Landschaftsbau - Ein Albtraum?




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Berufswahl - Landschaftsbau

Landschaftsbau - Ein Albtraum?
Pering. Pixelio.de

Gärtner ist ja nun die Oberbezeichnung für verschiedene Gartenberufe. Ich möchte hier über meine Ausbildung zum Garten- und Landschaftsbauer schreiben. Diese Ausbildung war eine von insgesamt 4 Ausbildungen, die ich gemacht habe, und die zweit schlimmste. Aber keine Sorge, der Beruf hat auch schöne Seiten.
Nach einer abgebrochenen Ausbildung zum Elektroinstallateur(was aufgrund des Berufs und der Firma der totale Horror war) suchte ich eigentlich ein Beruf in meinen Wunschrichtungnen Gestaltung, KFZ und Tierpflege. Aber, wie sollte es auch aders sein, fand ich trotz guten Zeugnis keine Ausbildungin meinen Wunschbereichen.
Nach verschiedenen Jobs hatte ich dann das Angebot bekommen, eine Lehre zum Garten- und Landschaftsbauer bei der Stadtgemeinde eines Nachbraorts zu beginnen(möchte hier nicht sagen, wo, aber die Stadt wird als "Parkplatz von Bremen" beschrieben)

Meine Ausbildung zum Garten- und Landschaftsbauer

Ein Albtraum

Da ich unbedingt eine Lehre machen wollte, habe ich dann auch dort beworben, obwohl ich eigentlich keinen Bock auf den Beruf hatte. Im Vorstellungsgespräch liess ich sogar deutlich durchblicken, dass das gar nicht mein Wunschberuf war, dass ich schonmal eine Lehre aufgrunddessen abbrach und und und. Ich redete mich wirklich schlecht. Trotzdem stellten die mich ein.
Da ich die Ausbildung bei einer Stadtgemeinde machte, gab es für mich regelmässige Arbeitszeiten, pünktlich Feierabend und seltener Zeitdruck. Bei manchen kleinen Betrieben sind Überstunden keine Seltenheit. Aber im Laufe der Ausbildung bei der Stadt musste auch ich Lehrgänge bei Familienbetrieben besuchen, wo ich den Unterschied deutlich merken konnte.

So fing ich meine Ausbildung dort an, obwohl ich eigentlich starker Allergiker bin und auf verschiedene Pflanzen allergisch reagiere.

Die Ausbildung lief so ab, dass ich Anfangs noch mit den Gesellen mit gefahren bin, und eingewiesen wurde. Späterhin musste ich auch alleine, im 1. Lehrjahr, Baustellen führen. Die Aufgaben reichten von Einpflanzen, über Wege Pflastern bis hin zum Müllsammeln in der Stadt.
Im 1. Lehrjahr merkte ich zudem auch, dass der Betrieb nicht wirklich dem Ausbildungsplan folgte, und so wurde ich oft als billige Arbeitskraft eingesetzt. Mehrere Wochen hintereinander Stadtpflege waren keine Seltenheit. Dabei musste ich Müllkörbe leeren, Laub beseitigen, und und und.

War auch nicht schlimm, da man viel in der Stadt unterwegs war und ich so hier und da mal mit Mädels flirten konnte.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Berufs ist das Pflastern. Es ist harte Arbeit, macht aber Spass, wenn man sich das Ergebniss anschaut. Vorallem schön fand ich es, wenn wir mit Natursteinen etwas kunstvollere Flächen pflasterten, wo wir Muster einarbeiteten und so weiter. Wenn man dann das Ergebnis sieht, kann man schon mal stolz sein, auf was man da gemacht hat. Und wenn man eines Tages dort entlang geht, kann man immer zu seinen Freunden sagen: "Schau mal, das habe ich damals gemacht"

Insofern wird auch ein wenig Kreativität in dem Beruf abverlangt.

Aber neben der Kreativität wird vor allem körperliche Belastbarkeit abverlangt. Es kommt ganz auf den Betrieb und den Zeitdruck an, ob man sich völlig verausgabt oder eher gemächlich vorsich hin arbeitet. Ich persönlich konnte nicht gemächlich Arbeiten, wurde ich doch dann völlig eingenommen. Da sollte man echt aufpassen: wenn man schon von vornherein alles gibt und zeigt, dass man standhaft ist, bekommt man zwar das ein oder andere Lob, aber man wird auch schnell ausgenutzt.

Es kommen harte und schmutzige Aufgaben auf einen zu. Schwere Lasten heben, in Schlamm und Erde arbeiten, auch mal bei Regen, Schnee und Wind. Man sollte körperlich echt keine Memme sein, um diesen Beruf auszuüben. Ist dieser Beruf auch für Frauen geeignet?

Also, bei mir im Betrieb gab es eine Frauenquote. Es wurde darauf geachtet, dass genug Frauen eingestellt wurden. Die Frauen bei uns waren auch alle recht stabil und nicht zimperlich. Die meisten Aufgaben haben sie beherrscht und ich konnte auch von ihnen sehr viel lernen.

Trotzdem meckerten sie immer von wegen Gleichberechtigung, sie meinten, sie könnten alle Aufgaben genauso gut beweltigen wie die Männer auch. Doch sobald es mal etwas scherer wurde, wenn die weiblichen Kolleginnen mal schwere Dinge hin und her heben mussten, musste ich immer helfen, da sie das nicht packten. Da erwarteten die Kolleginnen plötzlich Nachsicht.

