Werbeanrufe - Wie Sie damit umgehen




Platz #91 in Telekommunikation, #8519 insgesamt
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Heute erhielt ich einen Anruf. Mein Gegenüber erzählte mir, dass ich heute Morgen im Radio aufgerufen wurde, weil ich zwei Reisegutscheine und 800 € gewonnen habe. Er fragte mich, ob ich denn wüsste, wo die Gewinne herkommen und ich verneinte das. Er zählte mir einige Händler auf, unter anderem Amazon, und meinte, dass ich durch eine Bestellung dort, automatisch an dem Gewinnspiel teilgenommen habe. Ich sagte ihm, dass ich dann ja eine Information bekommen hätte und er erzählte mir, dass das in der AGB drinstehen würde. Das klang für mich unlogisch, aber egal.

Der Herr wollte mit mir Daten abgleichen, um mir die Unterlagen zusenden zu können. Schon sehr komisch, dass ich Unterlagen brauche, um einen Gewinn zu bekommen. Ich fragte ihn also, wo der Haken wäre. Er stellte sich unwissend und ich half ihm auf die Sprünge, in dem ich von Abos oder Handyverträgen sprach. Das half ihm auch weiter und er erzählte mir, dass ein Zeitschriftenabo damit verbunden wäre. Er begründete es damit, dass ich sonst 365 € Steuern auf meinen Gewinn bezahlen müsste ... Da musste ich so lachen, dass der Herr aufgelegt hatte.

Der heutige Anruf ist nur einer von vielen. Ausnahmslos stehen da immer Handyverträge oder Zeitschriftenabos dahinter. Weil Ahnungslose und ältere Menschen oft auf diese Masche hereinfallen, kläre ich an dieser Stelle auf, wie Sie mit solchen Anrufen am Besten umgehen.

Aufbau typischer Werbeanrufe

Die Werbeanrufe haben einen bestimmten Ablauf, dami Sie darauf reinfallen:

  1. Der Anrufer stellt sich vor und benennt auch irgendein Unternehmen, für das er tätig ist. - Damit wirkt der Anruf seriös.
  2. Ihnen wird erzählt, dass Sie gewonnen haben. Es können die verschiedensten Dinge sein, wie Auto, Reisen oder Geld. Manchmal bekommt man auch ein Handy (deutlicher Hinweis auf Verkauf eines Handyvertrages). - Gewinne sind im Allgemeinen sehr verlockend und jeder freut sich darüber.
  3. Wenn Ihnen mehrere Gewinne genannt wurden, wird gefragt, welchen Sie am liebsten haben möchten. - Ihren Gewinn selbst aussprechen zu lassen, ist eine psychologische Taktik. Dadurch, dass Sie, wenn auch nur kurz, sich über den Gewinn Gedanken machen, wollen Sie diesen erst Recht haben.
  4. Nun werden Ihre Daten abgeglichen. Meistens weiß Ihr Gegenüber bereits Ihren Namen und Ihre Adresse. Im schlechtesten Fall, auch ein Teil Ihrer Kontodaten. Da müssen Sie besonders vorsichtig sein. Denn oft wird vorgegeben, dass aus Sicherheitsgründen über das Telefon keine kompletten Kontonummern genannt werden sollen. Dabei weiß Ihr gegenüber tatsächlich nur ein Teil Ihrer Daten.
  5. Dann geht es um das Abo oder den Vertrag. Dieses ist angeblich besonders kostengünstig oder Sie bekommen ein Teil davon geschenkt.
  6. Danach wird Ihnen erzählt, dass die Unterlagen Ihnen zugesandt werden und Sie diese nur unterschreiben und zurückschicken brauchen. Oft kommen die Unterlagen so spät, dass Sie von Ihrem Widerrufsrecht keinen Gebrauch mehr machen können.

