Max Goldt




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Besprechung einer Max-Goldt-Autorenlesung

Gaggenau (tom) – Manchmal, ja manchmal gibt sich der Zeitungsredakteur gerne dem Gedanken hin: Einmal Max Goldt sein zu dürfen, wunderbar gedrechselte Bandwurmsätze mit altklugen Sonderlichkeiten absondernd; das Publikum, auf harten Holzstühlen mit leer getrunkenen Gläsern vor sich jeden Satz aufsaugend und immer wieder glucksend oder lachend die eine oder andere wohlgesetzte Real-Groteske quittierend. Andererseits: Wer will schon spätabends sein Haupt mit der bitteren Erkenntnis zur Ruhe legen müssen, dass gerade einmal dreißig Leute sich zur eigenen Autorenlesung in der einzigen Kleinkunstbühne einer Großen Kreisstadt eingefunden haben. Da macht es sich der Redakteur lieber am Pressetisch bequem – so gut es eben geht – lehnt sich in dem behaglichen Wissen zurück, dass es derer sicher mehr als dreißig sein werden, die in seiner wohldurchdachten Besprechung bei einer guten Tasse Frühstückskaffee lesen wollen, ob ihnen der Freitagabend im klag gefallen hat – oder vielmehr: Ob er ihnen gefallen hätte.
Andererseits: Was schreiben über einen wunderbaren Schreiber wie Max Goldt? Über einen, der in Reiseerinnerungen an Nordamerika Wortspielereien wie „von Eichhörnchen umsquirrelt“ so nebenbei fallen lässt, dass sie unter den Tisch zu fallen drohen. „Squirrel, engl. f. Eichhörnchen“ sei hier zur Sicherheit noch angemerkt. Dabei will der Redakteur dem großen Schreiber gewiss nicht das Wasser reichen. Das machte dieser am Freitag schon selber: Aber waren das wirklich Plastikflaschen? Wer hat derer gleich zwei ihm auf sein sehr gut ausgeleuchtetes Bühnentischchen gestellt? Oder bringt er sich das Plastikwasser womöglich selber mit? Darüber müsste mal geschrieben werden. Aber auch das macht Max Goldt sicher selbst am besten – und liest daraus bei seinem nächsten Auftritt in der kleinen Großen Kreisstadt. Bis dahin wird der dann nicht mehr Mitt-, sondern Endfünfziger auch bitte nicht mehr mit einem Jugendbild in Programmheftchen und Zeitungen angekündigt werden müssen. Und den Veranstalter wird bis dahin hoffentlich nicht der Wille verlassen haben, finanziell unrentable, aber umso veritablere Abende auszurichten.
 

Die Lesung fand statt am 30. September im klag in Gaggenau.

Besprechung erschien am 4. Oktober im Badischen Tagblatt, www.badisches-tagblatt.de

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