Die total sabotierte Hanfparade




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Die größte deutsche Hanfdemo in Berlin

Die total sabotierte Hanfparade
Hanf mitten in Berlin

Ich persönlich schreibe für das Soft Secrets, es handelt sich um eine kleine Zeitschrift, die sich an Grower richtet. So musste ich unbedingt nach Berlin zur Hanfparade, ich bin für ein paar Tage bei einem Freund untergekommen. Die Parade ging für mich damit los, dass ich zu einem Treffpunkt komme um mich mit allen Leuten vom Soft Secrets und Klaus dem Gärtner (Grow Versand) zu treffen, wir haben einen 22 Tonner aufgebaut, um an der Parade teilzunehmen. Mit einer Kundgebung in der Nähe vom Alexanderplatz ging es dann auch los, wir haben fleißig Werbegeschenke an die Demonstranten verteilt, keiner sollte mit leeren Händen nach Hause gehen müssen. Dann hat sich die Demonstration langsam in Gang gesetzt und wir haben für ordentlich Sound gesorgt. Hinter unserem Wagen war eine richtig geniale Party, die Leute haben gefeiert, es war einfach toll. Es hat wirklich Spaß gemacht, in dieser Menschenmenge mit zu marschieren. Es gab noch eine Zwischenkundgebung, ich hatte inzwischen einen halben Sonnenstich und musste Schatten aufsuchen. Es ging weiter und irgendwann standen dann die Polizisten da, die sich eigentlich zurück gehalten haben. Die Wagen wurden von der Hanfparade getrennt. Sie durften das letzte Stück bis zur Abschlusskundgebung nicht mit fahren. Das war ein gravierendes Problem, da die Leute, die zum Großteil nicht aus Berlin kamen, nicht wussten, wo sie hin sollten. Ich selber war auch völlig Planlos. So haben sich wenigstens zwei Drittel der Demonstranten verflüchtigt und haben die Abschlusskundgebung nicht mehr erreicht. Hier sollten eigentlich 100 Stände stehen und die Demonstranten versorgen, unterhalten und informieren. Leider wurde uns das verboten, es waren nur die Redner zu hören. Später ging es dann mit der Afterparty im Yam weiter, einer wirklich schönen Lokation mit Strand. Das war die Hanfparade. 

Startkundgebung der Hanfparade

Hanf auch zum essen

Nichts als Sabotage

Am Dienstag fahre ich in das Hanfmuseum, wo ich den Tribbel treffe, der mit an der Organisation der Hanfparade beteiligt war. Das folgende Gespräch war mehr als aufschlussreich. So konnten die Paradewagen das letzte Stück der Strecke nicht fahren, da es eine Baustelle auf der Straße gab. Die Veranstaltung war bereits neun Monate lang angemeldet, wieso gibt es hier nun eine Baustelle? Und dann fehlten die 100 Stände aber auch das hatte Gründe. Die Behörden haben sich hier auf ein Gerichtsurteil berufen, dass dieses als kommerzielle Veranstaltung untersagt. Es wäre keine Demonstration mehr gewesen. Nur wurde dieses Gerichtsurteil durch ein anderes bereits aufgehoben und ist somit ungültig. Nach aktuellem Recht hätten wir die Stände aufbauen dürfen. Es handelt sich um einen kriminellen Akt der Rechtsbeugung, der von den Behörden betrieben wurde, um uns zu sabotieren. Jetzt erzählt der Tribbel aber weiter. Für die Abschlusskundgebung musste die Bühne und alles aufgebaut werden. Das ging aber nicht besonders gut, da zu diesem Zeitpunkt rein zufällig eine Demo der Polizeigewerkschaft stattfand. Somit konnten die Arbeiten erst mit Verzögerung aufgenommen werden. Eigentlich hätte auch eine Firma kommen müssen, um beim Beginn der Demonstration die Straßen zu sperren. Diese kam aber nicht, die Polizei hat sich verweigert, man musste selber die Straßen sperren. Dann erklärte die Polizei, dass alles sicher sei und keinerlei Gefahr bestünde, die Situation wäre unter Kontrolle. Wenig später rauscht eine Tram ungebremst an und überrollt beinahe einige der Demonstranten. Um ein Haar hätten einige Demonstranten im Krankenhaus gelegen, so sicher war es dann für uns. Und wegen genau dieser Sicherheit durften dann die Paradewagen nicht mit zur Abschlusskundgebung fahren, da die stehenden und bewachten Wagen ein Sicherheitsrisiko gewesen wären. Das ist nur das, was mir berichtet wurde, dazu gehört auch noch Zeitzögern der Behörden und bestimmt noch vieles mehr.

