Ein westlicher Buddhismus




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Ein westlicher Buddhismus

Als eine Bekannte vor einigen Jahren eine tibetische Reinigungszeremonie absolvierte, wurde sie sehr nachdenklich. Nachdem sie über dreißig Minuten lang tibetische Texte rezitierte und sie diverse Rituale praktizierte, fragte sie sich, was sie denn da eigentlich macht. Eigentlich wollte sie den Buddhismus kennen lernen und an einem einführenden Workshop teilnehmen, der in einer einschlägigen Zeitschrift angeboten wurde. Also fragte sie in der Pause, wie es den anderen Kursteilnehmern mit dieser Zeremonie erging. Es stellte sich heraus, dass fast alle Teilnehmer in irgendeiner Form zu diesem Zentrum gehörten und sich sehr wohl damit fühlten. Die zwei anderen „fremden“ Besucher dieser Veranstaltung hingegen, fühlten sich weder abgeholt noch integriert in diese buddhistische Zeremonie, die vor tausend Jahren von buddhistischen Mönchen für buddhistische Mönche entwickelt wurde. Nach dieser Reinigungszeremonie kam meine Bekannte zu dem Schluss, dass der Buddhismus wohl nicht das Richtige für sie sei.
Die Welt hat sich weitergedreht. In der heutigen Zeit steht nicht mehr derselbe Drang nach östlicher Selbstfindung im Raum, wie noch vor dreißig Jahren, wo man sich - in der Regel finanziell gut abgesichert - daran machen konnte, neue spirituelle Wege zu entdecken. Heute breitet sich in der jungen Generation die schmerzhafte Erkenntnis aus, dass ein grundlegender Wandel ansteht, wenn wir die Zerstörung unserer Lebensgrundlage abwenden wollen. Heute werden wir mit dem Untergang einer ganzen Zivilisation konfrontiert und das ändert die Dinge ein wenig. Statt der ekstatischen Aufbruchstimmung der 70er Jahre, ist es nun an der Zeit einmal zu betrachten, was funktioniert und was nicht im westlichen Buddhismus. Wo wollen wir anknüpfen und welche Schwerpunkte wollen wir legen? Und wie kann uns die Lehre des Buddha in dieser schwierigen kollektiven Phase nützlich sein? Für jeden von uns?


Vielleicht brauchen wir eine neue Sicht der Dinge, wenn wir über den Buddhismus sprechen. Eine neue Perspektive wäre zum Beispiel der Umgang mit der Erleuchtung. Ich habe jetzt schon viele Buddhisten gehört, die der Meinung sind, die Erleuchtung ist etwas, das sie frühestens nach weiteren 1.000 Inkarnationen erlangen. Das Erwachen ist tatsächlich für viele Buddhisten etwas, dass vollkommen außerhalb ihrer Reichweite liegt. Doch ist das wahr? Rodney Smith bietet uns eine interessante Sicht auf diesen Umstand: "Solange der Buddha am Leben war, stellte seine Gegenwart sicher, dass die Techniken, die er lehrte, gegenüber der Verwirklichung, die er manifestierte, sekundär blieben. Sein Leben war seine Lehre, aber er musste Hilfsmittel anbieten, die andere auf ihr Erwachen hin orientierten, und so lehre er fünfundvierzig Jahre lang zahlreiche Meditationsübungen und andere geschickte Mittel. Als er starb, begriffen einige Leute die Praktiken und Lehren als Selbstzweck, und der Buddhismus war geboren. Viele Jahrhunderte später haben wir heute möglicherweise zu viel Buddhismus und zu wenig Buddha." 

Meinen Blog findest du unter: http://ibuddhismus.blogspot.com

 

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