Eine andere Möglichkeit, wie der Werbeanruf beginnen könnte, sind kurze Umfragen. Ihnen werden dabei in etwa drei Fragen gestell, die auch schon auf einen Gewinn oder ein Abo hinzielen können.

So verhalten Sie sich am Besten

Es gibt verschiedene Arten, um mit diesen Anrufen umzugehen. Ich selbst entscheide mich da spontan, je nach dem, wie ich mich gerade fühle. Wie Sie bemerken, war ich bei dem oben genannten Anruf gut drauf, weshalb ich das ganze auch mit Humor nehme.

  • Meistens werden Sie ersteinmal bei solch einem Anruf zugequatscht. Wenn Sie das unterbrechen möchten, kommen Sie mit ruhiger Stimme nicht weiter. Am Besten Sie sagen ganz bestimmt "Stop"; das funktioniert immer. Auflegen hingegen ist keine gute Idee, weil Sie dann wieder angerufen werden.
  • Wenn Sie es kurz machen möchten, sagen Sie dem Anrufer, dass Sie kein Interesse haben. Begründen Sie das auf keinen Fall, weil Ihr Gegenüber sonst Gegenargumente nennt und Sie so wieder ins Gespräch verwickelt. Sagen Sie einfach, dass Sie kein Interesse haben und Ihr Gegenüber das bitte akzeptieren soll.
  • Um weiter Anrufe von diesem Anbieter zu verhindern, bitten Sie darum, aus der Anrufliste entfernt zu werden. Das funktioniert erstaunlicher Weise sehr gut.

Sie können sich auch aus solchen Anrufen einen Spaß machen:

  • Wie wäre es mit einem kleinen Ratespiel? Tippen Sie am Anfang des Anrufes darauf, ob es um ein Zeitschriftenabo, einem Handyvertrag oder etwas anderem geht. Im Laufe der Zeit bekommt man bereits am Anfang ein gewisses Gefühl dafür.
  • Halten Sie den Anrufer mit Gegenargumenten in Schach. Das ist zwar gemein, weil der Anrufer nach Abschlüssen bezahlt wird, aber es kann richtig Spaß machen. Sie sollten sich aber von vornherein klar machen, dass Sie nichts kaufen und dadurch auch nichts gewinnen werden.
  • Wenn Sie sehr redegewannt sind, bringen Sie Ihren Gegenüber dazu, über ein ganz anderes Thema zu reden. Das habe ich bisher nur einmal geschafft. Wir hatten uns über Kinder unterhalten. Der Herr erzählte mir auch von seinen Jungs und zum Schluss stimmte er mir zu, dass ich wirklich keine Wii und auch nicht das dazugehörige Abo brauche. Das war der Hammer.

Werbeanrufe und Gesetze

Es werden immerwieder neue Gesetze herausgebracht, um solche Anrufe zu unterbinden. Es ist gut, von einigen zu wissen, um nicht überzeugt zu werden.

  • Ich glaube das wichtigste Gesetz überhaubt ist, dass keine Verträge am Telefon abgeschlossen werden dürfen. Sie müssen immer die Möglichkeit haben, darüber nachzudenken.
  • Gewinne dürfen nicht an Verträge gekoppelt werden. Das heißt, wenn Sie etwas gewonnen haben, müssen Sie den Gewinn auch bekommen, wenn Sie keinen Vertrag abschließen.
  • Auf Gewinne müssen Sie keine Steuern bezahlen. Gegenargumente des Anrufers könnten Quizshows sein, doch diese sind Ausnahmen, weil man sich dort das Geld quasi erarbeitet oder verdient.
  • Sie dürfen auch nur angerufen werden, wenn Sie den Werbungen per Telefon zugestimmt haben. Ist der Anruf unberechtigt, können Sie ihn unter der E-Mail-Adresse rufnummermissbrauch@bnetza.de melden. Hierfür sollten Sie sich Uhrzeit, Datum und Telefonnummer des Anrufers aufschreiben.



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