Links Tribbel, rechts ich
 

Eine schöne Veranstaltung

Trotz der ganzen Sabotage war die Hanfparade 2011 eine gelungene Veranstaltung. Wir haben mit tausenden Demonstranten gefeiert und haben viel Spaß gehabt. Das Wetter war richtig gut, schon zu gut für meinen Geschmack. Von den Reden habe ich nicht das meiste mit bekommen, das ging vielen Demonstranten so. Erzählt wird da jedes Jahr das gleiche, das lohnt nicht wirklich. Es ging vielen eben um die Party, um das Feiern und dafür hat unser LKW vom Soft Secrets und Klaus der Gärtner gesorgt. Ich möchte wirklich jeden dazu auffordern, nächstes Jahr dabei zu sein und zu unserem Wagen zu kommen. Wir werden euch reichlich beschenken und wir werden euch gut unterhalten, wir werden Getränke verkaufen. Wenn ihr wie ich letztes Jahr sagt: „100 Euro für die Anfahrt und dann auch noch ein Hotel buchen, das wird mir zu teuer.“ Dann besucht doch einfach http://hanfparade.de und sucht nach Mitfahrgelegenheiten und Unterkünften. Bietet hier doch Mitfahrgelegenheiten und Unterkünfte an, wenn es euch möglich ist. Es sollte in unser aller Interesse sein, dass möglichst viele Leute an dieser Demo teilnehmen werden, damit sich endlich etwas bewegt.

Warum sollte wirklich jeder für die Legalisierung von Hanf sein? Jeder von uns kann krank werden und Hanf ist in vielen Fällen eine Medizin, die weniger Nebenwirkungen als die Chemie hat und zudem besser wirkt. Wirklich jeder kommt vielleicht einmal in die Situation, dass er Hanf braucht und dann wäre es doch toll, wenn man diesen als Medikament legal auf Rezept über die Krankenkassen bekommen könnte. Und gerade deswegen sollte wirklich jeder für die Legalisierung sein. Zudem ist Hanf im Vergleich zu Alkohol und Tabak eine weniger schlimme Genussdroge und sollte deswegen nicht verboten sein, nur um damit eine Minderheit diskriminieren zu können. Wirklich jeder sollte gegen solch einen Faschismuss sein, Minderheiten sind nicht zu diskriminieren.

Unser Wagen auf der Hanfparade mit viel Gefolgschaft
 

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Verlinkung Cannabis Politik

Die Hanfparade 2012


Kaum zu fassen, bereits ein ganzes Jahr ist um und ich war natürlich auch auf der Hanfparade 2012. Leider muss ich vorwegnehmen, dass Klaus der Gärtner nicht mit dabei war, da ihm nicht erlaubt wurde, einen 40 Tonner zu stellen. Somit entschied er sich gegen die Teilnahme und auch das Soft Secrets ist mit seiner Öffentlichkeitsarbeit abgesprungen. Schade, ich hätte gerne wieder wie im Jahr zuvor Geschenke und Zeitungen verteilt. Es waren jedoch Wagen da, die für Musik gesorgt haben, es wurden verschiedene Stilrichtungen abgedeckt. Es handelte sich eher um kleinere Wagen, das wurde durch die Organisation so vorgegeben. Und welch Freude, es kamen mehr Leute als im Jahr zuvor. Wir waren rund 4000 Menschen, man konnte wirklich in die eine Richtung oder die andere schauen, überall nur Menschen. Und was uns alle sehr gefreut hat: Die Polizei hat sich weitgehend zurück gehalten, gut, ein paar Eingriffe gab es dann doch. Aber wir kennen das auch deutlich schlimmer. Vermutlich waren wir einfach zu viele, um uns allen auf die Finger zu schauen. Leute, die Masse der Menschen gibt uns Schutz, ihr müsst alle kommen und mit uns feiern! Und dieses Mal durften die Wagen zur Abschlußkundgebung fahren, hier war eine Bühne aufgebaut sowie es einige Infostände gab. Ein Verkauf von Lebensmitteln, Getränken, Hanfartikeln oder ähnlichem war leider wieder verboten und so gab es nur die Infostände. Hier waren unter anderem die Grünen, die Linken und die Piraten vertreten, die alle für eine Legalisierung von Cannabis als Rohstoff, Genussmittel und Medizin sind. Wenigstens einige unserer Politiker ticken vernünftig, es scheinen die zu sein, die nicht die Wahlkampfspenden der großen Wirtschaftsbosse bekommen.