Aber bei allen anderen Aufgaben waren die Frauen genauso gut, von daher ist der Beruf auch für Frauen geeignet, solange man sich der schweren körperlichen Tätigkeit bewusst ist.

Ich bin sogar der meinung, dass Garten -und Landschaftsbau eines der härtesten Knochenjobs ist.

Ganz wichtig ist auch der Umgang mit schwerem Arbeitsgerät und gefährlichen Werkzeugen. Man muss mit allerlei nützlichem "Spielzeug" umgehen. Hammer, Sägen, Axt, Motorsense, Motorheckenschere, Kettensäge alos Beispiele. Aber auch Baggerfahren, Tracktoren, Pflüge, und und und lernt man zu beherrschen. Dafür musste ich in meiner Ausbildung zu ein bis zwei wöchigen Seminaren, die in Norddeutschland meistens in Westerstede, Leer und dieser Umgebung liegen.

Diese Seminare und Lehrgänge nerveten und fand ich auch unverschämt. Da ist man gezwungen, ein bis zwei Wochen von zu Hause wegzugehen, nur damit man da ein wenig Zeug lernt, dass man genauso gut in der Berufsschule und Betrieb lernen könnte. Aber so ist nun mal die Ausbildungsverordnung. Spass hatte ich da trotzdem, da ich zu der Zeit ein wenig Unfug dort getrieben habe.

Bei den Lehrgängen in den Familienbetrieben wurde ich schamlos ausgenutzt und meine Arbeitskraft ausgepresst. Ich habe teilweise Aufgaben dort bekommen, die für das Bestehen der Ausbildung absolut unnötig waren.
Kommen wir nun zur Theorie:

Was ich in der Berufsschule gelernt habe, war nicht gerade schwer. Es ist so in etwa auf Hauptschüler zurecht geschnittten und so war es als Realschüler kein Problem für mich. Was aber sehr genervt hat war die Pflanzenkunde.

Man muss in der Ausbildung an die 600 Pflanzen kennen und drauf haben. Und zwar nicht die deutschen Namen, sondern die Lateinischen. Und jede Pflanze hat noch andere Formen und Variationen, mit teilweise dümmlichen, lächerlichen lateinischen Namen. Und da liegt der größte Kanckpunkt. Wenn man sich nämlich sonst gar nicht für Pflanzen interessiert und begeistert, dann fällt es sehr schwer, sich diese Pflanzen zu merken. Als einigermassen guter Gärtner sollte man bei eine Spaziergang so gut wie jede Pflanze kennen und beschreiben können, die man draussen sieht. Vom Gras bis hin zum Baum. Wenn man davon nichts wisen will, dann ist der ganze Beruf ein Fehler.
Da ich nach der Ausbildung auch als Gärtner gearbeitet habe, ohne diese Pflanzen zu kennen, habe ich mich gefragt, warum man so viel in der Ausbildung lernen muss.
Also, nochmal: Zum Beruf gehört Pflanzenkunde, Stein- und bodenkunde und auch Maschinen- und Motorenwissen. Nach drei Jahren Lehre ist das nicht wenig, was man da drauf hat.

Ich habe die Ausbildung auch nicht mit einem Gesellenbrief abgeschlossen. Grund dafür war ein im dritten Lehrjahr ein Arbeitsunfall, bei dem ein Bagger umkippte und eine Hydraulikstange des Baggerarms mir in den Nacken schlug. Ich hatte verknackste Wirbel und musste operriert werden. Ich konnte hinterher zwar die Lehre wieder aufnehmen, doch ich hatte ehrlich gesagt keine Lust mehr, da ich das ganze dritte Lehrjahr von vorn besuchen musste und es in meinem Betrieb zu unmöglichen Änderungen kam. Es wurde da nur noch gemobbt, es herrschte Streit zwischen vielen mitarbeitern, ich hatte Stress mit manchen der Leute. Ist aber ein anderes Thema.

Ich fasse also zusammen - Landschaftsbau - Ein Albtraum?

  • Der Beruf ist was für Arbeitstiere. Wer auf körperliche harte Arbeit steht, gerne bei jeden Wetter ackert und dazu noch auf Pflanzen, Maschinen, und Fachwissen steht, für den ist der Beruf geeignet. Wie bei jeder Ausbildung muss man aber auch Bock auf die Theorie haben.
  • Was mir noch unbegreiflich ist, ist, warum man für diesen Beruf soviel Wissen eingeprügelt bekommt. Ich arbeitete auch nach der Ausbildung zwischenzeitlich als Gartenbauer, genauso gut wie ein ausgelernter Geselle und lernte auch die Theorietischen Dinge immer noch nach und nach. Aber so ist es nunmal hier in Deutschland, bei jedem Beruf.
    Also, praktische Arbeit macht spass, auch wenn sie hart ist. Die Theorie nervt gewaltig.
  • Ach ja, zu guter Letzt: Berufschancen: also, wenn man eher in Ländlichen Gebieten wohnt, dann könnte man schon hier und da eine Stelle finden. In der Grosstadt ist es eehr schwierig. Aber man kann mit dem Beruf auch im Strassenbau arbeiten.
  • In Zukunft, wo hierzulande viele 1 Euro Jobber, Helfer ohne Gesellenbrief, und so weiter als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden, sieht die Zukunft eher schlecht aus. Aber im Ausland ist es doch ein gefragter Beruf. Gerade in nordischen Ländern lässt sich als gelernter Garten-Landschaftsbauer gut eine Einstellung finden.

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