Auch meine Werkhalle zitscherte mir Frühlingspoesie




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Auch meine Werkhalle zitscherte mir Frühlingspoesie

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Meine poetische Arbeitswelt


Als ich einst Arbeiterdichter war, entdeckte ich in meiner Arbeitswelt überall Poesie. Einst arbeitete ich in einer Werkhalle an einer Schlagschere. Es donnerte und krachte den ganzen lieben Tag lang. So eine Werkhalle war alles andere, als romantisch. Der Arbeitstag lag einem zum Feierabend schwer in den Gliedern, in meinen Ohren dröhnte es da immer noch. Zur Mittagszeit als sogar der Arbeitslärm sich ausruhte, hörte ich ein Gezwitscher und entdeckte auf einem Stahlträger ein Nest, das ein Rotschwänzchenpärchen gebaut hatte. Erstaunlich wohin Rotschwänzchen überall ihre Nester bauen, auch unter der Dachrinne meiner Gartenlaube, ebenso über meinen Balkon in Jena. Ich schickte das Gedicht an einem Verlag in Berlin, mit der Bemerkung; dass ich Arbeiterdichter bin und meine Arbeitswelt bedichte. Postwendend kam das Gedicht zurück, dass ich Hochstabelei als Arbeiterdichter betreibe. Ich schickte es an eine bekannte Zeitung, die wollten es veröffentlichen, aber taten es nicht. Sicher stand ich dort schon auf der schwarzen Stasiliste. Nun versuchte ich es beim grossen Kinderbuchverlag in Berlin, dort hatte ich schon einen Namen mit mehreren Gedichtsveröffentlichungen. Der Kinderbuchverlag bedankte sich und fand dieses Gedicht sehr originell, besonders meine Arbeitsweltpoesie und brachte dieses in einer Anthologie von vielen bekannten Schriftstellern.

Frühling auf einem Stahlbaum

Auf einem Stahlbaum, 
der das Dach der Halle trägt, 
nistet auf einem U-Ast
ein Rotschwänzchenpärchen,
das Nest mit Buntmetallspänen gebaut.
Manchmal, wenn des Gedröhne schweigt,
höre ich,
den Rotschwänzchenfrühling zwitschern.