Warum Alkoholfreies Bier für trockene Alkoholiker keine Alternative ist




Platz #51 in Gesundheit & Wellness, #352 insgesamt
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Nicht wenige Alkoholabhängige begehen nach einer Therapie einen folgenschweren Fehler: Sie glauben, dass so genanntes Alkoholfreies Bier ihnen einen goldenen Mittelweg zwischen Alkoholsucht und völliger Abstinenz ermöglicht. (Hinweis: Wenn im nachfolgenden Text Alkohol erwähnt wird, so ist damit in der Regel die Substanz Ethanol gemeint, welche landläufig unter dem Begriff Alkohol verstanden wird.)

Alkoholfreies Bier: Der legale Schwindel

Der Begriff Alkoholfreies Bier ist im Prinzip eine krasse Täuschung der Verbraucher – allerdings mit dem Segen des Gesetzgebers. Dieser erlaubt in derartigen Biersorten einen Ethanolgehalt unterhalb der Grenze von 0,5 Volumenprozent. Bereits diese Tatsache zeigt auf, dass so genannte Alkoholfreie Biere dazu geeignet sind, einen Rückfall zu begünstigen. Immerhin enthalten diese Getränke in geringer Dosis genau das Suchtmittel, welches den Alkoholiker erst abhängig gemacht hat!
Der Restalkohol in so genannten Alkoholfreien Bieren resultiert einerseits aus den begrenzten Möglichkeiten der Herstellungsverfahren. Denn in der Regel wird normal gebrautem Bier dabei mittels verschiedener Methoden nachträglich das Ethanol wieder entzogen. Da bei diesen Prozessen zudem Geschmacksstoffe verloren gehen, darf aber vermutet werden, dass andererseits auch aus diesem Grund eine völlige Ethanolabscheidung nicht praktikabel ist.
 

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Rituale: Rückfall durch das Hintertürchen

Doch so genanntes Alkoholfreies Bier birgt noch eine weitere Rückfallgefahr, welche den Herstellern nicht angelastet werden kann. Natürlich sollen auch diese Getränke wie normale Biersorten aussehen, riechen und schmecken. Doch genau hier können trockene Alkoholiker in die Falle tappen.
Viele von ihnen haben sich während ihrer „nassen“ Phase, also vor Entzug und Therapie, bestimmte Rituale angeeignet. Dies kann aus Gewohnheiten entstanden sein oder auch, um das krankhafte Trinkverhalten vor dem sozialen Umfeld zu verbergen.
Pflegt nun ein trockener Alkoholiker diese Rituale weiter und ersetzt dabei lediglich den Alkohol durch so genanntes Alkoholfreies Bier, wird irgendwann das Verlangen nach alkoholischen Getränken einsetzen. Immerhin sind Körper und Psyche daran gewöhnt, dass im Zuge bestimmter Rituale Alkohol eingenommen wird. Da dies nicht geschieht, bleibt die erwartete Wirkung aus und erzeugt Unzufriedenheit. Im Prinzip sind die früher gepflegten Trinkrituale vergleichbar mit einer permanenten Kaubewegung. Auch dabei stellt sich der Körper auf Verdauungstätigkeit ein...
Natürlich besteht die oben beschriebene Gefahr theoretisch auch bei Multivitaminsaft! Deshalb sollten trockene Alkoholiker Rituale und Gewohnheiten aus ihrer „nassen“ Phase ja auch meiden. Doch so genannte Alkoholfreie Biere verschärfen das Problem noch, denn sie ähneln in der Wahrnehmung des Betroffenen ja stark dem Original. Dies gilt natürlich auch für andere, den Alkohol simulierende Getränke („alkoholfreier“ Sekt usw..).
 

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Methanol: Das giftige Rückfallprogramm

Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Rückfallfaktor Methanol. Jenes gehört zu einer Reihe unerwünschter Alkoholarten, die beim Gärungsprozess neben dem beabsichtigten Ethanol entstehen. Methanol beeinflusst zwar nicht die Blutalkoholkonzentration, wird aber von einem körpereigenen Enzym zu giftigen Substanzen verarbeitet. Eine der daraus resultierenden, gesundheitsschädlichen Wirkungen ist die Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff, was beispielsweise den berühmt-berüchtigten „Kater“ auslöst.
Auch in so genannten Alkoholfreien Bieren ist Methanol in geringer Menge enthalten. Wer daher diese Getränke in großen Mengen konsumiert, kann durchaus am nächsten Morgen mit Brummschädel aufwachen, ohne tatsächlich betrunken gewesen zu sein.
Für trockene Alkoholiker ergibt sich nach einem solchen Erlebnis eine fatale Logik: Obwohl sie keinen Alkohol getrunken haben, erleiden sie trotzdem die kurzfristigen Folgen einer ausgedehnten Zechtour. Der Gedanke liegt also nahe, den negativen Folgen wenigstens ein Genuss-Erlebnis voranzustellen. Der Griff zum „richtigen“ Bier inklusive Rückfall ist damit vorbereitet. Deshalb sollten trockene Alkoholiker auf so genanntes Alkoholfreies Bier lieber gleich ganz verzichten.
 

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