Interaktiv und Smart: Das digitale Klassenzimmer




Platz #103 in Technologie & Wissen, #3447 insgesamt
0

Interaktiv und Smart: Das digitale Klassenzimmer
Computer class - © auremar (Fotolia.com)

Deutschlands Bildungsministerien erwachen aus ihrem Dornröschenschlaf. Endlich scheint sich etwas zu bewegen. Lehrermangel und veraltete Lehrmethoden werden aktiv angegangen. Neue Lehrer werden gefördert und Unterrichtspläne werden für die Zukunft gestaltet. Dazu gehört auch die stetig steigende Digitalisierung des Unterrichts. Probeklassen werden in Medienkompetenz auf die Anforderungen ihres späteren Arbeitsmarktes vorbereitet und durch interaktive didaktische Methoden zum eigenständigen Lernen hingeleitet. Das ist das digitale Zeitalter im Klassenraum. Interaktive Whiteboards, Tablets und E-Learning Plattformen machen es möglich.

Vernetzter Unterricht in der Beta-Phase

Was in Großbritannien bereits praktiziert wird, klingt im föderalistischen Schulsystem Deutschlands noch nach Zukunftsmusik. Circa 70 Prozent der britischen Klassen sind mit interaktiven Whiteboards ausgestattet. Hierzulande beläuft sich die Zahl auf ungefähr ein halbes Prozent. Das liegt zum Teil daran, dass die sogenannten neuen Medien vielerorts erst in vereinzelten Klassen erprobt werden und sowohl Lehrer als auch die didaktische Forschung daran arbeitet, die Technik mit den Lehrmethoden perfekt abzustimmen. Nehmen wir zum Beispiel das interaktive Whiteboard (auch ActivBoard oder Smartboard) zur Erklärung. Die weiße "Tafel" ist mit einem Computer oder Tablet verbunden. Auf dem PC gespeicherte Arbeitsvorlagen können mittels Beamer auf das Board geworfen werden. Durch verschiedene Ebenen entsteht nach und nach ein Tafelbild. Schüler und Lehrer können handschriftlich, direkt am Smartboard Notizen in das Tafelbild einfügen, Anstreichungen vornehmen, Musik- und Videodateien einfügen. Das Ergebnis drucken sie aus oder laden es auf die klasseneigene Lernplattform hoch. Anbieter wie beispielsweise d'Bomba concept bieten ganzheitliche Systeme interaktiver Tafeln.

Nutzerfreundlichkeit hat Priorität

Kritiker bemängeln dabei eine Rückkehr zum Frontalunterricht, weil sich alles auf das Board konzentriert. Jedoch gibt es auch "Tablet-Klassen", in denen alle Schüler über ein eigenes dieser Geräte verfügen. Wie in einem Hefter können sie sich eigene Notizen darin machen. Gleichzeitig ermöglichen E-Books und Lernprogramme der großen Schulbuchhersteller das Nachschlagen von benötigtem Wissen. Mit zusätzlicher Internetfähigkeit und der Vernetzung in Lerngruppen haben die Schüler so die Möglichkeit auf eigenständig forschende Gruppen- und Partnerarbeit. Wie die Geschäftsführerin des Forschungsschwerpunkts Medienkonvergenz der Johannes-Gutenberg- Universität in Mainz, Luise Ludwig, dem Magazin Mac&i sagte, laute die Frage nicht, welches Gerät man anschaffen soll, sondern was man damit machen wolle.

Reaktionen sind positiv, die tatsächliche Nutzung ausbaufähig

Die Pilotklassen zumindest, scheinen zufrieden zu sein mit ihren neuen Arbeitsmaterialien. Lehrer berichten von einem erhöhten Interesse der Schüler am Stoff. Schließlich sind Ipad, Smartphone und Co. für die meisten Jugendlichen alltäglich. Anwendbare Medienkompetenz über die Nutzung von Facebook hinaus zu erlernen, sei auch in der späteren Arbeitswelt von Vorteil, so heißt es bei vielen Schulleitern und Lehrenden. Nur die leichte Nutzung muss noch verbessert werden. Ein Mangel an Etat führt dazu, dass viele Schulen nur geringe Sätze an Tablets zur Verfügung haben oder interaktive Whiteboards nur im Medienraum vorzufinden sind. Dann bedarf es einer vorherigen Anmeldung für das rare Gut, Zeitverzögerungen durch Klassenwechsel werden unvermeidlich, Aufbau der Geräte oder ungenügende Vertrautheit der Lehrkraft mit dem Gerät, besonders wenn diese über Jahrzehnte hauptsächlich mit Tafel und Kreide gearbeitet hat. Um Berührungsängste abzubauen gibt es Fortbildungen. Aber besonders der Lehrernachwuchs muss diesbezüglich gefördert werden.

Eine neue Generation

Lehramtsstudierende bekommen vermehrt zusätzliche Lernangebote, die ihre Kompetenz in den neuen Medien schulen sollen. So bietet, zum Beispiel, die Goethe Universität in Frankfurt am Main ein Medienkompetenzzertifikat mit Ringvorlesung und Tutorium an. Die Universität Passau setzt auf Exkursionen und praktische Anwendung von Photoshop als Tool für Web-Comics für Lehramtsstudierende des Faches Kunst. Die RWTH Aachen bietet ein Seminar zum Blended Learning, welches den didaktisch sinnvollen Einsatz unterschiedlicher Medien im Unterricht vermitteln soll. Die Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg bietet seit dem diesjährigen Sommersemester Workshops zum Thema “Interaktive Schultafeln” für Lehramtstudenten an. Dies sind nur einige Beispiele, wie angehende LehrerInnen fit für die digitalisierte Schule gemacht werden. Mit zunehmendem Umdenken in der Politik und erweiterter Kompetenz der Lehrkräfte werden die Möglichkeiten, die die "neuen Medien" bieten, bald nicht mehr aus dem Unterricht wegzudenken sein.




Remove