Der Rote Faden der Weltgeschichte




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Es gehört zumindest im christlich geprägten Abendland zum Allgemeinwissen: Jesus Christus ist laut christlichem Glauben auf diese Welt gekommen, für uns stellvertretend gestorben und am dritten Tag auferstanden. Dadurch hat er uns erlöst, so dass wir auf ein ewiges Leben nach dem Tod hoffen können.
So wahr diese Worte auch sind, sie vereinfachen doch stark, was es mit dem Erlösungsgedanken auf sich hat. Selbst vielen Christen ist nicht bewusst, dass Gottes Erlösungsplan sich nicht auf das beschränkt, was wir in der Bibel über Jesus nachlesen können. Die Ereignisse rund um Kreuzigung und Auferstehung mögen sehr bedeutsam sein, doch sie sind längst nicht alles, was die Bibel uns zum Erlösungsgeschehen zu sagen hat.
 

Der Rote Faden in der Bibel

Drehbuchautoren, Romanschreiber und Journalisten kennen den Begriff „Plot“. Gemeint ist damit eine Art Roter Faden in der Handlung. Detailreichtum und sekundäre Handlungsstränge mögen einen Film, Roman oder Magazintext interessant machen. Doch der durchgängig sächliche Zusammenhang im Handlungsverlauf darf dabei nie verloren gehen.
Auch die Bibel weist einen solchen Plot auf. Obwohl ihre zahlreichen Autoren auf einen Zeitraum von ungefähr 1500 Jahren verteilt wirkten, ergibt sich dennoch ein Zusammenhang.
So mancher Bibelleser mag sich schon gefragt haben, welcher Sinn in langweiligen Auflistungen liegt und was manche Bibelbücher eigentlich miteinander zu tun haben.
Tatsächlich ist die Bibel vordergründig kein Buch mit Fortsetzungscharakter. Nur wenige ihrer 66 Teile bilden miteinander einen direkten Erzählstrang. Doch der Rote Faden der Bibel ist die Erlösungs- oder Heilsgeschichte. Wer die Heilige Schrift unter diesem Aspekt betrachtet, findet manchmal in scheinbar nebensächlichen Bemerkungen interessante Zusammenhänge. Nachfolgend sollen versucht werden, einige Stationen im Verlauf des Roten Fadens der Bibel vorzustellen.
 

Gedanken an der Orgelbank

Gedanken an der Orgelbank

von: Michael Voigt




Die Anfänge: Warum Erlösung nötig wurde

Bereits auf den ersten Seiten der Bibel wird der Leser mit dem Thema Erlösung konfrontiert. Aus einigen Textpassagen in Zusammenhang mit der Schöpfungsgeschichte geht hervor, dass die ersten Menschen über die Existenz von Unrecht und Tod zumindest informiert, jedoch nicht davon betroffen waren. Die Bibel berichtet dann vom so genannten Sündenfall, der die Ordnung auf dieser Erde nachhaltig zerstörte, indem Satan in Gestalt einer Schlange die Menschen verführte.
Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt wird erstmalig noch sehr verschwommen auf den Erlöser verwiesen. Gott spricht zu der Schlange: Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weib und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen, der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.
Der Sieg über die Sündhaftigkeit wird nach diesen Worten zwar gelingen, aber eben auf schmerzhafte Weise, wobei der Sieger selbst tödlich verwundet wird. Erfüllt hat sich diese Verheißung im Kreuzestod des Erlösers Jesus Christus.
Die folgenden Kapitel der Bibel berichten stark zusammengefasst von der Ausbreitung der Menschheit und der damit einhergehenden Wirkung der Sünde. Nach dem ersten Mord werden Gewalttätigkeit und alle Arten von Bosheit regelrecht zum Standard. Berichtet wird von der Sintflut, von den Erlebnissen des späten Nomaden Abraham sowie von der Vernichtung zweier Städte, in denen sexuelle Perversion und Massenvergewaltigung offenbar Lebenszweck der Einwohner waren. In all diesen lose zusammenhängenden Erzählungen wird eines deutlich: Es blieb nicht beim ersten, vergleichsweise harmlosen Sündigen gegen Gottes Anweisungen. Das Böse (und damit die Erlösungsbedürftigkeit) hat sich ausgebreitet.


Ab dem zweiten ihrer 66 Bücher berichtet die Bibel vor allem über das Schicksal der Israeliten, welche zu den Nachkommen Abrahams gehörten. Sie gehen während ihrer Wüstenwanderung  einen „Vertrag“ mit Gott ein. Theologen nennen diesen Vorgang den „Alten Bund“. Jener manifestiert sich unter anderem in einem komplizierten System an Ritualen und Opfern, die meist mit der Sündenvergebung im Zusammenhang stehen. Hier wird deutlich gemacht: Die Sünde als Störung göttlicher Ordnung ist eine ernste Angelegenheit. Sie bedarf der Erlösungshandlung.
 

Der Erlösungsplan wird weiter enthüllt

Der weitere Verlauf des Alten Testaments wird zunächst von historischen Erzählungen, später zunehmend von Dichtkunst und prophetischen Vorhersagen bestimmt. Dabei kommt es vermehrt zu Hinweisen auf Jesus, sein Erlösungswerk, den Verlauf der Weltgeschichte und sogar auf das Ende der Welt.

