdem die Dame Platz ge­nommen hat, stellt Sie sich mit Frau Krause vor. Jetzt be­stellt Frau Krause eine Vor­suppe, eine große Fischplatte und den passenden Wein dazu. Im Unterbewusstsein denkt Er­win nur, Kunze und Krause, wie lustig dies klingt, und speist genüsslich weiter. Das folgende Gespräch am Tisch verläuft schleppend. Die Dame erzählt von ihren Kindern, vom Wetter, Gott und der Welt. Erwin nickt manchmal, ohne richtig hin zu hören. Wirklich interessieren Ihn nur sei­ne Muscheln. Sie sind bestens zubereitet und nach seinem Geschmack. Schließlich hat sich die Dame alles einver­leibt, während sich Erwin immer noch an seinem Muschel­berg zu schaffen macht. Plötzlich entschuldigt sich Frau Krau­se, Sie müsse mal für kleine Mädchen, steht auf und geht in Richtung Toiletten. Erwin wieder allein, findet es so besser.

Der betrogene Erwin Kunze

Nach einer ganzen Weile kommt der Kellner zu Erwin an den Tisch. Ihre Schwester musste ganz dringend weg, teilt er be­dauernd mit und zuckt mit den Achseln. Sie sagte, dass Sie die gesamte Rechnung gern für Sie übernehmen würden. Zu Hause bekämen Sie das Geld sofort wieder. Was bleibt Erwin anderes übrig, wenn er kein großes Aufsehen erregen möchte. Zähne­knirschend bezahlt Erwin über Siebzig Euro. Diesen Tag will er sich nicht noch weiter verderben lassen.

Das zufällige Wiedersehen

Ungefähr einen Mo­nat später sieht Erwin zufällig diese Frau vor einem Schaufens­ter eines Schuhgeschäftes stehen. Sie hat das glei­che dunkelblaue Kostüm wie damals an. Zügig geht Erwin auf die Dame zu um Ihr gehörig den Kopf zu waschen. Aber was ist das? Sie scheint noch er­freut. Dies verwirrt Erwin. Endlich treffe ich Sie, meint Sie lächelnd, bevor Erwin überhaupt den Mund aufmachen kann. Ich wollte stets meine Schulden bei Ih­nen bezahlen, hatte aber keinerlei Anschrift von Ihnen, meint Sie versöhn­lich. Sie ist nicht nur gut angezogen, Sie ist auch eine sehr schöne Frau für Ihr Alter. Beide sind ein ansehnliches Paar. Dort in dem Gebäude gegenüber wohne ich. Sie zeigt auf die andere Straßenseite auf ein gelbes Hochhaus. Ich hole schnell etwas mehr Geld und als Entschädigung ein kleines Ge­schenk für Sie. Damit Sie mir vertrauen können, gebe ich Ihnen als Pfand meine Handtasche mit meinem Ausweis. Sie öffnete die Tasche und deutete auf das Dokument. Es ist wirklich Ihr Ausweis. Danach verschwindet die Dame in dem besag­ten Haus. Verlegen geht Erwin auf und ab und hält dabei et­was versteckt die Handtasche auf dem Rücken. Irgendwie ist es Ihm peinlich.

Der doppelt ausgetrickste Erwin Kunze

Doch niemand achtet auf Erwin. Nach etwa einer Viertelstunde hört er Schreie. Erwin blickte in die Richtung aus der diese Geräusche kom­men. Ein Polizist und eine Frau nä­hern sich Ihm schnell. „Dort, dort, das ist er“, kreischt die Frau laut und immer wieder. „Der Mensch da hat meine Handtasche gestohlen“, jammert die Frau. Der Polizist versucht Sie zu be­ruhigen. Einige Leute bleiben stehen und schauen interessiert dem Schauspiel zu. Für den Polizisten ist die Situation eindeu­tig. Ein einzelner Mann der eine Frauenhandtasche hinter dem Rücken verbirgt, ist mehr als nur verdächtig. Beim näher kom­men erkennt Erwin, es ist wieder die Dame im blauen Kostüm. Ziemlich verdutzt gibt Erwin der Frau die Handta­sche sofort zurück.

Das Endergebnis seines Geburtstagsessen

Als der Polizist die Personalien für ein Protokoll auf­nehmen will, hat sich die Frau bereits wieder aus dem Staub gemacht. So muss nur Erwin eine Aussage machen. Der Poli­zist hört sich aufmerksam seine Geschichte an. Daraufhin lässt er, ohne Protokoll, Erwin sofort laufen. Im Weggehen schüttel­te der Polizist ungläubig, aber so hef­tig seinen Kopf, dass fast seine Dienstmütze runter fällt. Gibt es so etwas in unserer Stadt, fragt er sich immer wie­der. Auch Erwin überlegt, wie es passieren konnte, dass er gleich zweimal auf genau die gleiche Dame reingefallen ist. In Zukunft werde ich vorsichtiger sein, schwört er sich. Dabei macht Erwin um jede Frau die Ihm ent­gegen kommt, einen riesigen Bogen. Alter und Aussehen der Frauen spielt dabei keine Rolle. Bei meinem nächsten Geburtstagessen lasse ich niemanden an meinen Tisch, schwört sich Erwin.
 

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betrug am kundenDSCF0974DSCF0976Dürfen jetzt alle betrügen?