Kleines Wörterbuch der DDR-Sprache




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Worum geht es bei der Bassow-Methode? Wer waren die Bausoldaten? Der folgende Text gibt Aufschluss über rätselhafte Begriffe der deutschen Sprache...

Kleines Wörterbuch der DDR-Sprache
Flagge der Jungpioniere, einer Jugendorganisation, der fast alle Grundschüler angehörten

Altbundesbürger sowie postsozialistische Generationen verstehen die deutsche Sprache bisweilen nur mangelhaft. Sobald bestimmte Begriffe aus der DDR-Zeit in ein Gespräch einfließen, bedarf es oft der Deutung durch kundige „Ehemalige“. Denn in der kleinen, abgeschlossenen Welt des ostdeutschen Staates entwickelte sich eine ganz eigene Sprachkultur, deren spezieller Jargon mit dem Zusammenbruch der DDR allerdings weitgehend überflüssig wurde. Ein Beitrag zur deutsch-deutschen Verständigung.

Begriffe aus Industrie und Wirtschaft

Oberste Maxime deutsch-sozialistischer Wirtschaftsweise war der sogenannte Fünfjahresplan. Darin legten die Wirtschaftspolitiker der DDR vorauseilend fest, welcher Bedarf an Konsum- und Industriegütern in den kommenden fünf Jahren entstehen würde und somit durch die Staatsbetriebe abgedeckt werden musste. Interessanterweise wurde dieser Plan trotz der offensichtlichen Mangelwirtschaft angeblich immer übererfüllt...
Um dennoch einen entsprechenden Leistungsanreiz zu schaffen, erfanden die Genossen den sozialistischen Wettbewerb. Jener war quasi ein Gegenentwurf zum kapitalistischen Konkurrenzgedanken. Die Menschen wurden dazu in Brigaden eingeteilt, welche bei entsprechenden Erfolgen den Titel „Kollektiv der sozialistischen Arbeit“ tragen durften. Einzelpersonen hingegen wurden als „Held der Arbeit“ ausgezeichnet, wobei diese Ehrung auch gern einmal den nicht körperlich arbeitenden Parteibonzen zugute kam.
 

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Kenngröße ohne Substanz: Die Bassow-Methode

In die Auswertung der von echten Arbeitern erbrachten Leistung floss ab den 1970er Jahren auch ein hohles Schlagwort ein: Die Bassow-Methode war vor allem dem Namen nach bekannt. Ihre inhaltlichen Eckdaten hingegen blieben weitgehend nebulös. Grundsätzlich sollte sie Arbeitsunfälle verhindern, beschränkte sich jedoch meist auf Ordnung und Sauberkeit am Arbeitsplatz. Die mundartliche Umdeutung dieser Arbeitsmethode lautete daher: Bass uff (Pass auf).
Angeblich wurde die Bassow-Methode nach einem sowjetischen Genossen namens Juri Bassow benannt. Eine andere Legende besagt, dass eine sowjetische Zeitung einst den Leserbrief eines gewissen Bassow erhalten habe, welcher darin Bemühungen um mehr Arbeitssicherheit forderte...
 

Die Bausoldaten: Arbeitstrupp in Uniform

Eine Besonderheit der DDR (selbst innerhalb des Ostblocks) waren die Bausoldaten. Als sich für den Dienst in der 1956 gegründeten Armee NVA zu wenig Freiwillige meldeten, wurde 1962 die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Wer Waffen und Gewalt ablehnend gegenüber stand, hatte nun ein Problem, denn eine Art Zivildienst gab es nicht. Auf Initiative der Kirchen kam deshalb 1964 ein Kompromiss zustande, der den kuriosen Status des waffenlosen Soldaten beinhaltete. Diese Rekruten hießen offiziell Bausoldaten, wurden inoffiziell aber etwas respektlos als „Spatentruppe“ bezeichnet, was auf die entsprechenden Symbole der Schulterklappen zurückging. Bausoldaten durften auch die Grundausbildung waffenlos absolvieren, verfügten aber in der Regel nur über vergleichsweise einfache, technische Hilfsmittel. Oft arbeiteten Bausoldaten an militärischen Flugplätzen, Hafenanlagen oder ähnlichen Einrichtungen. In der Spätphase der DDR wurden sie jedoch auch zunehmend für soziale Aufgaben oder in Industriebetrieben eingesetzt.

Weitere typische DDR-Begriffe finden Sie hier.

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