Fans im Sport




Platz #34 in Sport & Erholung, #1768 insgesamt
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Ultras im Stadion – Die meisten wollen nur spielen sehen

Die Diskussionen um die deutsche Fankultur reißen nicht ab – befeuert von Pyrotechnik, Stadionverboten und Gewaltexzessen. Dabei würde der Fußball ohne die Ultras viel von seinem Reiz verlieren. Sie machen die Stimmung - ohne sie würde jede Partie an die berühmt-berüchtigten Geisterspiele erinnern. Anderen Sportarten ist diese Fankultur eher fremd – mit einer Ausnahme. Ein Überblick. 

 

 

 

 

 

 

 

Fußballfans stehen mal wieder im Mittelpunkt – leider. Denn die Schlagzeilen der letzten Wochen sind geprägt von Ausschreitungen beim Niedersachsenderby, vermummten BVB-Krawallos und anhaltende Diskussionen um Pyrotechnik. Man muss genau hinschauen, um die unterschiedlichen Gruppen, Interessen und Vorlieben herausfiltern zu können. Fest steht, dass einige wenige den Fußball als Bühne für ihre Exzesse nutzen. Der große Rest? Macht Stimmung, feuert das eigene Team an und hält sich an die Regeln, zu denen eben auch gehört, keine Bengalischen Feuer abzubrennen und andere nicht mit Raketen zu beschießen. Die leidenschaftlichen Fans sehen sich selbst als Ultras, die für ihren Verein alles stehen und liegen lassen – die meisten von ihnen sogar die Pyrotechnik. Mit ihren Choreographien schreiben sie bisweilen sogar Fußballgeschichte. Was oft vergessen wird: Andere Sportarten haben auch tolle Fans – in der Regel aber keine Probleme mit der Pyrotechnik. Eine Übersicht. Foto © Peter Fuchs @ Flickr

Ohne Ultras keine Stimmung

So ist Fußball: Die wirklich echten und wahren Fans in den Blocks sehen vom Spiel meist nur wenig. Als Capos stehen sie mit Megaphon mit dem Rücken zum Platz und geben den Ton an. Was gesungen, gebrüllt und gehüpft wird, bestimmen meist sie. Der Dank? Die Begeisterung der Masse, die nur auf ihr Kommando hört. Und die gute Stimmung im Stadion. Davon lebt der Fußball. Daher sind die Ultras aus unseren Stadien nicht mehr wegzudenken – bis hin zu den Choreographien, die von ihnen organisiert, selbst bezahlt und unter Einbeziehung der übrigen Fans umgesetzt werden. Die berühmte Fernglas-Choreo der BVB-Fans vor dem inzwischen legendären Malaga-Spiel schaffte es sogar in den täglichen Vorspann der WDR-TV-Sendung „Lokalzeit“ – was der Öffentlichkeit aber erst richtig aufgefallen ist, als sie nach den Vorfällen im Ruhrderby vorübergehend wieder rausgestrichen wurde. 

Die meisten wollen nur spielen sehen

Die Ultras verstehen sich als unpolitisch und suchen nicht den Schlagabtausch mit den Fans des Gegners. Sie stehen leidenschaftlich hinter ihrer Mannschaft, leben für sie und beanspruchen dafür einige Sonderrechte, die ihnen nicht jeder Verein geben möchte. Dazu gehört vor allem das Abbrennen von Bengalos.
Unter den Fans selbst toben heftige Diskussionen über den Sinn solcher Aktionen und das oft selbstgerechte Auftreten in den Stadien. Am Ende bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als diese Entwicklung als Teil des modernen Fußballs anzusehen – jenes Fußballs also, den viele aus den Reihen der Ultras ablehnen: teure Sitzplätze, das Nomadentum der Spieler und die Allmacht des Fernsehens. Sie alle sind aber Teil des Systems, von dem einige wenige gut leben – und der große Rest gut unterhalten wird. Foto © funky1opti @ Flickr

Man kennt sich. Man sieht sich.

In anderen Sportarten verläuft die Entwicklung bei den Fans ähnlich – und doch ganz anders. Beim Eishockey beispielsweise stehen auch viele Ultra-Gruppierungen in den Hallen und sorgen für Stimmung, wobei die fehlende Masse im Vergleich zum Fußball durch zusätzliche Lautstärke und Leidenschaft ausgeglichen wird. Die recht kleine und überschaubare Fanszene ist untereinander noch viel stärker miteinander vernetzt und verbunden. Foto © MVolkmann @ Flickr

Andere Bälle – andere Sitten

Einer der beliebtesten Sportarten in Deutschland, dem Basketball, ist die Ultra-Bewegung indes fremd – außer in südeuropäischen Ländern wie Serbien und Griechenland, in denen ebenfalls ordentlich Feuer unterm Dach ist. Die deutschen Fans orientieren sich stärker an den Amerikanern, die eine andere Fankultur pflegen als die Europäer und denen die Ultra-Bewegung fremd ist. Die Hingabe an ihren Verein pflegen sie auf andere Weise: Beim American Football finden sich Tausende Fans Stunden vorher auf dem Stadionparkplatz ein, um Bier und Burger zu genießen – selbst gegrillt, versteht sich. Viele von ihnen können sich die teuren Tickets nicht leisten, wollen mit ihrer Familie aber doch irgendwie dabei sein. Und wenn es nur draußen vor dem Stadion ist. 




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