Kritik des Films "Moon"




Platz #211 in Kino & Fernsehen, #10415 insgesamt
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David Bowies Sohn hat seinen ersten Film gemacht und damit bestimmt keinen schlechten Start

in "Moon" ist ein Astronaut wortwörtlich allein mit sich selbst

Der Regisseur dieses Films heißt Duncan Jones und ist der Sohn des von mir hochverehrten David Bowie. Wohl kein Popstar hat so viel über den Weltraum gesungen wie er, und der erste Spielfilm seines Sohnes spielt dann auch direkt dort. Als Fan des Vaters weckte der Film bei mir vor dem Ansehen hohe Erwartungen. Das könnte vielen so gehen. Ich kann nicht versprechen, dass der Film diese Erwartungen für jeden erfüllt oder übertrifft. Ich bin wohl ganz angetan von „Moon“, aber ich vermute hier werden sich die Geister scheiden.
Sam Bell ist im Film Astronaut und arbeitet auf einer Mondbasis, wohl schon seit Jahren ganz allein. Als Gesprächspartner hat er nur einen Computer. Heimweh plagt ihn, und er soll in zwei Wochen zur Erde zurückkehren. Sam bewegt sich anfangs durch die Mondbasis wie der erste Big Lebowski im Weltall: bärtig, schnodderig und gemütlich. Bei einem Außeneinsatz hat er einen Unfall. Danach wacht er auf der Krankenstation seiner Basis wieder auf. Wenig später fährt er wieder nach draußen und findet am Unfallort sich selbst. Ja, das ist eine große surreale Filmszene, wie ich sie lange nicht gesehen habe. Die beiden Sams kommen fortan nicht besonders gut miteinander klar. Der erste von ihnen, den wir zu Anfang kennenlernten, entwickelt seltsame Krankheitssymptome, spuckt Blut, verliert Zähne usw., was im weiteren Verlauf unerklärt bleibt. Die beiden finden heraus, dass sie Klone sind, und die Basis nur von einem Sam-Klon nach dem anderen betreut wird, bis dieser wohl jeweils stirbt. Zum Schluss gelingt noch dem gesünderen der beiden Sam-Klone die Flucht zur Erde, während der dritte schon aktiviert wird – ganze Heerscharen von Klonen lagern schlafend unter der Basis.
Man erkennt unschwer, dass das Szenario ungewohnt ist. Hier findet kein Kampf zwischen Gut und Böse statt wie in Durchschnittsfilmen. Möglich, dass sich bei einem zweiten Ansehen noch andere Aspekte offenbaren. Die ganze Grundproblematik des Films spielt sich einzig und allein in einer Art von Einsamkeitssituation ab, die für Spielfilme in dieser Art ziemlich unüblich ist. Jones führt uns nach und nach durch Facetten der Selbstbespieglung, und das auf dem Mond, wo im Film Mondgestein zur Energieerzeugung gewonnen wird. Die Katharsisvariante, die den Film ausmacht, gefällt mir gerade wegen ihrer Seltenheit. Die dargestellte Situation könnte von Kafka sein, eine nahezu wissenschaftliche Zerlegung des Absurden.
Zum Schluss möchte ich noch den optischen Charme des Films lobend erwähnen. Raumstation, Fahrzeuge und Computer sehen alle mehr nach Modellen und Bühne aus als nach Computeranimationen, wie es früher in Science-Fiction-Filmen üblich war. Auf mich wirkt das alles in allem glaubwürdiger, da Animationen heute gerade oft besonders verblüffend auszusehen versuchen, besonders unvorstellbar. Der Alltag eines Astronauten wird durch die von Jones gewählte Alternative besser dargestellt.

Moon

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