Durch Scheidung oder Trennung in ständig wachsender Existenznot




Platz #167 in Gesellschaft, #3360 insgesamt
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Durch Scheidung oder Trennung in ständig wachsender Existenznot

Immer wieder geraten Frauen und Männer durch eine Scheidung oder Trennung in Existenznot. Entweder, weil sie als Alleinerziehende keiner Vollzeitbeschäftigung nachgehen können oder weil sie durch Unterhaltszahlungen nur noch den Grundfreibetrag zur Verfügung haben. In dieser ständig wachsenden Existenznot ist der Weg frei für Selbstzweifel.

Eine Scheidung treibt oft in Existenznot

„Mit der vermeintlichen „Sicherheit“, dass mein Mann recht gut verdiente und ich ja in absehbarer Zeit hinzuverdienen würde, kauften wir – für ein neues reichte das Geld nicht – ein kleines, älteres und renovierungsbedürftiges Haus. Trotz der Kompromisse, die wir eingingen, waren wir glücklich. Die Kinder hatten Platz, konnten nach Lust und Laune toben – und niemand fühlte sich gestört. Wir hatten uns zwar hohe Schulden aufgeladen, aber damit würden wir schon klar kommen!
Dieses vermeintliche Glück währte zwei Jahre. Da kam meinem Mann in den Sinn, dass ich nicht die richtige Frau für ihn sei. Plötzlich stand ich mit drei Kindern, einem halb renovierten Haus und einem Berg Schulden allein da.
Zu meinem großen Glück lernte ich jedoch recht bald einen neuen Mann kennen. Und da nicht nur ein Unglück, sondern auch ein Glück selten allein kommt und sie sich manchmal sogar mischen, wurde ich gleich wieder schwanger. Trotz aller Schwierigkeiten konnte ich mich auch in dieser Situation nicht gegen das Kind entscheiden. An einen Berufseinstieg war nun erneut nicht zu denken. Die Situation für eine Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Mutter-Dasein hatte sich immer noch nicht wesentlich verbessert. Krippenplätze gab es noch immer viel zu wenig, und eine Kinderfrau war nicht erschwinglich. Einer Vollzeitbeschäftigung stand zudem auch noch meine persönliche Einstellung entgegen. Ich bin – und das mag in den Ohren emanzipierter Frauen altbacken klingen – der Meinung, dass die drei ersten Jahre entscheidend für die Entwicklung eines Kindes sind. In diesen ersten drei Jahren wollte ich meine Kinder gerne weitestgehend selbst betreuen – frei nach dem Motto: dann weiß ich, was mit meinen Kindern passiert. Dass ich diese Haltung habe und auch ausgelebt habe, habe ich nie bereut – auch wenn gerade diese Haltung viel zu den Lebensumständen beigetragen hat, die zu diesem Buch führten. 

Durch Scheidung oder Trennung in ständig wachsender Existenznot

Hartz IV und Co.: Wie unsere Gesellschaft Armut provoziert -: und wie Betroffene ihre Würde bewahren

Hartz IV und Co.: Wie unsere Gesellschaft Armut provoziert -: und wie Betroffene ihre Würde bewahren

von: Books on Demand, Britta Kanacher
Amazon Preis: EUR 9,90 (vom 30. December 2013)



Durch Scheidung und Schulden in Existenznot

Weil ich erst einmal mein Leben ordnen und auch schauen musste, wie sich die neue Beziehung entwickelte, lebte ich mit meinen Kindern allein im Haus. Meine finanzielle Situation war wieder einmal alles andere als rosig. Nicht die Kinder fraßen mir, wie man so schön sagt, „die Haare vom Kopf“, sondern vor allem das Haus. Dieses gehörte in der Ehe sowohl meinem Mann als auch mir. Mit der Scheidung wurde die Hälfte des Hauses, die vormals meinem Mann gehörte, auf mich überschrieben – dies barg jedoch keinen Gewinn, sondern vor allem die Pflicht, nun finanziell hierfür gänzlich alleine aufzukommen. Ich bekam zwar regelmäßig Unterhalt für die Kinder, jedoch reichte der finanzielle Spielraum nur für das Nötigste.
Wegen der Kinder und meiner Einstellung zu deren Betreuung war an eine klassische Erwerbstätigkeit nicht zu denken. Und obwohl ich mich nun am Rande eines finanziellen Kollapses bewegte, wollte ich das Haus auf Biegen und Brechen halten. Die Angst davor, wo ich als alleinerziehende Mutter mit vier Kindern ohne Erwerbstätigkeit landen würde, hat mich immer weiter durchs Leben getrieben.“
Immer mehr habe ich daran geglaubt, dass ich alleine an meiner Lebenssituation schuld bin: ich hatte einfach den falschen Mann geheiratet und fälschlicher Weise daran geglaubt, dass diese Ehe endlos hält, ich habe daran geglaubt, dass es richtig ist, erst einmal auf Erwerbstätigkeit zu verzichten, bis ich mit Anfang 40 offensichtlich schon zu alt für den Arbeitsmarkt war … usw. – die Art meiner Lebensbetrachtung trieb mich schließlich in eine psychosomatische Klinik.
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Hartz IV und Co.: Wie unsere Gesellschaft Armut provoziert