Mein Löwenzahnstecher




Platz #20 in Über Mich, #516 insgesamt
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Mein Löwenzahnstecher

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Bei den einem hat die Morgenstund` Gold im Mund,  jedoch bei mir im Garten läuft es dann in aller Frühe rund. Oft weiß ich nicht, wo, wie, was ich zuerst anfangen soll. Überall zeigt mir mein Garten Löwenzähne. Als der Umweltminister grüßend am Gartenzaun vorbeikam, schimpfte ich:“ Alles wächst im Schneckentempo, nur das Unkraut schießt mir übern Kopf!“
Sofort belehrte mich der Umweltminister, der eigentlich kein richtiger Minister ist, sondern Leiter im Umweltamt: „Es gibt kein Unkraut, sondern nur Wildkräuter!“
Nun erinnert ich mich auch daran, früher hatte ich aus Löwenzahnblättern Salat gemacht. Großmutter kochte sogar Blütenhonig aus den gelben Blütenköpfen. Da fiel mir ein, jetzt musst du schnell noch, bevor die Gartenfreunde kommen, ein paar Bierflaschen ins Gewächshaus stellen, weil diese eiskalt sind. Jeder Kleingärtner kennt den Spruch, das Schönste an der Gartenarbeit ist das Giessen. Und wie ich weiter die vielen Löwenzähne ausstechen wollte, ist mein Löwenzahstecher nicht mehr da. Ich guckte, suchte im Gewächshaus herum, vergebens. Ich suchte die Beete, den halben Garten ab, umsonst. Ich überlegte, wo warst du überall, ging in den Geräteschuppen. Da kann mein Löwenzahnstecher gar nicht sein, weil ich ihn erst dort herausgeholt hatte. Mein Blick verirrte sich in die Ecke, wo der Bierkasten steht und siehe darinnen stak er. In Gedanken versunken, hatte ich meinen Löwenzahnstecher mit einer leeren Bierflasche verwechselt.
Wie ich so weiter mit meiner Löwenzahnwaffe das Unkraut bekämpfte, leistete mir mitten im Beet ein Brennnesselbüschel unerwarteten Widerstand, und ich schimpfte auf die Scheissbrennnesseln, weil mein Löwenzahnstecher ihr Wurzelgewirr nicht aushebeln konnte. Nun zerrte ich wütend daran. Au! Sofort brannten meine Handflächen. Ich holte den Spaten. Und wie die Brennnesseln mit Stumpf und Stiel ausmerzen wollte, den Spaten in die Erde stampfte, fiel mir plötzlich ein: Gartenfreund Buli  hatte mich überzeugt, dass auch ich eine Brennnessel-Teekur machen sollte. Er schwört darauf ,seitdem er seine Wunderbrennnessel-Teekur absolvierte, sind alle seine rheumatischen Gelenkschmerzen weg. Ich lief und suchte eine Schere und schnitt behutsam die Brennnesseln ab. Natürlich ließ ich die Wurzel im Beet. Nun wollte ich eine Tüte holen, aber fand keine in der Laube. Und wie ich nach meinem Löwenzahnstecher griff, das Unkraut weiter zu bekämpfen, war doch dieser schon wieder verschwunden. „Verflucht noch einmal! Das ist ja wie verhext!“ brüllte ich, dass man es in der ganzen Gartenanlage und einen Kilometer gegen den Wind hören konnte. Wieder ging die Sucherei los. Ich suchte und suchte wieder den ganzen Garten ab und in der ganzen Laube besonders, wo ich vorher nach einer Tüte gesucht hatte. Wie konnte es auch anders sein; ich fand auf einmal zig Tüten, aber keinen Löwenzahnstecher. Ich nahm eine Tüte, um wenigstens die Brennnesseln, damit diese nicht von der Sonne ausgetrocknet werden, einzusammeln. Ich verzichtete auf die Sucherei nach dem Gartenhandschuhen. Dabei lagen die neben mir, hinter einem Salbeistrauch. Ich nahm die Brennnesseln mit den Fingerspitzen und legte diese vorsichtig in die Tüte. Plötzlich hatte ich den rostbraunen Löwenzahnstecher in der Hand.
Vor lauter Brennnessel-Wunderkurgedanken hatte ich das brennende Teekraut auf meinen Löwenzahnstecher  geworfen.
Ich kann eben machen, was ich will, je mehr Ordnung ich in meinen Garten bringe, desto mehr Unordnung erlebe ich.

 

 

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