Die ABC-Analyse als betriebswirtschaftliches Instrument




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Die ABC-Analyse als betriebswirtschaftliches Instrument

Als vergleichsweise einfache und übersichtliche Hilfe hat die ABC-Analyse bis heute ihren Platz im unternehmerischen Entscheidungsprozess.

Die Sprache der Zahlen ist einfach und deutlich. Trotzdem erscheint deren Aussagekraft im unternehmerischen Alltag begrenzt, denn Zahlen sind oft recht unterschiedlich interpretierbar. Um trotzdem die richtigen Schritte planen zu können, gibt es in der Betriebswirtschaft verschiedene Entscheidungshilfen. Eine der einfachsten ist die so genannte ABC-Analyse.

Die ABC-Analyse: Was und warum?

Vereinfacht ausgedrückt, ist die ABC-Analyse ein Auswahlverfahren, welches das Verhältnis zwischen Menge und Wert beleuchtet und dabei beispielsweise folgende Fragen beantworten kann:

  • Worauf sollten sich die betrieblichen Aktivitäten konzentrieren?
  • Welches Kosten-Nutzen-Verhältnis besteht?
  • Welche prozentuale Menge bewirkt welchen prozentualen Anteil am Wert?

Im Prinzip werden also wesentliche und unwesentliche Aktivitäten voneinander getrennt. Die ABC-Analyse entstammt ursprünglich den betrieblichen Bereichen Lagerhaltung, Beschaffung und Umsatzplanung. Sie ist jedoch auch bei der Lösung vieler anderer Probleme nützlich. Will ein Unternehmen etwa aus Kostengründen einen Betriebsteil schließen, stellt sich natürlich die Frage: Wo ist diese Maßnahme am effektivsten? Rein mengenmäßig natürlich dort, wo die meisten Mitarbeiter beschäftigt sind. Dies würde jedoch Faktoren wie Lohnhöhe und Leistungserbringung unberücksichtigt lassen. Stattdessen kann es beispielsweise sinnvoller sein, eine Entwicklungsabteilung mit wenigen, hochbezahlten Ingenieuren auszulagern.
 

In drei Schritten zur ABC-Analyse

Da die ABC-Analyse ihren Ursprung in der Materialwirtschaft hat, lassen sich die einzelnen Schritte in diesem Bereich auch besonders gut verdeutlichen. Beispielsweise soll ein Lagerbestand auf Schwachpunkte und Rationalisierungsmöglichkeiten untersucht werden:


1. Zunächst müssen die einzelnen Materialen wert- und mengenmäßig erfasst werden. Von jedem Posten sind also der Einzelpreis sowie der Jahresbedarf in Stückzahlen und Geldwert zu ermitteln.


2. Nun wird eine Rangfolge festgelegt. Alle Artikel mit wesentlichem Einfluss auf den Jahresumsatz werden in der Gruppe A zusammengefasst. Wesentlicher Einfluss entsteht durch eine Kombination aus Wert und Verbrauch, welche hohen Umsatz bewirkt. Die Gruppe C enthält hingegen alle Materialen und Waren, deren Bedeutung für das gesamte Geschäftsergebnis gering bis vernachlässigbar ist. Das können beispielsweise wenig nachgefragte „Pfennigartikel“ oder auch hochwertige „Ladenhüter“ sein. Artikel, die keinem dieser beiden Extreme zurechenbar sind, gehören der Gruppe B (sozusagen dem Mittelfeld) an.


3. Nun kann die eigentliche Auswertung beginnen. Es wird ermittelt, welchen Mengenanteil und welchen prozentualen Wert jede Gruppe am Gesamtergebnis hat. Zum Beispiel könnte das Ergebnis lauten: Gruppe C (also die auf den Jahresumsatz wenig einflussreichen Waren) umfasst 65 % des Warensortiments, hat aber einen wertmäßigen Anteil am Umsatz von nur 2 %.

Gruppe C verursacht also die meisten Lager- und Beschaffungskosten, erbringt aber nur unzureichenden Nutzen. Als Ergebnis könnte dies bedeuten, dass einige Produkte der Gruppe C aus dem Sortiment genommen werden. Zudem zeigt die Analyse auf, bei welchen Waren (Gruppe A) besonders auf Einkaufspreise und Verfügbarkeit geachtet werden sollte. Durch die ABC-Analyse können demnach Rationalisierungsschwerpunkte erkannt und ineffiziente Anstrengungen vermieden werden.
 

Anhalter

Anhalter

von: Michael Voigt




Schwächen der ABC-Analyse

Obwohl die ABC-Analyse eine recht gute Entscheidungshilfe darstellt, kann sie dennoch nur Schwerpunkte aufzeigen. Ihre rein rechnerische Fixierung auf das Verhältnis Menge zu Wert lässt andere Faktoren außer Acht. Es kann beispielsweise nötig sein, auch weniger wirtschaftliche Waren, Unternehmensteile oder Dienstleistungen beizubehalten, um

  • dem Anspruch als Vollsortiment-Anbieter gerecht zu werden,
  • die Ersatzteilversorgung zu sichern (z. B. in der Fahrzeugindustrie),
  • Imageverlusten vorzubeugen oder
  • den Verkauf umsatzstarker Produkte zu unterstützen (zum Notebook wird die farblich passende Tasche angeboten...)

Ein weiterer Schwachpunkt ist die etwas schwammige Einteilung der drei Gruppen. Was als bedeutend, mittelmäßig oder vernachlässigbar gelten kann, unterliegt in gewissen Grenzen der subjektiven Einschätzung des Analysten.
Die ABC-Analyse betrachtet zudem einen separierten Zeitraum. Langfristige Umsatzentwicklungen, Tendenzen am Markt sowie Mengenrabatte der Lieferanten werden nur unzureichend berücksichtigt. Bei der Auswertung der ABC-Analyse sollten diese Faktoren daher unbedingt beachtet werden. Möglicherweise ergibt sich daraus eine völlig andere Entscheidung, als es die ABC-Analyse auf den ersten Blick suggeriert.
 

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