  • Das Buch Rut berichtet von einer Migrationsgeschichte, deren Hauptfigur in die Ahnenreihe von Jesus Christus eingeht.
  • Der Prophet Jesaja wiederum ist wahrscheinlich derjenige, der am ausführlichsten über den Erlöser weissagt. Er benennt unter anderem genau die Familie, aus der Christus kommen wird und macht über dessen Tod umfassende Angaben.
  • Auch die Propheten Micha und Sacharja  nennen mit ihren Vorhersagen Details zu Christus, so dass am Ende des Alten Testaments der kommende Erlöser recht gut beschrieben ist. Micha benennt unter anderem den Geburtsort Betlehem, und Sacharja spricht vom „Durchbohrten“, ein Hinweis auf die Hinrichtungsart, die Jesus erleiden musste.
  • Den weltgeschichtlich größten Vorausblick auf die Erlösungsgeschichte allerdings bietet das Buch Daniel. In mehreren Visionen beschreibt er eine Reihe großer Weltreiche, das Ende dieser fortwährenden Vergänglichkeit, das Auftreten des Erlösers sowie das Endgericht (Kap. 2 und 7-12).
     

Das Buch Daniel - Teil 1

Das Buch Daniel - Teil 1

von: Advent-Verlag, William H. Shea




Der Erlöser und sein Werk

Im zweiten Teil der Bibel, dem Neuen Testament, treten historische Erzählungen in den Hintergrund. Abgesehen vom Buch der Offenbarung, umfasst das gesamte Neue Testament einen Zeitraum von gerade einmal rund 100 Jahren. Der Schwerpunkt liegt hier eindeutig auf der Heilsgeschichte. Allerdings wird dabei immer wieder Bezug genommen auf die Worte des Alten Testaments, so dass eine beeindruckende, theologische Stringenz entsteht.
Die ersten vier Bücher befassen sich fast ausschließlich mit Geburt, Wirken, Sterben und Auferstehung des Erlösers Jesus Christus. Die wortgenaue Erfüllung entsprechender Vorhersagen aus dem Alten Testament (siehe voriger Abschnitt) ist dabei verblüffend. Der Stammbaum des Erlösers wird zweimal aufgeführt und lässt bei näherer Betrachtung interessante Zusammenhänge erkennen.
Jesus selbst kommt häufig zu Wort und erklärt anhand zahlreicher Szenen aus dem täglichen Leben, wie es sein wird, wenn in unserer Zeit Menschen eine Entscheidung für oder gegen Gott zu treffen haben: Viele werden ihn verlachen und seine Nachfolger misshandeln, andere verpassen vor lauter Frömmigkeit und Wohlstand die Chance einer echten Bekehrung zu Gott.
Christus hält zudem eine so genannte Endzeitrede über die Verhältnisse auf der Erde kurz vor seiner Wiederkunft. Er erklärt, welche schweren Zeiten auf seine Nachfolger zukommen und dass trotzdem niemand den Zeitpunkt seiner Wiederkunft ermitteln kann.  Jesus warnt vor falschen Propheten und Menschen, die vorgeben, der Erlöser zu sein. Er verweist darauf, dass es am Ende zugehen wird, wie in den ersten Epochen der Menschheit (siehe oben), wenn Unrecht und Unglück überhand nehmen. Welch treffende Beschreibung unserer Zeit!
 

Die Vollendung

Das Neue Testament enthält eine Fülle überlieferter Briefe der ersten Christen. Darin wird das Opfer (die Erlösungshandlung des Alten Testaments) nicht negiert, sondern in einen neuen, heilsgeschichtlichen Kontext gestellt. Der Opferdienst ist zwar nicht aufgehoben, wurde aber ersetzt durch das einmalige und ewig gültige Selbstopfer von Jesus Christus. Beispielsweise führt der Verfasser des Hebräerbriefs aus: So, wie durch einen bis dahin sündlosen Menschen die Sünde in die Welt kam und alle betraf, wurde nun durch den Tod eines ebenfalls sündlosen Menschen das Heil für alle, die es wollen, wieder hergestellt. Theologen sprechen in diesem Zusammenhang vom Neuen Bund, womit der Bezug zum Alten Testament klar ist (siehe oben) .
Die Bibel schließt mit einem bildgewaltigen Buch namens Offenbarung. Hier ist noch einmal die gesamte Heilsgeschichte der Vergangenheit aufgezeichnet. Vor allem aber bietet dieses letzte Buch einen opulenten Ausblick auf das Geschehen am Ende der Welt. Was zu Beginn der Bibel mit einem einzigen Satz angedeutet wurde, beim Propheten Daniel schon Gestalt annahm und später von Christus verständlicher beschrieben wurde, entfaltet sich nun völlig. Göttliches und Teuflisches werden klar erkennbare Gegenpole, und jeder wird zur Entscheidung aufgerufen, so lange noch Zeit dafür ist. Die Heilige Schrift endet mit einem Satz, der den Kern der Heilsgeschichte nennt: Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen! Damit ist klar, dass Heilsgeschichte und Erlösung nicht das Privileg Einzelner sind. Allen gilt das Angebot, alle sollen errettet werden.

Alle Bibelzitate nach der revidierten Lutherübersetzung 1984
 

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von: Advent-Verlag, Jon Paulien




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