Was ich von Krav Maga über soziale Entscheidungen gelernt habe




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Wir müssen jeden Tag eine Unzahl von Entscheidungen treffen. Manche, wie zum Beispiel die Auswahl der Kleidung am Morgen, benötigen keinen größeren zeitlichen und kognitiven Aufwand. Andere dagegen sind ohne einen aufwendigen Problemlöseprozess nicht zufriedenstellen zu lösen. Welchem Entscheidungsprozess wir auch gegenüberstehen, wir sind häufig unzufrieden mit dem Ergebnis. Entweder fühlen wir uns in eine schnelle Entscheidung gedrängt oder der Lösungsprozess scheint zulange zu dauern.
In diesem Zusammenhang hat mir das Israelische Selbstverteidigungssystem Krav Maga, welches ich seit einiger Zeit praktiziere, sehr geholfen. Ich habe nicht nur ein besseres Verständnis von Entscheidungen in sozialen Situationen bekommen, sondern konnte auch ein „natürliches“ Gefühl die nötige Geschwindigkeit der Entscheidungsprozesse entwickeln.

Unmittelbare Entscheidungen (Fast Lane Decisions)

Die meisten unserer Entscheidungen sind automatisiert, da sie ganz einfach nicht wichtig sind und bei einem extensiven Prozess zuviel unserer Gehirnkapazität in Anspruch würden. Zum Beispiel die Entscheidung, von Punkt A nach Punkt B zu gehen: Wir entscheiden ausschließlich über den Weg und nicht bei jedem Schritt, wie wir einen Fuß vor den anderen setzen.
Daneben gibt es Situationen, in denen wir eine oder nur wenige Sekunden für eine Entscheidung haben. An diesem Punkt kommen meine Erfahrungen mit Krav Maga ins Spiel. Wenn Sie gewürgt werden, haben Sie maximal drei Sekunden, bevor Sie das Bewusstsein verlieren. Dementsprechend ist eine unverzügliche Reaktion notwendig, um diese Lebensbedrohung abzuwenden. In meinem Krav Maga Training habe ich eine Technik erlernt, die auf dem in dieser Situation natürlichen Instinkt basiert, die Arme des Angreifers zu greifen. Mit einer leichten Modifikation war es auch kleinen Frauen möglich, sich von weitaus stärkeren Männern zu befreien.
Diese Erfahrung hat mich gelehrt, dass ich mich auf meine Instinkte und automatisierten Prozesse verlassen kann, wenn eine unmittelbare Reaktion notwendig ist. Ferner wurde mir klar, dass instinktives Verhalten die einzige Option in solchen Situationen ist, da für aufwendige Denkprozesse ganz einfach die Zeit fehlt.

Mittelbare Entscheidungen (Middle Lane Decisions)

Aber nicht alle Situationen erfordern eine unmittelbare Entscheidung. Im Zusammenhang mit Selbstverteidigung ist es eher unwahrscheinlich, wenn auch nicht ausgeschlossen, dass ein Angriff ohne jegliche vorhergehende Anzeichen aus dem Nichts heraus erfolgt. Normaler Weise geht einem Kampf eine Eskalation der Situation vorher, in welcher der Angreifer versucht, die soziale Distanz zu verkürzen. In diesen Situationen wollen Sie für den höchstwahrscheinlich folgenden Angriff vorbereitet sein. Ohne Frage müssen sie eine relativ schnelle Entscheidung treffen, Sie haben aber etwas mehr Zeit als im ersten Beispiel. In diesen Fällen sollten Sie Ihre Arme vor Ihren Körper bringen und die Macht Ihrer Stimme nutzen. Durch wiederholtes Üben der beschriebenen Situation habe ich gelernt, dass ich die Anzeichen einer sozialen Eskalation und eines drohenden körperlichen Angriffs frühzeitig erkennen und dann schnell eine angemessene Entscheidung treffen kann. Die notwendigen Fähigkeiten in Bezug auf die Entscheidungsfindung sind eine Kombination von instinktiven und automatisierten Prozessen mit bewussten Problemlöseprozessen.

Langfristige Entscheidungen (Slow Lane Decisions)

Ohne Frage scheinen die Situationen aufregender, die eine schnelle Entscheidung erfordern – nicht ohne Grund sind auch Actionfilme so populär. Nachdem ich jedoch im Rahmen meines Krav Maga Trainings gelernt habe, was mir passieren kann und welchen Schaden ich anderen zufügen kann, ist es mein erstes Ziel, einen Kampf, wann immer möglich, zu vermeiden. Durch gute strategische Entscheidungen ist es auch ohne weiteres möglich, die Wahrscheinlichkeit zu verringern, in eine bedrohliche und gefährliche Situation zu geraten. So ist es zum Beispiel keine gute Idee in dunkler Nacht durch eine einsame und heruntergekommene Strasse zu gehen. Auch meine Entscheidung, Krav Maga zu erlernen, war ein längerer Entscheidungsprozess mit langfristigen Auswirkungen. Ich sammelte Informationen, bewertete Sie und kam dann zu einer finalen Entscheidung, die ich nie bereut habe. Es erfordert einiges an Zeit und kognitiven Aufwand, wenn Sie derartige strategische Entscheidungen treffen – und diese Zeit sollten Sie sich auch nehmen, um zur bestmöglichen Lösung zu gelangen.

Die Erfolgsfaktoren: Instinkt und strategisches Denken

Durch meine Erfahrungen mit Krav Maga wurde mir klar, dass ich mich auf verschiedene Methoden der Entscheidungsfindung verlassen kann. Ich habe instinktive und automatisierte Prozesse für unmittelbare Reaktionen und die Fähigkeit zum strategischen Denken für fundamentale Entscheidungen. Dies trifft nicht nur auf die Selbstverteidigung zu, sondern lässt sich auch ohne weiteres auf das normale Sozialleben übertragen.




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