Die Scheinheiligen Teil 2: Magnus Gäfgen - Mit Dreistigkeit kommt man weiter




Platz #95 in Gesellschaft, #6540 insgesamt
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Seine Tat ist schon weit über zehn Jahre her. Der Kindsmörder Magnus Gäfgen erregt dennoch immer mal wieder die Gemüter und bietet Anlass für hitzige Online-Diskussionen. Dafür sorgt nicht nur sein kühles, selbstbewusst-distanziertes Auftreten. Noch viel mehr ist es die Dreistigkeit, mit der sich Magnus Gäfgen vom Täter zum Opfer stilisieren will. Weil man ihm (im Bemühen um die Rettung eines Kindes) allerhand unangenehme und schmerzhafte Dinge androhte, sieht er sich als Folteropfer. Das mag juristisch korrekt sein. Doch vielleicht sollte Herr Gäfgen einmal Gefangene in Nordkorea oder Guantanamo fragen, was Folter wirklich bedeutet. Die Reihe der um das „Folteropfer“ Gäfgen geführten Gerichtsverfahren, bis hin zu einer europäischen Instanz, ist beachtlich lang, oftmals bekommt er auch Recht. Gäfgen und sein Anwalt sprechen von Angst  und Traumatisierung, ausgelöst durch Verhaftung und Verhör. Der verurteilte Mörder klagt sogar Schmerzensgeld ein und muss die erhaltene Summe nicht einmal zur Schuldentilgung verwenden. Er legt im Gefängnis das Erste Juristische Staatsexamen ab, versucht, eine Stiftung zu gründen und veröffentlicht ein wehleidiges Buch. Nur eines tut der Kindsmörder nicht – endlich Ruhe geben und seine Strafe akzeptieren. Es stimmt: Auch Gäfgens Rechte wurden verletzt. Gegenüber seinem Opfer hat der Kindsmörder aber einen entscheidenden Vorteil. Er darf weiterleben!

Weitere Informationen auf:

Spiegel.de

taz.de