Interpretation "Liebe Mom, lieber Dad" von Irene Dische




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Kurzreferat im Fach Deutsch

10.05.2012

Dieser Text ist von mir allein erstellt worden. Mit meiner Interpretation, die mir die Note 1 im Referat eingebracht hat, könnt ihr eventuell Anregungen für eine eigene Interpretation erhalten.


Charakterisierung / Interpretation der Einzelpersonen anhand von Belegen und Diskussion über den Begriff "Katastrophe" in Relation zu unserer Interpretation von Sarahs Vater der Kurzgeschichte "Liebe Mom, lieber Dad" von Irene Dische

Aufgabenstellung:

1. Charakterisiert Sarah, Ralph, Sarahs Eltern und Jackie. Schreibt in vollständigen Sätzen und belegt es anhand von Zitaten.
2. Diskutiert, in welcher Beziehung Sarah zu den anderen Figuren steht und welche Bedeutung diese für sie haben.
3. Untersucht die Verwendung des Begriffes "Katastrophe".
a) Was bedeutet für die Eltern "die Katastrophe" in Sarahs Leben?
b) Untersucht, welche Bedeutung Sarah diesem Begriff gibt und welche Rolle sie dabei spielt.
c) Welche Rolle messt ihr diesem Begriff bei?

1. Charakterisierung von Sarah, Sarahs Eltern, Ralph und Jackie

SARAH

Sarah ist auf Harmonie in der Familie bedacht. Das ist erkenntlich an den Entschuldigungen an die Eltern gleich in der ersten Briefzeile (Z.1:[...] "bitte entschuldigt" [...]) und in der drittletzten Briefzeile (Z. 49: "Entschuldigt den ersten Absatz [...]"). Zudem versucht sie mit dem Brief, die Beziehung zu ihren Eltern wieder aufzunehmen, die sich allen Anscheines nach selbst nicht gemeldet haben (Z. 5: "Nach unserem Streit vor sechs Wochen" [...]) und diese Beziehung wieder in normale Bahnen zu lenken (Z. 51: "Besucht uns mal.").

Neben ihrer Liebe zu den Eltern existiert als Streit- und Reibepunkt zwischen den Parteien Ralph, Sarahs Freund und nun Ehemann. Auch ihm scheint eine hohe Zuneigung seitens Sarahs zuteilzuwerden. In mehreren Aussagen wird dies deutlich, allerdings wird Ralph von Sarah größtenteils in der erfundenen Unfallgeschichte heroisiert mit Aussagen wie (Z. 33:"Ralph kam mit dem Flugzeug von Maine, um bei mir zu sein."; Z. 36: "Er fuhr nicht hin, sondern blieb, solange er konnte, bei mir"). Unbestritten scheint hingegen, dass sie keinen Wert darauf legt, dass er "kein Arzt oder Anwalt ist wie alle anderen [...]" (Z. 6-7).

Ob sie Wert (wie die Eltern) darauf legt, dass Ralph über ein ausreichendes Einkommen verfügt, ist nicht zu klären, denn "so arm ist er nämlich gar nicht [...]" (Z. 12). Doch scheint sie durch die Ehe eine stabile und langfristige Beziehung zu suchen (Z. 48: "Letzte Woche haben Ralph und ich geheiratet.").

Sarah ist anscheinend sozial kompetent, denn sie hat neben ihren Eltern und Ralph auch eine beste Freundin namens Jackie (Z. 9:"Sie ist immer meine beste Freundin gewesen.").

RALPH

Sarahs jetziger Ehemann Ralph ist anscheinend ein Künstler, der sogar (zumindest) eine Ausstellung in Boston organisiert bekommt (Z. 34: "In Boston sollte eine Ausstellung mit seinen Bildern eröffnet werden [...]"). Zudem besitzt er einen landwirtschaftlichen Betrieb und/oder eine Viehzucht (Z. 11: "[...] Maine, wo Ralph eine Farm hat."; Z. 37: "zurück nach Maine, sich um die Tiere kümmern [...].) Diese beiden anscheinend beruflichen Aspekte lassen ihn nach Ansicht oder Wissen Sarahs zwar nicht "arm" (Z. 12) sein, verfehlen aber den Wunsch der Eltern nach einem anderen Berufsbild ihres zukünftigen Schwiegersohns, welche ihn früher anscheinend schon als "seltsame Wahl" (Z. 6) bezeichnet haben.

Ralph ist außerdem älter als seine Angetraute (Z. 5-6: "so viel älter als ich"). Ihm werden von Sarah in ihrer fiktiven Unfallgeschichte positive Eigenschaften wie Fürsorge und Opferbereitschaft zugeschrieben, die er also zumindest potenziell besitzen sollte.
 

Sarahs Eltern

Den Eltern von Sarah werfen wir ein altertümliches Rollenverständnis vor. Sie sind sich anscheinend nicht darüber bewusst oder ignorieren, dass sich die Eltern in Beziehungen ihrer Töchter und Söhne nicht entscheidend einzumischen haben. In diesem Fall sind Sarahs Eltern mit der Wahl des Freundes der Tochter nicht einverstanden und geben dies unmissverständlich deutlich und nachdrücklich zu Protokoll. So ist der Freund Ralph nicht nur "älter" als Sarah (Z. 6) und für die Eltern schon deswegen eine "seltsame Wahl" (Z. 6), sondern auch "kein Arzt oder Anwalt" (Z. 6).