Wenn ich nun einschätzen muss, welche Hanfparade besser war, dann finde ich beide einfach nur geil. Natürlich wurden politische Reden gehalten, natürlich gab es trockene Redebeiträge und natürlich war die Polizei mit dabei. Aber es handelt sich eben um eine politische Demonstration und nicht um die Loveparade. Aber gerade dieses Feeling kam auf, während wir hinter den Wagen her tanzten und uns bei sehr angenehmem Wetter einfach amüsierten. Wir brüllten in Sprechkören unsere Parolen und da das Kiffen untersagt war wurde eben etwas getrunken. Besser ist das auch nicht aber immerhin ist Cannabis der Weg zu harten Drogen? Das wohl nicht aber wenn kein Cannabis da ist oder nicht konsumiert werden kann, dann gibt es doch einige, die zu Ersatzdrogen wie dem Alkohol greifen.

Ich möchte eines dazwischen fügen: Wir waren dieses Jahr weniger sabotiert und besser organisiert. Die Polizei hat sich weitgehend zurück gehalten. Aber eine Schikane hat dem Fass dann doch den Boden ausgeschlagen: Unsere deutsche Polizeimacht setzt sich einfach über deutsche Gesetze hinweg. Deutsche Gesetze wurden einfach ausgehebelt und für nichtig erklärt, durch unsere Polizei. So wurde den teilnehmenden Hanfpatienten auf der Veranstaltung das Kiffen verboten. Dieses ist ihnen durch unseren Staat jedoch durch eine Ausnahmegenehmigung erlaubt worden. Wenn ich einem Patienten verbiete, sein Medikament auf einer öffentlichen Demonstration zu nehmen, dann behindere ich diesen Patienten daran, an der Demonstration teil zu nehmen. Genau das ist verfassungswidrig. Jeder deutsche Bürger hat das Recht ungehindert an Demonstrationen teil zu nehmen. Eine unglaubliche Schweinerei, die sich die Beamten da mit unseren Patienten erlauben, ich hoffe, dass hierzu eine Klage angestrengt wird.

Eine Klage anstrengen? Ja, das hat Tradition. Eigentlich nach jeder Hanfparade wird geklagt. So wird nach 2011 gegen die Rechtsbeugung geklagt, dass auf der Abschlusskundgebung kein Verkauf stattfinden darf, obwohl dieses Urteil, mit dem das untersagt wird, bereits wiederrufen ist. So eine Klage kann sich über Jahre hinziehen und solange wird leider kein Verkauf stattfinden können. Es wird praktisch nach jeder Hanfparade eine neue Klage angestrengt um gegen irgendwelche Schikanen vor zu gehen. Und natürlich erhalten wir Recht. Dennoch werden die Staatsbeamten nicht müde, Rechte und Gesetze zu beugen, um uns das Leben schwer zu machen. Und was machen wir 2013? Wir versammeln uns mit tausenden Legalisern hinter den Wagen und werden zu der Musik tanzen. Das machen wir doch jedes Jahr, ob die es wollen oder nicht, das kann uns doch wohl egal sein!