Merkels Postulat




Platz #52 in Politik & Nachrichten, #3566 insgesamt
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Merkels Postulat

Man sollte ja denken, dass Frau Angela Merkel als Physikerin sich über die Fakten rund um Deutschland ein wenig auskennt. Verzeihung: Frau Dr. Merkel.

In der gestrigen Pressekonferenz liess sie uns wissen, dass in Deutschland das Risiko eines Tsunami nicht besteht. Da irrt sie gewaltig!

Gut, es ist sehr unwahrscheinlich, dass Isar1 oder Neckarwestheim von einem Tsunami überrollt werden könnte – wenn es so weit ist, dann ist es auch schon egal, denn da wäre die Welle 500m hoch und würde uns alle als Fischfutter ins Meer spülen.

Ich meine, 600 Jahre sind schon eine lange Zeit, zugegeben. Aber in erdhistorischem Zusammenhang ist das nicht viel – gerade mal 600 Jahre ist es her, dass die Marcellus-Fluten die Nordseeküste ganz wesentlich heimgesucht haben – und so zum Beispiel das Ijsselmeer hat entstehen lassen. Auch unsere Nordessinseln gehörten in historischer Zeit zum Festland.

Nun ist nicht wirklich erwiesen, dass die Marcellus-Flut wirklich auf einen Tsunami zurück geht, es ist aber auch nicht ausgeschlossen. Im Grunde ist die Ursache auch völlig egal: es hat ein fürchterliches Hochwasser gegeben, dass alles auf seinem Weg an Land mitgenommen hat, was sich in den Weg gestellt hatte.

Und auch das Jahr 1962 ist noch nicht so lange zurück. Das war das Jahr der Sturmflut, die in Hamburg unzählige Tote gefordert hat. Hier ist klar, dass es kein Tsunami war, aber es ist doch nun wirklich egal, welche Ursache ein Hochwasser hat, wenn es hoch genug ist, um selbst eine Großstadt wie Hamburg absaufen zu lassen. Was wäre wohl geschehen, wenn damals das KKW Brunsbüttel schon gestanden hätte?

Nein, ich habe in früheren Zeiten an sich die Kernkraft als Technologie betrachtet, die zwar hoch gefährlich ist, aber unter anzunehmenden technischen Vorsichtsmassnahmen beherrschbar sein könnte.

Die Vorgänge in Japan zeigen jedoch, dass selbst in einem Industrieland die Technik nicht wirklich beherrschbar ist. Insbesondere der Reaktorblock 3, in dem auch Plutonium verbrannt wurde, bedeutet äusserste Gefahr für die Anwohner. Anwohner? Ja, das sind alle Leute im Umkreis von – sagen wir – 50 km. Und dies auch nur unter der Voraussetzung, dass dieses auch chemische Gift nicht ins Grundwasser gerät. Bereits eine Mikrogramm-Menge im Trinkwasser reicht völlig aus, um die Bewohner einer Millionenstadt ins Jenseits zu befördern.

Noch mal zurück zur Wahrscheinlichkeit eines Tsunamis an unserer Nordseeküste. Europa befindet sich zur Gänze auf einer stabilen tektonischen Platte. Aber so eine Platte ist auch endlich. Die eurasische Platte stösst im Norden an die Nordamerikanische Platte – wir alle kennen die vulkanischen Aktivitäten auf Island. Wo tektonische Platten aufeinander stossen, besteht das Risiko von Erdbeben, auch Seebeben; denn ein Seebeben ist ja weiter nichts als ein Erdbeben, welches unter der Meeresoberfläche stattfindet. Und ein Seebeben kann einen Tsunami verursachen (weitere Bedingungen kommen hinzu, auf die will ich aber hier nicht eingehen).

Nun lassen Sie mal ein Seebeben bei Spitzbergen oder Island geschehen, oder dazwischen. Eine Flutwelle wird durch nichts abgebremst oder abgelenkt und wandert direkt in die Nordsee hinein.

Ist das wahrscheinlich, dass da oben ein Erdbeben geschieht? Aber sicher doch. Sehen Sie mal den Live-Ticker über die Erdbeben (auch Seebeben). Links oben (Geographen verzeihen mir diese Beschreibung!) sehen Sie zwei gelbe Ringe in einer ganzen Reihe von violetten Punkten.

Diese violetten Punkte zeigen seismische Aktivitäten der letzten fünf Jahre an. Die beiden gelben Ringe zeigen an, dass dort innerhalb der letzten zwei Wochen (ja, vierzehn Tage!!) ein Beben der Stärke 5 stattgefunden hat! Wir sehen also, es gibt dort Erdbeben, es gibt dort tektonische Bewegung, und der Seeweg in die Nordsee ist offen. Wenn es dort mal ein stärkeres Beben gibt, welches auch noch die anderen Bedingungen erfüllt, kann eine Tsunami-Welle ungehindert auf die deutsche Nordseeküste klatschen.

Es gibt noch ein weiteres Problem. An der Westküste Norwegens befinden sich in grossen Wassertiefen riesige Methanvorkommen. Norwegen kennt Tsunamis, 1934 gab es einen 64m hohen Tsunami, der vielen Menschen das Leben kostete. Vor mehr als 8000 Jahren gab es die so genannte Storegga-Rutschung an der Norwegischen Küste. Mittlerweile ist man zwar der Meinung, dass dafür das Methanhydrat unschuldig ist, aber eine bessere Erklärung ist wohl bislang auch nicht gefunden worden. Tatsache jedoch ist, dass dadurch ein gigantischer Tsunami in der Nordsee ausgelöst worden ist.

Frau Dr. Merkel: Nachsitzen. Tsunamis sind auch an der Deutschen Küste sehr wohl möglich und haben auch schon stattgefunden. Ein Atomkraftwerk würde einfach so weggewischt. Mitsamt dem radioaktiven Brennmaterial.