Voll krasses Döner-Deutsch, eyh!




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Voll krasses Döner-Deutsch, eyh!

Ein kleiner, nicht ganz ernst gemeinter Überblick über eine Mundart, die längst den Dunstkreis der Berliner Problembezirke verlassen hat und langsam zur bundesweiten Jugendkultur mutiert.

Zuerst traf der Kulturschock vermutlich die redlich bemühten Deutschlehrer. Im Lande der Dichter und Denker wuchs offenbar eine multikulturell durchsetzte Generation heran, die sich ihre ganz eigenen Sprachregeln kreierte. Die Ursprünge jener Jugendsprache liegen anscheinend im Siegeszug des Hip-Hop zu Anfang der 1990er Jahre begründet. Dieser lässige Slang, angereichert mit Kraftausdrücken und Begriffen der Fäkalsprache, fand offenbar genügend Nährboden unter Jugendlichen. Eine breitere Öffentlichkeit wurde mit dem Phänomen wenige Jahre später erstmals konfrontiert, als das Komiker-Duo Erkan & Stefan damit Erfolge feierte.
Spätestens seit dem Kinohit „Fack ju Göhte“ dürfte jedoch auch die restliche Bevölkerung der Bundesrepublik darüber informiert sein, dass die Generation U 25 eine etwas andere Ausdrucksweise pflegt, was für enorme Verständigungsprobleme sorgen könnte. Diese seltsame, entfernt an die deutsche Sprache erinnernde Mundart nennt der Volksmund gemeinhin Döner-Deutsch, womit unseren türkischstämmigen Mitbürgern allerdings Unrecht getan wird. Selbst die Bezeichnung „Migranten-Slang“ trifft den Kern der Sache nicht ganz, denn natürlich sind auch zahlreiche deutsche Familien davon betroffen.
 

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Döner-Deutsch: Die Regeln

Natürlich gibt es für Slang-Ausdrücke keine in sich stimmige Grammatik. Dennoch haben sich einige feste Erkennungsmerkmale herausgebildet:

  • Artikel werden weggelassen („Isch geh Arbeitsamt.“) oder im Dativ verwendet („Dem fette BMW iss voll krass.“).
  • Nebensätze sind erlaubt, aber nur in Form von Anhängseln: „Ich schwör“, „Alder eyh“, „oder was?“, „weissttu“...
  • Der Laut „Ch“ entfällt zugunsten des Lautes „Sch“.
  • Umlaute werden nur sehr sparsam verwendet (druber statt darüber)
  • Die Ausdrucksweise ist stark vereinfacht und erfordert bisweilen kombinatorische Fähigkeiten. „Isch mach voll fett krasses Eifohn, Alder eyh“ bedeutet demnach wahrscheinlich, dass der Sprecher zur Zeit ein hochwertiges Mobilfunkgerät der Firma Apple nutzt...
  • Endungen auf r nach einem Selbstlaut sind verpönt und werden meist durch ein einfaches a ersetzt. Also beispielsweise "Dokta" statt Doktor.
     

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Häufig verwendete Wörter

Der verwendete Wortschatz im Döner-Deutsch ist überschaubar und umfasst vermutlich nur wenige hundert Wörter. Dies liegt vielleicht auch daran, dass die Themenkreise nicht wirklich vielfältig sind. Als Jugend-Slang findet Döner-Deutsch ja vor allem dort Anwendung, wo es um die Interessen der jungen Leute geht: Autos, Beziehungen, Soziale Netzwerke, Sexualität, Mode, Musik... Man beachte also, dass die Bedeutung einzelner Begriffe oft eine völlig andere ist, als in der offiziellen, deutschen Sprachregelung. Häufig verwendete Wörter sind daher beispielsweise fett (sehr gut oder auch tatsächlich fett), Mucke, hart, voll, krass (gut, extrem), korrekt, checken, Tussi,(Mädchen oder Frau allgemein), Bitch (leichtes Mädchen oder auch einfach nur abwertendes Schimpfwort für Frauen und Mädchen) chillen, geil, raffen (im Sinne von „begreifen“).

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Ein Rat zum Schluss

Nach dieser kurzen Einführung in die derzeitige Jugendsprache sollten Sie, liebe Leser, noch einen Rat beherzigen: Versuchen Sie nie, wirklich niemals, sich auf diese Weise zu verständigen. Diese Jugendsprache ist eine Art undurchschaubarer Dialekt und für Erwachsene nicht erlernbar. Jugendliche hingegen wachsen einfach damit auf. Man kann sich als Außenstehender daher höchstens um verstehendes Hören bemühen. Versuchen Sie es einmal an folgendem, einfachen Beispiel:
Isch weiß, wo dein Haus wohnt. Isch mach disch Bombe.

Alles klar? Falls Sie also jemals diesen oder einen ähnlichen Satz hören, sollten Sie sich ernsthaft um sofortige Deeskalation bemühen...
 

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