Zudem machen sie sich über die finanzielle Situation ihrer Tochter Sorgen, wahrscheinlich in Hinsicht auf die traditionelle Versorgerrolle, die der Mann in einer Liebsbeziehung ihrer Vorstellung nach einzunehmen hat. Deswegen entgegnet Sarah ihren Eltern im Brief "So arm ist er nämlich gar nicht, wisst ihr." (Z. 12). Dies kann man auch so interpretieren, als dass für Sarah seitens der Eltern eine berufliche Profession nicht vorgesehen ist, da sich der Ehemann um das Geldverdienen zu kümmern hat. Vielleicht ist für die Eltern das Geldverdienen bei einem Beruf auch das wichtigste Kriterium.

Andererseits könnten die Eltern nur vor einem Abfall aus dem Bürgertum der Tochter- und Enkelgeneration besorgt sein oder sich einfach existenzielle Sorgen um ihre Tochter machen, die nicht mehr im elterlichen Anwesen haust. So gesehen sind die Eltern nicht unbedingt herrschsüchtig, sondern in der Wahl ihrer Stilmittel in der Kommunikation mit der Tochter unbeherrscht und evtl. auch zu sehr an die Tochter gebunden. Da man nicht von einem Geschwister Sarahs erfährt, ist anzunehmen, dass Sarah das einzige Kind ist und ihr somit die ungeteilte Aufmerksamkeit zuteil wird, wie es bei Einzelkindern oft der Fall ist. Man könnte also auch von abgenommenen Entscheidungen in Sachen Beziehungsmarkt reden, was allerdings unserer Meinung nach ebenfalls nicht in Frage kommen darf.

Der Vater bezeichnet die Beziehung Sarahs zu Ralph als "Katastrophe" (Z. 15) und bringt seine Tochter damit zum Weinen. Ob sich die Eltern allerdings energisch, wütend oder gar arrogant und abfällig äußerten, ist nicht zu sagen und der Streit vor dem angeblichen Unfall deswegen schwer objektiv zu bewerten. Eventuell sind auch andere Dinge im Spiel als der soziale und finanzielle Status Ralphs und eine Warnung seitens der Eltern durchaus berechtigt.

Man kann jedenfalls sagen, dass sich zumindest die Mutter auch sehr emotional verhält "Mom zu weinen anfing [...]" und die Eltern allgemein großes Interesse für die Geschicke ihrer Tochter an den Tag legen. Wahrscheinlich lieben sie ihre Tochter, sind jedoch von einem frauenfeindlichen Rollenbild geprägt, welches auch heute noch milliardenfach weltweit Anwendung findet, auch in der westlichen und wirtschaftlich entwickelten Hemisphäre (aktuelle Beispiele: "Herdprämie", politisch korrekt als "Betreuungsgeld" bezeichnet; erheblicher Widerstand gegen lächerlich geringe Frauenquoten in Staats- und Wirtschaftbetrieben sowie das nachgewiesenermaßen deutlich unterschiedliche Durchschnittsgehalt von Frauen und Männern zum Vorteil vom männlichen Geschlecht bei gleicher Arbeit). Aufgefallen ist uns weiterhin, dass Sarah im Brief erwähnt, dass Jackie immer ihre "beste Freundin" (Z. 9) gewesen sei. Dies müssten die Eltern wissen, wenn sie sich intensiv um ihre Tochter gekümmert hätten und es sollte nicht extra erwähnt werden müssen.

JACKIE

Jackie ist Sarahs beste Freundin oder war es zumindest in der Vergangenheit. Darauf lässt der Satz "Sie ist immer meine beste Freundin gewesen." (Z. 9) schließen. Außerdem wird sie in der fiktiven Unfallgeschichte als fürsorglich und aufgeweckt beschrieben. "Jackie bot, sie könne fahren" zeigt, dass Jackie einen wütenden und aufgelösten Fahrer als kontraproduktiv empfindet. Gleichzeitig wird auch ausgesagt, dass Jackie einen Führerschein besitzt und damit ein gewisses Maß an Selbstständigkeit ausstrahlt. Als Sarah angeblich viel zu schnell fuhr, schrie Jackie sie an (Z. 19: "Jackie schrie mich an", Z. 25: "Nein! Nein!").

Sarahs Beziehungen zu anderen Personen

Sarah ist ein Mensch, der auf enge persönliche Bindung großen Wert legt und eine familiäre Harmonie schätzt.
In der Beziehung zu den Eltern hat sie sich bisher in einer passiven Rolle bewegt
sie kommt mit der Autorität der Eltern nicht zurecht
sie legt wahrscheinlich keinen Wert auf Status und heiratet eine Künstler
Sarah hat eine beste Freundin, hat also jemanden, dem sie sich ganz anvertrauen kann
sie ist aufgrund des Briefes als unkonventionell im Allgemeinen einzustufen
vor der guten Beziehung mit den Eltern wird die Liebesbeziehung gestellt, was für Ralph eine Ehre sein dürfte

Verwendung des Begriffes Katastrophe

a)

die Eltern legen starken Wert auf einen für sie angemessenen Partner Sarahs
der Vater verwendet diesen Begriff für die Beziehung zu Ralph, was ein starker persönlicher Angriff auf Sarah sowie Ralph ist

b)

ein Unfall mit 5 toten Menschen wäre eine Katastrophe
die Unfruchtbarkeit wäre eine Katastrophe
der Tod der besten Freundin wäre eine Katastrophe

c)

Kriege sind eine Katastrophe
schwere Unfälle
Todesfälle in der Familie
Armut usw.
 

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