Griechenland – Hoffnung oder Trümmerhaufen?




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Diejenigen die in den letzten Monaten das beinahe Hollywoodreife Drama namens Griechenland erlebt haben wissen wie viel Versprechen der europäischen Politiker wert sind. Es ist wirklich eine Schande wenn man bedenkt, dass die Politiker die Volksvertreter sein sollen. Der Grundgedanke ist einfach: Wir wählen gewisse Menschen oder Parteien und diese sollen unsere Interessen vertreten. Sie sollen Gesetzte entwickeln und verabschieden. An diese Gesetze sollen wir uns halten und nach diesen Gesetzen sollen wir leben. Doch dies gilt anscheinend nicht für einzelne Länder oder das ganze Konzept des Euros. Die Kriterien um Mitglied der Währungsunion zu werden wurde von beinahe keinem Staat erfüllt. Nicht einmal Deutschland hat die Kriterien zu jeden Zeitpunkt eingehalten. Während wir kleinen Bürger für jede Straftat belangt werden wird innerhalb der Politikerszene nicht nur ein, sondern zwei Augen im Falle des Brechens dieser Kriterien zugedrückt. Dabei ist Griechenland ein Sonderfall der Sonderfälle. Wenn wir das Ganze, was in den letzten Jahren passiert ist mal ein wenig mit Abstand betrachten wird einem bewusst, dass die ganzen Versprechen nichts wert sind. Das Problem ist, dass selbst mit jedem neuen Brechen der Versprechen die europäischen Staaten weiterhin an Griechenland halten werden da es beinahe keine Alternative gibt die nicht noch katastrophale Auswirkungen hat als die permanente Rettung von Griechenland. Dies mag erst einmal befremdlich klingen aber man kann eine gewisse potentielle Wirkungskette schließen.

