Dreizehn regionale Wörter, die zu schön sind, um nur regional benutzt zu werden




Platz #24 in Ratgeber, Anleitung & Ausbildung, #835 insgesamt
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Es gibt Wörter, welchjene bundesweit bekannt sind. Und es gibt Wörter, welche nur in einigen Gebieten zum Standard-Wortschatz gehören. Einige davon sind aber so schön, dass ich mir wünsche, dass sie auch überregional verwendet werden. Eine ganz subjektive Liste von dreizehn dieser Wörter habe ich einmal zusammengefasst. Diese wird zeitnah ergänzt durch eine Liste veralteter Begriffe, welche zu schön zum Verschwinden sind. Wobei die Abgrenzung zwischen alt und regional nicht immer ganz eindeutig ist, denn einige Wörter sind eigentlich alt, aber regional noch sehr aktiv (frug als Präteritum von fragen).

1. Plietsch
Plietsch sein bedeutet mehr als klug sein. Es schließt ein, dass die Klugheit auch sinnvoll angewandt wird. Der Begriff stammt aus dem Plattdeutschen, ist in Norddeutschland aber auch in die hochdeutsche Sprache übergegangen.

2. Schnuppen
Schnuppen ist ein niederrheinischer Ausdruck für naschen. Er ist mit dem niederländischen snoepen verwandt (ein geschriebenes oe wird als [u] ausgesprochen]. Der Schrank, in welchem die Süßigkeiten aufbewahrt werden, heißt entsprechend Schnuppschrank.

3. Demse
Ein Begriff aus der Uckermark. Demse ist Hitze, Wärme. Ist das wieder eine Demse draußen heißt: Ist das draußen aber wieder warm.

4. Leeze
Stammt aus der Masematte, einer Münsteraner Sondersprache mit Bezügen zum Jiddischen. Leeze stammt allerdings nicht aus dem hebräischen Kernwortschatz des Jiddischen. Gemeint ist mit der Leeze das Fahrrad. Gibt es auch in Zusammensetzungen: Schicksenleeze = Damenrad. Wobei ich diesen Begriff nicht ganz so sinnvoll finde, da die Entscheidung für eine Leeze mit oder ohne Mittelstange nicht zwingend geschlechtsabhängig ist.

5. Heuer
Meint in süddeutschen und österreichischen Regionen dieses Jahr. Lässt sich kreativ zu vorheuer für das vorherige und nachheuer für das folgende Jahr erweitern. Klingt weniger umständlich als dieses Jahr.

6. Klönschnack
Eine leichte Unterhaltung in Norddeutschland. Vereinigt zugleich das Klönen mit dem Schnacken (oder Snacken, je nach Region und nicht ganz deckungsgleich mit der getrennten S-T-Aussprache). Klönen ist immer gemütlich, während Schnacken auch das ernste Gespräch sein kann. Im Klönsnack oder Klönschnack ist beides vereinigt. Schnacken gibt es als Lehnwort šnekėti auch im Litauischen

7. Lütt
Lütt meint ganz einfach nur klein, auch im übertragenen Sinn. Plattdeutsch-Sprecher machen nicht immer einen Unterschied zwischen lütt und kleen, aber mit die Lütten sind die Kinder gemeint – in Norddeutschland auch, wenn Hochdeutsch gesprochen wird. Im Münsterland gibt es die Massematte-Sonderform die Koten für die Lütten, diese stammt aus dem Hebräischen.

8. Jovel und Schofel
Es gibt auch die Schreibweisen Jofel (sehr selten) und Schovel (schon öfters), üblich sind die oben benutzten. Das heißt gut und schlecht, in einem gegenüber den deutschen Übersetzungen etwas erweiterten Bedeutungen. Die Aussprache ist immer [f]. Die hebräischen Grundwörter heißen eigentlich schön und schlecht, Masematte entspricht also hier nicht ganz der Ausgangssprache. Beide Begriffe sind -allerdings mit einem a als betonten Vokal – in die niederländische Standardsprache eingegangen und werden gelegentlich auch im Fernsehen verwendet. Am besten erinnere ich mich an eine Lindenstraßen-Folge, in welcher beide Wörter vorkommen.

9. Achter beziehungsweise achtern
Heißt eigentlich nur hinter, klingt aber irgendwie schöner. Bist Du achter(n) mir? Gibt es natürlich auch in Zusammensetzungen wie das Achterlicht für das Rücklicht. Ist im Plattdeutschen verbreitet,im Niederländischen Bestandteil der Hochsprache.

10. Hyggelig
Ist eine Entlehnung aus dem Dänischen und meint weder hügelig noch bergig, sondern gemütlich. Du hest det awers (Achtung beim lauten Lesen: offenes langes o) hyggelig = bei Dir ist es aber gemütlich. Das Wort klingt selbst richtig gemütlich.

11. Bulven
Okay, das Wort ist jetzt weniger regional als bei Sprecher(inne)n oder zumindest Versteher(innen) des Jiddischen verbreitet, denn dort heißt es Kartoffeln. Außer im Jiddischen kommt der Begriff auch im Litauischen vor, dort ist natürlich bulvė der Singular und bulvės der Plural. Natürlich gibt es für die Kartoffel auch einige köstliche süddeutsche Regionalwörter wie Härdöpfel oder Grundbirne. Bulvenkringele ist übrigens der Kartoffelauflauf. In der Uckermark ist die Kartoffel die Nudel oder Nudl.

12. Ölf
Ein Zahlwort aus dem Sächsischen, welchjenes neue Reimmöglichkeiten bietet – nämlich und vornehmlich den Reim mit zwölf. Wird meiner Erfahrung nach von Sächsinnen und Sachsen konsequent gesprochen, auch wenn sie elf schreiben – und zwar auch beim Hochdeutsch-Sprechen sowie in zusammengesetzten Begriffen wie dem Ölfmeterschießen.

13. Töwen (gelegentlich auch Teuwen geschrieben, aber immer mit [ö] ausgesprochen
Töwen heißt warten. Im Plattdeutschen nicht nur im Reim glöwen un töwen beliebt. Es gibt auch die Schreibformen töven und töben, aber die Aussprache des Konsonaten ist immer [v]. Töwern bedeutet zaubern, beide Wörter also nicht verwechseln.

 

 


 

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