Führte das Weihnachtsereignis die Völker zum Gott Israels?




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Eine der häufigsten theologischen Deutungen des Weihnachtsereignisses besagt, dass durch die Geburt Jesu – beziehungsweise durch dessen Tod und Auferstehung, wozu die Geburt aber die unabdingbare Voraussetzung ist – die Völker Anteil am israelitischen monotheistischen Eingottglauben erhalten haben. Diese theologische Deutung enthält gleich zwei Fehler: Zum einen bestand für die Völker immer die Möglichkeit, sich der israelitischen Religionsgemeinschaft vollständig oder teilweise anzuschließen. Zum anderen gehört zum israelitischen Monotheismus auch die Bildlosigkeit Gottes, welchjene das Christentum zwangsläufig nicht akzeptiert, wenn es Gott als Mensch zur Welt kommen lässt. Zudem sind viele Spielarten christlichen Glaubenslebens nur bedingt als monotheistisch zu werten.

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Jesus wurde als Jude geboren und lebte als solcher

Das Kind, dessen Geburt die christliche Welt am 25. Dezember feiert, wurde in eine jüdische Familie geboren und lebte zeit seines Lebens als Jude. Seine Auseinandersetzungen mit anderen Pharisäern und Schriftgelehrten waren normale Diskussionen um die Auslegung der Weisung. Er hat die Tora nie aufgehoben, sondern ausdrücklich betont, dass sie erhalten bleibt (vgl. Matth. 5, 17.19). Die folgenden Teile der Bergpredigt enthalten in gut rabbinischer Weise Zäune um die und Verschärfungen der Tora. Auch gestorben ist Jesus als Jude. Dass dessen Auferstehung erst die Hoffnung auf ein Weiterleben nach dem Tod begründet, ist Polemik. Das Wissen um die zukünftige Welt war während der Lebenszeit Jesu von den Pharisäern anerkannt und wurde von den Sadduzäern abgelehnt. Einer vorgeblich erstmaligen Auferstehung bedurfte es nicht – und dass Verurteilte die Kreuzigung schwer verletzt und so bewusstlos, dass sie als verstorben betrachtet wurden  überlebten, war zwar ein nicht übermäßig häufiges, aber ein durchaus vorkommendes Ereignis.

 

Nichtisraeliten und ihre Teilnahme am Synagogenleben zur Zeit Jesu

Nichtisraeliten konnten sich zur Lebenszeit Jesu leicht der Synagoge anschließen. Entweder als Vollmitglieder einschließlich der Beschneidung und der Einhaltung aller Gebote oder als Beisassen. In diesem Fall verpflichteten sie sich zum Halten der Noachidischen Gebote (vgl. Gen. 9,1-13 und Talmudtraktat Sanhedrin 13) und waren als regelmäßige Gäste in der Synagoge willkommen. Genau diese Gruppe war anfällig für die neuen Lehren, welchjene sich nach dem Leben Jesu entwickelten, denn diese ermöglichten ihnen scheinbar die Vollmitgliedschaft in der Synagoge, ohne dass sie alle Gebote einhalten mussten. Wer aufmerksam die Paulusbriefe mit den Petrusbriefen vergleicht, stellt fest, dass diese in kaum verhohlener Kritik aneinander den Diskurs zwischen den an der Weisung festhaltenden und den diese nur zum Teil einhaltenden sich auf Jesus berufenden Gruppen widerspiegeln. Die an das Gesetz festhaltende Gruppe konnte, nachdem klar war, dass Jesus nicht der erhoffte Maschiach (Messias) war, ihr Judentum weiterleben, während die sich von der Weisung entfernt habenden paulinischen Christ(inn)en die Heilserwartung in die Zukunft verlegen mussten.

 

Wie ein Übersetzungsfehler zur Theologie wurde

Das hebräische Ben-ha-Schem und das griechische Theou hyios bedeuten wörtlich übersetzt beide Sohn Gottes. Nur meint das Hebräische entweder das gesamte Volk Israel oder einen die Tora einhaltenden Israeliten, während das Griechische sich ursprünglich auf Halbgötter bezog. Wenn ein jüdischer Mitbürger seiner Zeit Jesus  als Sohn Gottes bezeichnet hatte, meinte er damit nichts anderes, als dass der Wanderprediger aus Nazareth   die Weisung ernst genommen hatte. Ein der hebräischen und aramäischen Sprache nicht kundiger Grieche verstand diese Bedeutung nicht und verglaubte, der Hebräisch beziehungsweise Aramäisch  sprechende Zeitgenosse würde den Wanderprediger als Halbgott ansehen. Kein Übersetzungsfehler zeitigt so schwerwiegende Folgen wie eine wörtlich richtige, inhaltlich aber absolut unzutreffende Übertragung zwischen zwei Sprachen. Aus der missverstandenen Bedeutung des hebräischen Terminus Sohn Gottes entwickelte sich eine umfassende Theologie, an deren Folgen die Welt heute noch leidet. Dem wahrscheinlich eher in Nazareth als in Bethlehem geborenen Kind und den von diesem im Erwachsenenalter gehaltenen Predigten wird der Übersetzungsfehler in keiner Weise gerecht.


 

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