Das Szenario: Griechenland wird weiterhin mit Notkrediten versorgt

Das erste Szenario ist das aktuelle Verfahren was die Politiker mit aller Macht versuchen durch die eigenen Reihen zu bringen. Dies hat auch seine Gründe. Griechenland ist aktuell nicht in der Lage sich selbst am Kapitalmarkt zu einigermaßen realistischen Zinssätzen zu finanzieren. Da Griechenland kein Geld mehr hat und sich nicht am Finanzmarkt finanzieren kann würde Griechenland Insolvenz anmelden müssen. Damit es nicht soweit bekommt Griechenland Hilfe vom IWF und der Mitgliedstaaten der europäischen Währungsunion. Darunter befindet sich auch Deutschland als einer der größten Kreditgeber. Die Idee ist, dass Griechenland durch einen harten Sparkurs seine Schulden verringern soll. Das Problem an diesem Konzept ist folgendes: Wenn ein Land seine Ausgaben kürzt sinken auch die Steuereinnahmen. Wenn beispielsweise die Beamten eines Staates nur noch 50% ihres Einkommens erhalten müssen diese natürlich weniger Steuern zahlen. Somit hat der Staat zwar an den Ausgaben gespart aber gleichzeitig kommen auch weniger Einnahmen herein. Dadurch erhöht sich das Defizit erneut und man müsste erneut sparen, damit es zu einem Ausgleich kommt. Man muss kein Professor sein, damit man sofort sieht das an diesen Konzept etwas nicht stimmen kann. Es entsteht ein sogenannter negativer Strudel. Dieser Strudel verstärkt sich selbst immer weiter und es entsteht eine Abwärtsspirale die zu keinem Ergebnis führt. Im Rahmen dieses Sparens verlieren gleichzeitig private Haushalte an Wohlstand. Wenn weniger Lohn für Beamten oder weniger Geld für gewisse Projekte gezahlt wird kommt auch weniger Geld in der Realwirtschaft an. Dies führt erneut dazu, dass kleine Unternehmer beispielsweise ihren Obstladen schließen müssen. Diese Menschen sitzen dann auf der Straße und haben ihre Existenz verloren. Genau dieses Szenario spielt sich aktuell in Griechenland ab. Die Bedingung damit Griechenland Kredite bekommt sind strikte Sparmaßnahmen. Diese Sparmaßnahmen führen jedoch unumgänglich zu dem genannten Negativstrudel. Damit man diesen abwenden kann müssten gleichzeitig Wachstumsimpulse gesetzt werden. Leider benötigen diese Wachstumsimpulse Geld. Und dieses Geld hat Griechenland nicht. Eine Alternative wäre es die Währungsunion zu verlassen. Griechenland hätte nicht mehr den Euro als Zahlungsmittel und könnte erneut die Drachme einführen. Wenn die Drachme entsprechend abgewertet werden würde wäre Griechenland wieder wettbewerbsfähig. Durch die neugewonnen Wettbewerbsfähigkeit wäre in Griechenland die Möglichkeit von Industrieproduktion wieder attraktiver. Internationale Unternehmen könnten dies als Chance sehen und würden in Griechenland investieren. Durch die Investition würde Geld in die klammen Kassen der Griechen gespielt werden und sie könnten über einen längeren Zeitraum ihre Schulden an die Gläubiger zurückzahlen. Das Problem ist, dass der Austritt aus der Währungsunion in Chaos enden würde. Die Menschen würden versuchen ihr Geld aus Griechenland zu schaffen und so den Wert des Geldes in Euro aufrecht zu erhalten. Des Weiteren wäre es sehr wahrscheinlich, dass sich Griechenland im Falle eines des Austritts aus der Währungsunion dafür entscheiden würde sich insolvent zu melden. Dadurch würden die Verbindlichkeiten verpuffen und Griechenland als Zahlungsunfähig gelten. Somit wäre Deutschland, einer der größten Schuldner, davon betroffen. Dies ist ein Grund warum gerade auch Deutschland versucht Griechenland irgendwie in der Währungsunion zu behalten. Ein weiteres Risiko ist die Signalwirkung die ein Austritt Griechenlands für die weiteren Wackelkandidaten Spanien, Portugal und Italien hätte. Diese drei Staaten haben zeitweise auch relativ hohe Zinsen zahlen müssen um sich am Kapitalmarkt zu finanzieren. Wenn Griechenland austreten würde, würden die Zinsen dieser Länder in die Höhe schnellen und der Ruf nach Hilfe wäre erneut laut. Dies würde dazu führe, dass immer mehr Gelder aufgewendet werden müssten damit man diese Staaten retten kann. Diese Summen sind jedoch nicht annähernd verfügbar. Dementsprechend ist das Risiko einer Art Lauffeuer immens groß. Dies ist ein weiterer Grund für die weitere Hilfe für Griechenland. Egal wie man es dreht und wendet, es sieht so aus als ob es keine einfache Lösung für das Problem geben wird. Strukturelle Probleme wie sie in Griechenland in Form von jahrzehntelanger Korruption und Vetternwirtschaft entstanden sind lassen sich nicht in ein paar Jahren mit ein paar Geldspritzen verdrängen. Die Langzeitfolgen dieses Verhaltens werden nun sichtbar und meiner Meinung kann es nur zu einem Ergebnis kommen. Griechenland kann unter keinen Umständen sich selbst aus diesem Problem befreien ohne entweder aus der Währungsunion auszutreten oder innerhalb der Währungsunion zu bleiben und weiterhin mit Kredit der anderen Länder über Wasser gehalten zu werden. Es wird darauf hinauslaufen, dass Griechenland im Falle des Verbleibs in der Währungsunion noch zwei oder drei Schuldenschnitte bekommt und somit die riesigen Schuldenberge von bald 200% des BIP einfach gestrichen werden. Mit einem „Cut“ dieser Schulden bietet sich erneut die Möglichkeit Griechenland von Grund auf richtig aufzubauen und einen rechtlichen Rahmen zu schaffen der für Nachhaltigkeit und Wachstum stehen kann.




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