Die Kunst der Vinča-Kultur




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Was ist die Vinča Kultur eigentlich und was macht sie so besonders?

 Die Kunst der Vinča-Kultur

Einige einleitende Fakten: Die geografischen Schwerpunkte der Vinča-Kultur lagen in Südosteuropa. Zeitlich wird sie eingeordnet zwischen 5400 v. Chr. und 4500 v. Chr. Sie fällt also in das archäologische Erdzeitalter der Jungsteinzeit. Die Jungsteinzeit ist im archäologischen Sinne der Übergang von der Jäger- und Sammlerkultur zum sesshaften Volk. Soziologisch betrachtet eine hochinteressante Veränderung auf dem Wege zum modernen Menschen. Man bedenke: Aus herumziehenden Sammlern und Jägern wurden sesshafte Bauern mit festen Siedlungen. Der Nomade ließ sich nieder und begründete zum ersten mal in der Kulturgeschichte einen festen Hausstand. Das Leben wurde beeinflussbarer. Man war nicht mehr ganz so planlos den Naturgewalten ausgeliefert. Bindungen wurden fester. Ganz neue Bereiche menschlichen Zusammenlebens entstanden. Erstes, noch sehr einfaches Hausgerät wurde angefertigt. Man begann bei der Anfertigung von Gegenständen, auch auf Schönheit zu achten. Schließlich fertigte man Gegenstände sogar nur um ihrer Schönheit willen an. Der frühe Vinča-Mensch hatte die Kunst entdeckt.

Erst folgte die Kunst dem Material -

  • Geschnitzte Gegenstände aus Knochen und Stein

Zu den ersten Gegenständen, die der Mensch im Laufe seiner Entwicklung anfertigte gehörten immer die Gebrauchsgegenstände. Zu den ersten Werkstoffen gehörten jene, die man in der Natur fand oder die bei der Nahrungsgewinnung übrigblieben.

Ebenso wie bei den Menschen der Zeitlich parallel anzusiedelnden Theiß-Kultur, so hatten auch die ersten Handwerker der Vinča-Kultur eine ausgesprochene Vorliebe für schmale, gleichmäßig geformte Klingen, die teilweise beachtliche Längen aufwiesen.

Der Begriff „Klinge“führt hier allerdings leicht in die Irre, denn die Menschen der Jungsteinzeit kannten noch keine Metallverarbeitung. Das Material, das sie verwendeten, war Obsidian, ein schwarz glänzendes vulkanisches Gesteinsglas, das sehr brüchig und extrem schwer zu verarbeiten war. Egal ob sie nun tatsächlich zum Schneiden oder eher als Statussymbol benutzt wurden, die Klingen der Vinča-Menschen müssen extrem scharf und sehr schön anzusehen gewesen sein. Entsprechend hoch ist auch das kunsthandwerkliche Geschick der damaligen Handwerker einzuschätzen.

Weitere erste Kunstgegenstände waren die sogenannten Knochenidole. Kleine, fein ausgearbeitete figürliche Schnitzarbeiten, die aus großen Hirsch- oder Rinderknochen hergestellt wurden. Sie hatten offensichtlich keine bestimmten praktischen Nutzen und dienten wahrscheinlich als Glücksbringer oder Schmuckgegenstand. Auch aus Muscheln wurden erste echte Schmuckstücke gefertigt.

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Dann folgte das Material der Kunst

  • Ton als neuer, frei formbarer Werkstoff

Die Töpferarbeiten der Vinča-Kultur bestehen typischerweise aus dunklem, gebranntem Ton. Bemalung kannte man damals offenbar noch nicht, zumindest ist die bislang geborgene Vinča-Keramik größtenteils unbemalt. Die Vinča-Handwerker haben sich bei der Herstellung dieser Töpferware nichtsdestotrotz große Mühe gegeben. Der Ton wurde sorgfältig geglättet und nach dem Brennen poliert, bis eine schön glänzende Oberfläche entstand. Die so entstandenen Gebrauchsgegenstände waren schlicht, aber zweckmäßig und schön.

Zu den ersten verwendeten Verzierungen gehörten Riefen und parallel verlaufende Einkerbungen, sogenannte Kanneluren. Auch komplexe Ritzmuster sind gefunden worden.

Einige Forscher wollen aus diesen geritzten Mustern und Symbolen eine Art frühmenschliche Schrift ableiten; ähnlich den bekannten Hieroglyphen. Wer sich die Kerbzeichen ansieht, wird feststellen, dass diese Theorie nicht ganz von der Hand zu weisen ist. (siehe hierzu http://de.wikipedia.org/wiki/Vin%C4%8Da-Schrift)

Gern wurden auch zu dieser Zeit schon Menschen nachgebildet. Hauptsächlich scheint es sich dabei nach Meinung von Experten um Frauen zu handeln. Die Darstellung war noch recht abstrakt und undifferenziert. Formen wurden nur grob modelliert.

Auch Tierköpfe und Gefäßdeckel in Tiergestalt sind gefunden worden. Hier handelt es sich eindeutig um Darstellungen, die einen zierenden Charakter aufweisen.
Leider gibt es nur wenig öffentlich zugängliches Bildmaterial zum Thema Keramik der Vinča-Kultur. Ein Beispiel für eine sehr schöne, auffallend symmetrisch geformte Frauenfigur ist zu sehen unter www.beograd.rs/cms/view.php?id=301379. Hier findet man auch die Abbildungen eines Keramikgefäßes, das wahrscheinlich zum Wasserholen gedient hat.

Ein weiteres Beispiel, diesmal für eine sitzende Figur ist zu finden unter http://de.wikipedia.org/wiki/Vin%C4%8Da-Kultur

Die Kunst der Steinzeitmenschen stellt aus heutiger Sicht die ursprünglichste Form der Kunst dar. Sie zeigte, was der Mensch sah und was ihm wichtig war.
Um so schöner, dass man sie auch heute noch betrachten kann. Auch wenn der heutige Mensch sie wohl nie so ganz begreifen wird.

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