Der Glaubenskrieg um das iPad 2




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Der Glaubenskrieg um das iPad

Der Glaubenskrieg um das iPad 2
iPad 2, Quelle: Apple Inc.

Gegner und Befürworter des iPad bekämpfen sich medial in Kommentarspalten mit geradezu missionarischem Eifer

Entweder man ist irgendwie dafür - oder man ist total und abgundtief dagegen. Ein sowohl-als-auch oder ein differenziertes ja-aber gibt es für die Kritiker von Apples iPad nicht. Diesen Eindruck bekommt man schnell, wenn man sich die Spalten der Leserkommentare ansieht, die überall dort wie die Pilze aus dem Boden schiessen, wo ein Apple-Produkt wie das iPad 2 auch nur angesprochen wird.

Warum ist das so?

Keine Angst! Es soll an dieser Stelle weder ein techniklastiger Vergleichstest durchgeführt werden, noch wird eine feinsinnige Kosten-/Nutzenanalyse ausgebreitet. Es wird eher versucht zu verstehen, warum hier ein derartiger Glaubenskrieg tobt und warum sich gerade die Apple-Gegner so grimmig, so dogmatisch und mit inquisitorischen Eifer in ein Thema verbeissen, dass man eigentlich mit einer gewissen legeren Gelassenheit behandeln könnte und sollte.
Das beginnt schon mit den Argumentationslinien. Dir Kritiker führen mit der ihnen eigenen schonungslosen Logik ja meist mehrere Argumente ins Feld.

Die Technik

In ellenlangen Ausführungen, mit akribisch ausgefüllten Tabellen und mit den unverständlichsten Fachausdrücken wird aufgezählt, was ein iPad alles nicht kann, nicht darf oder nicht will. Dabei wird oft übersehen, dass der ganz normale Anwender oder die ganz normale Anwenderin zum einen die meisten der dargestellten Defizite überhaupt nicht wirklich versteht. Auch wollen viele Anwender manche Funktionen überhaupt nicht oder - noch schlimmer - es ist ihnen schlicht und ergreifend egal, was der wirkliche Technikfreak sowieso nicht nachvollziehen kann. Das ist wohl so ähnlich wie mit den Fernbedienungen, in die die Entwickler zwar so viel hineinpacken, dass sie so gut wie alles können, jedoch leider fast niemand mehr in der Lage ist, sie richtig und umfassend zu bedienen.

Gnadenlos überhöhte Preise

Grundsätzlich wird behauptet, der iPad im Speziellen und alle Apple-Produkte im Allgemeinen seien masslos überteuert. Vielleicht ist dem ja auch so. Was die Kritiker aber am meisten erzürnt ist die Tatsache, dass die Kunden auch noch bereit sind die geforderten Wucherpreise freiwillig zu bezahlen. Ja, viele Kunden stellen sich auch noch stunden- oder gar tagelang an, um als Erste das neuste Produkt aus Cupertino mit dem Apfellogo in der Hand halten zu dürfen. Welch ein Skandal! Das die Konkurrenz bei ihren Preisen auch ganz schön zuschlägt, wird dabei milde übergangen oder damit erklärt, dass die Wettbewerber ja zur Zeit noch mit viel geringeren Stückzahlen fertig werden müssten und daher die Einkaufspreise höher sind etc. etc. Aber das würde ja alles sinken, wenn nur mehr von ihren Geräten gekauft würden. Dieses Hochpreisphänomen ist weder neu noch überraschend. Ganz im Gegenteil gibt es viele Beispiele dafür, dass viele Güter erst mit einem hohem Preis wirklich erstrebenswert werden.

...und überhaupt

Der vielleicht wichtigste Punkt scheint jedoch einer irgendwie enttäuschten Jugendliebe zu entspringen. Denn man kann sich des Eindrucks nur schwer erwehren, dass viele der emotionalsten Glaubenskrieger früher irgendwie glühende Apple-Enthusiasten waren, die sich damals - in der guten alten Zeit, als Apple noch echte Nischenprodukte herstellte (die übrigens schon immer nicht gerade preiswert waren!) - einer kleinen, feinen und irgendwie elitären Bruderschaft zugehörig fühlten und die jetzt natürlich mit blankem Entsetzen feststellen müssen , dass inzwischen Hinz und Kunz ein Appleprodukt mit sich herumschleppt. Und mit schreckgeweiteten Augen sehen sie absolute Laien wie Schulmädchen(!), Hausfrauen(!!) und -Gott bewahre - ältere Semester(!!!), diese Dinger benutzen und auch noch ihren Spass damit haben. Unerhört! 

Das ist psychologisch natürlich irgendwie nachvollziehbar und der Liebesentzug gegenüber Apple ist eine Reaktion auf die Unverschämtheit, dass sich Apple gerade gegenüber Laien aktiv immer mehr öffnet und noch dazu damit wirbt, dass wirklich jeder ein iPad bedienen kann.

Als echter Nerd stürzt man sich dann ja auch lieber mit Todesmut auf solche völlig unausgegorenen, aber nichtsdestotrotz teuren  Dinger wie ein WeTab (ja, die gibt es wirklich noch!) oder ein Hanvon-Tablet (Sie haben noch nie davon gehört? Toll - Genau so muss es sein!) , gerade weil dort fast nichts richtig funktioniert und man mit Verve, Enthusiasmus und fundiertem Fachwissen so richtig im Getriebe rumschrauben kann, bis das Ding dann endlich irgendwie loseiert und halbwegs nette Resultate liefert. Diese Erfolge und die von Mühsal, Schweiss und Tränen gepflasterten Wege dorthin kann man dann auch trefflich in den von Leidensgenossen übervölkerten Fachforen ausbreiten. Denn genau das ist ja der Kick: Man gehört damit endlich wieder einer Minderheit an, sozusagen den "Special Forces" der IT-Technologie !

...und die Moral aus der Geschichte?

Braucht man einen iPad? Natürlich nicht! Wozu auch? 

Aber braucht man ein Handy oder überhaupt ein Telefon? Braucht man eine Kamera, Strom aus der Steckdose, 37 unterschiedliche Käsesorten, eine Ziehharmonika, einen Salzstreuer oder ein Aquarium? Nein, lebensnotwendig sind alle diese Dinge - wie viele andere - sicherlich nicht. Aber was braucht man dann überhaupt? Die Dinge, die die Grundbedürfnisse abdecken, wobei man sich schon darüber herrlich streiten kann, was überhaupt dazu gehört.
Aber viele Menschen möchten einfach diese Dinge - und viele andere dazu. Weil sie schön sind, oder angenehm, oder bunt oder salzig. Manche erleichern die Arbeit, verschönern den Alltag oder sind Teil der Freizeit.

Daher greift die in vielen Kommentaren immer wieder gestellte Frage "Wer braucht ein iPad?" viel zu kurz, den die Gegenfrage könnte lauten: "Wer braucht einen Kommentar?".

Und die Antwort ist so oder so einfach: Niemand braucht unbedingt ein iPad oder einen Kommentar, aber viele möchten trotzdem das eine oder das andere! 

Und ein iPad ist nun mal schön, elegant, teuer, wertig, unterhaltsam, cool und so einiges mehr. Und gerade deswegen möchten viele Menschen gerne so ein Ding. Und wer zu dieser Gruppe gehört, der sollte es sich auch kaufen!
 




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