Über mich gibt es viele schwarze Seiten




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Über mich gibt es viele schwarze Seiten

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Vom Paradepferd zum schwarzen Schaf

Als vielseitiger Dichter, besonders der Natur und Arbeitswelt, wurde ich von allen Seiten angeschwärzt. Von manchen sogar als schwarzes Schaf. Ich wusste gar nicht, dass es so viele Anschwärzer gab und auch noch gibt. Ich bekam sogar einen weltbekannten Verleger, der verlegte alles von mir, alle Manuskripte, aber nur in eine dicke Akte. Diese Verleger-Anstalt hiess "Horch und Guck". Ich habe nicht einmal im Traume daran gedacht, dass es in der der DDR so viele Anschwärzer gab. Ja, diese gaben mir sogar einen Pseudonym und nannten mich naiven Dichter:Träumer.

Verbotener Humor meine Kurzgeschichten aus der Arbeiterwelt

Mein letzter Aufritt als Paradepferd war zu den Arbeiterfestspielen in Dresden, als ich zu dem Wettwerb: " Ein gutes Wort zur guten Tat", von Tausenden Bewerbern den ersten Preis bekam. Ich berichtete schon darüber, aber ich möchte dieses Mal alles von der humoristischen Seite aus beleuchten, auch meinen ideologisch schwarzen Arbeiter- Humor. Einige Geschichten dazu:

Schlangenbrigade

Überall müssen wir Schlange stehen, beim Briegadier, beim Ausfüllen der Materialkarten, bei der Werkzeugausgabe und wenn es beim Beriebsessen Schnitzel mit Rotkraut gibt, muss man sich eine halbe Stunde vor der Mittagspause in der hundert Meter langen Schlange anstellen, die von der Küche bis zum Werktor reicht. Vorher rannte die ganze Brigade zur Gärtnerei Bockmüller, als diese aufmachte, um sich wegen Pfirsichbäumen anzustellen. Wer keinen Garten hat, besorgte die Bäume für andere, die ihnen wieder Zement besorgen. Endlich, wenn wir dazu kommen unsere Arbeit zu verrichten, ruft einer dem anderen zu: In der HO gibt es Bananen! Im Nu steht unser halber VEB vor dem HO-Laden nach Bananen an. Beinah hätten wir unseren Feierabend verpasst, weil es in der Fleischerei Meier schon am Mittwoch für das Grillwochenende Rostbrätchen gibt. Und wie froh sind wir, wenn wir uns mal nicht in der Schlange anstellen müssen und endlich mal  richtig arbeiten dürfen, um unsere sozialistischen Pläne zu erfüllen.

Weihnachtsmannbrigade

Nie wieder wollten wir eine Patenklasse übernehmen, wir hatten die Nase voll von den schlechten Zensuren, den ständig wechselnden Klassenlehrerinnen und den verärgerten Elternversammlungen. Darum übernahmen wir die Patenschaft über einen Kindergarten. Anfangs lief alles gut. Wir mussten uns nicht ärgern und auch nicht übernehmen, denn die Kleinen waren furchtbar lieb und gehorchten uns aufs Wort. Aber das änderte sich, als Weihnachten vor der Tür stand. Wir mussten dauernd für die kranken Kindergärnerinnen einspringen, mit den Kleinen Weihnachtsmänner malen, Weihnachtslieder und Weihnachtsgedichte einstudieren. Schliesslich mussten wir auch noch den Weihnachtsmann machen. Da reichte unsere Brigade gar nicht aus, jede Gruppe wollte ihren eigenen Weihnachtsmann haben. Was die Lieben doch für Wünsche hatten! Die wollten nicht mehr mit Puppenstuben und Puppenwagen spielen, die wollten gleich ein Moped oder eine ganz grosse elektrische Eisenbahn, in der sie selber mitfahren wollten. Ein ganz kleines liebes, liebes Mädchen, das kaum laufen konnte, nahm mich bei der Hand und sagte: Ich habe noch nie einen Papi mit so einem schönen Bart gehabt! ... Und schenke ihn Mami zu Weihnachten.

Musterbrigade

Weil wir alle kräftig an einem Strang zogen, weil wir all die kleinen und grossen Fehler, die woanders täglich gemacht werden, bei uns unterbunden hatten lobten uns alle , besonders unser Leiter als Muster einer Musterbrigade.

Sicher hätte weiterhin bei uns alles gut geklappt, wenn wir nicht einen hohen Titel und eine ganz grosse Prämie bekommen hätten. Nach der deren Verleihung waren wir total zerstritten. Es ist fraglich, ob wir  jemals wieder gemeinsam an einem Tisch zusammensitzen und ob wir jemals wieder eine Brigade werden?

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