Grossvater und ich beim Angeln




Platz #79 in Umwelt & Natur, #3001 insgesamt
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Grossvater und ich beim Angeln

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Grossvater und ich beim Angeln

Aus meinem Orchideenfanroman

die Kapitelerzählung betitelt: "Wenn die Kuckucksblumen rufen!"  bei Amazon erhältlich.

Nach Grossvater brauchte ich nicht lange zu suchen. Da lief ich am Ufer entlang. Das machte Spass, weil meine Schritte unzählige Frösche aufscheuchten und einer nach dem anderen ins Wasser platschte. Oft entdeckte ich schon von weitem Grossvaters weissen Eimer. Zumeist sass Grossvater in der Nähe hintererm Gebüsch oder im Schilf. Neugierig guckte ich immer in den Eimer. Wenn keine Fisch darinnen war, spottete auch ich: Opa, werfe deine Angel in das Wasser und nehme eine Fliegenpatsche. Grossvater konterte sofort: Kein Wunder, dass die Fische nicht anbeissen und dir deine Kuckucksblumen vor der Nase wegfliegen! Wie du aussiehst. Deine Haare stehen zu Berge. Das Hemd hängt halb zugeknöpft heraus. Mit nackten Froschfüssen kommst du dahergehüpft. Zu Ostern gibt es keine Ostereier. Ich werde es dem Osterhasen sagen. Ich werde dem Osterhasen mitteilen, er soll dir einen Kamm und ein Paar richtig knallrote Schuhe bringen, die du nicht übersehen kannst! Nun wurde ich etwas garstig und spiele auf Grossvaters Glatze an: Du alter Glatzkopp, du musst mal deine Glatze richtig mit Brennnessel einreiben, damit endlich mal auf deinem Kopf ein paar Haare wachsen. Du bist ja nur neidisch auf meinem Haarschopf! Da musste sogar Grossvater schlucken. Er lachte wieder, als ich ihn zum wer weiss wie vielsten Male mit meinen Kuckucksblumen nervte: Opa, warum fliegen die blöden Kuckucksblumen vor mir immer davon? Sind das Blumenvögel? Wieder lachte Opa: Hahaha! Dann verwandelte sich sein Gesicht zu einem Runzelapfel: Zum Kuckuck noch einmal! Wie oft soll ich dir erklären. Hier auf der Wiese gibt es keine Kuckucksblumen, weil die von den Kühen aufgefressen werden und nicht davonfliegen können! So ein Quatsch, die haben doch soeben noch: Kuckuck! Kuckuck! gerufen und waren nicht mehr da, als ich hinrannte! Grossvater wurde fast wütend: Das war ein Vogel, der Kuckuck rief und vor dir weggeflogen ist! Schon wieder überlegte ich, warum heissen Kuckucksblumen in Grossvaters Buch Kuckucksblumen und nicht Kuckuck. Das weiss sogar Oma. Endweder das Buch oder Opa veräppelt mich? Dann sass ich ich eine Weile still neben dem Alten und beobachtet den Schwimmer, die kleine rote Kugel auf dem Wasser, der wie ein aufgespiesstes Radieschen aussah. Biss ein Fisch an, wurde dieser unter das Wasser gezogen. Bei grossen Fischen spulte Opa die Schnur ab, liess diese zappeln, bis sie erschöpft waren. Dann zog er diese heraus und benutzte dazu noch den Kescher. Wieder nervte ich Grossvater: Wann endlich gehen wir zu dieser Biene-Maja-Wiese, wo die vielen Kucksblumen sind und nicht wegfliegen. Bevor Opa antwortete, schnappte er wie ein Fisch nach Luft: Fritze, das ist keine Biene-Maja-Wiese, sondern eine Orchis-majalis-Wiese. Meinetwegen auch Kuckucksblumenwiese! Aber erst müssen die aufblühen, in etwa ein, zwei Wochen. Danach guckte ich Opa argwöhnisch an, hatte er nicht Arschschiss-Maja-Wiese gesagt. Nur freche Kinder denken sich so etwas aus. Das werde ich Oma sagen. Auch ich wollte wie Grossvater angeln. Ich band einen an einen Stock eine Schnur, daran ein Radieschen, das ich mit einer Gänsefeder aufspiesste und an das Ende band ich einen Regenwurm. Jedoch so viele Regenwürmer ich daran band, immer wurden diese abgebissen. Grossvater sass dabei, feixte und spottete: Fritze, über deine Angel freuen sich alle Fische ganz besonders! Ich gab nicht auf, hatte ja meinen eigenen Willen und wollte nicht dauernd Opas Witzeleien anhören. Darum angelte ich heimlich. Das blieb nicht unbemerkt und Oma ängstigte sich: Karl, warum passt du nicht auf den Jungen auf. Wie schnell fällt so kleines Kind in den Fluss! Oma zuliebe angelte ich hinterm Dorf an der grossen Pfütze, die nie austrocknet. Aber auch dort frotzelte Grossvater: wo du angelst, da wimmelt es es vor Hechten, Karpfen Forellen und armdicken Aalen! Auch die grossen Jungen, wenn sie vorbeikamen, ermutigten mich: Petrie Heil! Fritzchen wieviele Fische hast denn schon geangelt. Ist dein Eimer voll? Opa Kachelmeier hat heute früh schon einen ganzen Eimer voll herausgefischt. Du hast wirklich kein Anglerglück! Kaum waren sie um die Wegbiegung, sprang ich zu meiner Angel, denn der Schwimmer war unter Wasser. Vorsichtig zog ich. Der Stock bog sich. Ich freute mich schon, es musste ein schwerer, grosser Fisch sein, der angebisen hatte. Aber mein Fisch an der Angel sah sehr komisch aus. Es war ein alter, abgelatschter Schuh. Den hatten die mir heimlich angebunden. Aber bei den Erwachsen trieb diese Dorfjugend noch schlimmere Streiche. Dem Bauer Hutschenreuter, haben sie seinen Hund mit Fleisch gefüttert und diesen samt Hundehütte oben auf dem alten Birnenbaum gehängt. Auch bei dem Pfarrer Heuhufer, füllten sie heimlich oft nachts, durch einen Rohrhalm Jauche in seinen Riesen-Kürbis. Erst nach der Ernte, als einige Kürbisse im Pfarrer-Keller lagerten, wunderte sich der Pfarrer, als es dort fürchterlich stank. Jedoch ich liess mir trotz Spott, das Angeln nicht vergraulen. Eines Morgens hatte ich endlich Anglerglück mit meiner "Kasperangel". Freudestrahlend rannte ich nach Hause und zeigte Oma meinen Fang, einen Kammmolch. Dieser hatte den Wurm halb verschluckt und hing an der Schnur. Ein Einweckglas wurde dem Molch seine runde Glassstube. Dazu füllte ich Wasser und legte ein Stein mit Moos als Sessel hinein.
 




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