Die Ehrlichkeit der Menschen untereinander
Das eigene Geburtstagsessen - eine Kurzgeschichte
Ein Geburtstagsessen nur allein für Erwin Kunze
Erwin Kunze hat sich in Schale geworfen und sich selbst zu einem guten Essen eingeladen. Der dunkle Anzug steht ihm ausgezeichnet. Er ist eine stattliche Erscheinung und die Frauen drehen sich interessiert nach Ihm um. Nur der grüne Binder will nicht so recht zu seinem Outfit passen. Es fehlen die kontrollierenden Augen einer Ehefrau. Er ist seit kurzem geschieden. Genau vor Fünfzig Jahren war Erwin in dieser Stadt geboren worden. Da möchte er sich an diesem, seinem Geburtstag etwas ganz Besonderes gönnen. Das beste Restaurant dieser Stadt ist der „Deutsche Hof“ am Markt. Erwin steuert direkt darauf zu. Im Hotel angekommen, macht er es sich an einem Tisch an der Fensterseite bequem und bestellt Muscheln in Weißwein, sein Leibgericht. Nach einem kurzen Moment kommt das Gewünschte. Erwin konzentriert sich jetzt nur noch auf seine Muscheln. Der Berg mit den Schalen auf dem Abfallteller wächst schnell. Nach etwa einer Viertelstunde spürt Erwin, wie ein starker, nicht unangenehmer Duft seine Nase umspült.
Die zufällige Tischbekanntschaft
Erwin blickt kurz hoch. Vor seinem Tisch steht eine hübsche, nach neuster Mode gekleidete, attraktive Dame. Erwin schätzt sie auf etwa Vierzig Jahre, obwohl er sich bei Frauen oftmals irrt. Höflich fragt Sie, ob ein Platz an seinem Tisch frei ist. Etwas verwundert nickt Erwin Ihr zu. Das Lokal ist mäßig besucht und die meisten Tische sind nicht belegt. Er hat nichts dagegen. Erwin widmet sich schnell wieder seinen Muscheln und denkt an nichts anderes. Nachdem die Dame Platz genommen hat, stellt Sie sich mit Frau Krause vor. Jetzt bestellt Frau Krause eine Vorsuppe, eine große Fischplatte und den passenden Wein dazu. Im Unterbewusstsein denkt Erwin nur, Kunze und Krause, wie lustig dies klingt, und speist genüsslich weiter. Das folgende Gespräch am Tisch verläuft schleppend. Die Dame erzählt von ihren Kindern, vom Wetter, Gott und der Welt. Erwin nickt manchmal, ohne richtig hin zu hören. Wirklich interessieren Ihn nur seine Muscheln. Sie sind bestens zubereitet und nach seinem Geschmack. Schließlich hat sich die Dame alles einverleibt, während sich Erwin immer noch an seinem Muschelberg zu schaffen macht. Plötzlich entschuldigt sich Frau Krause, Sie müsse mal für kleine Mädchen, steht auf und geht in Richtung Toiletten. Erwin wieder allein, findet es so besser.
Der betrogene Erwin Kunze
Nach einer ganzen Weile kommt der Kellner zu Erwin an den Tisch. Ihre Schwester musste ganz dringend weg, teilt er bedauernd mit und zuckt mit den Achseln. Sie sagte, dass Sie die gesamte Rechnung gern für Sie übernehmen würden. Zu Hause bekämen Sie das Geld sofort wieder. Was bleibt Erwin anderes übrig, wenn er kein großes Aufsehen erregen möchte. Zähneknirschend bezahlt Erwin über Siebzig Euro. Diesen Tag will er sich nicht noch weiter verderben lassen.
Das zufällige Wiedersehen
Ungefähr einen Monat später sieht Erwin zufällig diese Frau vor einem Schaufenster eines Schuhgeschäftes stehen. Sie hat das gleiche dunkelblaue Kostüm wie damals an. Zügig geht Erwin auf die Dame zu um Ihr gehörig den Kopf zu waschen. Aber was ist das? Sie scheint noch erfreut. Dies verwirrt Erwin. Endlich treffe ich Sie, meint Sie lächelnd, bevor Erwin überhaupt den Mund aufmachen kann. Ich wollte stets meine Schulden bei Ihnen bezahlen, hatte aber keinerlei Anschrift von Ihnen, meint Sie versöhnlich. Sie ist nicht nur gut angezogen, Sie ist auch eine sehr schöne Frau für Ihr Alter. Beide sind ein ansehnliches Paar. Dort in dem Gebäude gegenüber wohne ich. Sie zeigt auf die andere Straßenseite auf ein gelbes Hochhaus. Ich hole schnell etwas mehr Geld und als Entschädigung ein kleines Geschenk für Sie. Damit Sie mir vertrauen können, gebe ich Ihnen als Pfand meine Handtasche mit meinem Ausweis. Sie öffnete die Tasche und deutete auf das Dokument. Es ist wirklich Ihr Ausweis. Danach verschwindet die Dame in dem besagten Haus. Verlegen geht Erwin auf und ab und hält dabei etwas versteckt die Handtasche auf dem Rücken. Irgendwie ist es Ihm peinlich.
Der doppelt ausgetrickste Erwin Kunze
Doch niemand achtet auf Erwin. Nach etwa einer Viertelstunde hört er Schreie. Erwin blickte in die Richtung aus der diese Geräusche kommen. Ein Polizist und eine Frau nähern sich Ihm schnell. „Dort, dort, das ist er“, kreischt die Frau laut und immer wieder. „Der Mensch da hat meine Handtasche gestohlen“, jammert die Frau. Der Polizist versucht Sie zu beruhigen. Einige Leute bleiben stehen und schauen interessiert dem Schauspiel zu. Für den Polizisten ist die Situation eindeutig. Ein einzelner Mann der eine Frauenhandtasche hinter dem Rücken verbirgt, ist mehr als nur verdächtig. Beim näher kommen erkennt Erwin, es ist wieder die Dame im blauen Kostüm. Ziemlich verdutzt gibt Erwin der Frau die Handtasche sofort zurück.
Das Endergebnis seines Geburtstagsessen
Als der Polizist die Personalien für ein Protokoll aufnehmen will, hat sich die Frau bereits wieder aus dem Staub gemacht. So muss nur Erwin eine Aussage machen. Der Polizist hört sich aufmerksam seine Geschichte an. Daraufhin lässt er, ohne Protokoll, Erwin sofort laufen. Im Weggehen schüttelte der Polizist ungläubig, aber so heftig seinen Kopf, dass fast seine Dienstmütze runter fällt. Gibt es so etwas in unserer Stadt, fragt er sich immer wieder. Auch Erwin überlegt, wie es passieren konnte, dass er gleich zweimal auf genau die gleiche Dame reingefallen ist. In Zukunft werde ich vorsichtiger sein, schwört er sich. Dabei macht Erwin um jede Frau die Ihm entgegen kommt, einen riesigen Bogen. Alter und Aussehen der Frauen spielt dabei keine Rolle. Bei meinem nächsten Geburtstagessen lasse ich niemanden an meinen Tisch, schwört sich Erwin.
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