Ich machte mich zum Affen im Orchideenparadies




Platz #201 in Gesundheit & Wellness, #5898 insgesamt
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Ich machte mich zum Affen im Orchideenparadies

 

 

 

 

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Aus meinem verbotenen Orchideefanromankapitel :  

“ DER SÜNDENFALL IM  ORCHIDEENPARADIES“

I.Teil: Mein Orchideenstreit mit dem Direktor
II.Teil: Unser Orchideenreise mit Hindernissen.
III. Teil: Endlich im Orchideenpardies
IV.Teil:  Ich machte mich zum Affen im Orchideenparadies
V. Teil: Die schneeweisse Orchideenrarität
VI. Teil: Ringsum ein herrliches Orchideenparadies
VII. Teil: Der Sündenfall im Orchideenparadies
VIII. Teil:  Die Natur-Schande
 

Ich amüsierte mich über unseren Direktor Dreibrot, der sonst mit seinen sozialistischen Sprüchen mächtig auf den Putz haute, wie er sich liebvoll wie ein Kind benahm:" Guck mal, was für ein Hauch, dieses zarte Hellrosa und die roten Pünktchen auf der Lippe. Ach, diese wie ein Bluttröpfchen im Schnee! Ein Orchideen-Schneewittchen!"
Dann kramte er eine Lupe hervor und gab nicht eher Ruhe, bis auch ich jede Blüte zur Genüge bewundert hatte. Ich war sparsamer mit den Filmen. Und ahnte schon, dass uns noch einige Überraschungen bevorstanden. Natürlich fanden wir auch die Fliegenragwurz, die es bei uns noch zu Hunderten gibt. Deren Blüten sehen Fliegen täuschend ähnlich.
Dann fing Dreibrot wider damit an, was ich schon zigmal gehört und gelesen hatte:" Weißt du, dass es sogar eine kleine Schlupfwespenart gibt, deren Männchen die Fliegenragwurzblüten umschwärmen und begatten. Die Insektenblüte duftet genau sowie das Wespenweibchen, welches erst später schlüpft."
Ich versuchte gar nicht erst Dreibrots Redefluss zu bremsen. Denn schon entdeckte er etwas Neues, eine Fliegenorchidee mit einem zusätzlichen, winzigen Querbändchen auf der Blütenlippe. Das musste auch fotografiert werden. Schon kritisierte er:" Weiß du, dass es die braune Fliege mit gelben Flügelrand gibt und sogar in gelb. Und Herr Reiher, der braucht sich bei mir gar nicht mehr sehen lassen, der wollte mir die grüne Fliege zeigen. Verrate dem ja nicht diesen Standort hier und diese Fliege mit dem weißen Streifchen!"
Bis auf ein paar Wölkchen blaute der Himmel auf und die Sonne strahlte. Wir liefen die paar Meter zurück und ließen uns im Schatten der riesigen Linden nieder. Jetzt erst hörten wir ringsum die Vögel zwitschern. Selbst die Nachtigall flötete schon vorzeitig am Morgen ihre
Melodie. Selbst beim Frühstück, fand Dreibrot keine Ruhe. In der einen Hand das Notizbuch, in der anderen seine Frühstücksschnitte, die er ständig ins Gras legte, um eifrig unsere Orchideenfunde zu notieren.
Ich frotzelte: "He, Dreii du hast wohl keinen Durst!"
Schon griff ich zur zweiten Bierflasche und wie bei der ersten spritzte mir beim Öffnen eine Fontäne ins Gesicht und auf Dreibrots Notizbüchlein.
"Hahaha! Ihr Brauereischlosser könnt eure Kehle wohl nicht voll genug bekommen. Heb noch etwas auf, die Orchideen wollen auch noch etwas Freibier. So ein Mist, mein ganzes Notizbuch ist nass!" endeten seine Witzeleien.
Vorsichtiger als eine Handgranate, öffnete er endlich auch eine Bierflasche. Doch auch er bekam ein paar Spritzer *Orchideenbräu* ab. Nun schweifte mein Blick hinab ins romantische Tal, über Steinroda mit den Fachwerkhäusern bis zur Biegung, wo sich der Fluss verlor. Ich kam mir vor wie im Paradies, so entspannt ohne Probleme.
Frisch gestärkt, keine zehn Minuten auf den Beinen leuchten schon von weitem, wie einst bei Oma und Opa auf der Kuckucksblumenwiese, rotviolette Blütenähren. Wie damals erfasste mich ein inneres Bangen, die Kuckucksblumen würden davon fliegen. oder irgendwie verschwinden als Orchideen- Fata Morgana. Denn wie damals rief es wieder: Kuckuck! Kuckuck! Kuckuck!
Wie einst als kleiner Wicht rannte ich los. Schon stand ich inmitten von rotvioletten Kuckucksblumen, die man auch stattliches oder Mannsknabenkraut nennt oder auf lateinisch Orchis mascula.. Unser Orchideenpapst akzeptierte nur dieses Latein. Für ihn sind solche Namen wie Kuckucksblumen, die der Volksmund prägte, eine Unsitte, weil man damit mehrere Orchideenarten unwissenschaftlich bezeichnete, weil sie zur Zeit blühen, wenn der Kuckuck ruft. Wir sahen das alles nicht so päpstlich. Auch ich konnte mich wieder wie ein Kind freuen, als ich dann auch noch rosafarbene und in lila, hellrosa und dunkelviolett Mannsknabenkräuter entdeckte. Auch Dreibrot wurde von der kindlichen Begeisterung angesteckt: Du lieber Himmel, es gibt noch Zeichen und Wunder, selbst in unserer DDR! Wo gibt es noch solche Naturwiesen mit solch einer Blütenpracht? Die stehen ja wie gesät!
Auf einmal wurden wir jäh aus unseren Blütenträumen gerissen. Als wären hier ein Dutzend Kindergärten entlang spaziert, denn auf Schritt und Tritt lagen überall, abgepflückt und weggeworfen zu Hunderten, samt Stiel die Blütenähren.
So empört habe ich Dreibrot noch nie erlebt:" Schweinebande! Naturbanausen! Die Hände müssten ihnen abfaulen! Wehe, wenn du nur eine einzige Orchidee davon aufhebst und es sieht einer. Da wirst du verknackt, zur Kasse gebeten und in der Zeitung ausgeschmiert. Jedoch Massenvernichtung von streng geschützten Orchideen, das kauft dir keiner ab. Kein Zeitungsschreiberling will da ins Fettnäppchen treten!"
Dem Weinen nahe, riss ich mich zusammen und sagte: "Darüber müssen wir uns bei Schwarzkorn, diesem Hauptnaturschutzmann von unserem Bezirk beschweren. Der soll endlich mal Maßnahmen gegen solche Naturschändungen ergreifen!"
Dreibrot redete auf mich ein:" Mein Guter, was bist du doch für ein naives Osterküchlein. Du kennst meine lieben Genossen nicht, die kehren alles unterm roten Teppich. Da bist du ein Nestbeschmutzer, wenn du mit den Fingern auf die Wunden zeigst, die uns so schmerzen!