KARE Design – Wohnwelten jenseits von Ikea




Platz #5 in Immobilien & Wohnen, #52 insgesamt
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Es war einmal im schönen München, Anfang der 1980er Jahre, da fragten sich zwei Studenten mit einer Vorliebe für gute Gestaltung, aber schmalem Budget: Warum müssen tolle Designerstücke immer so sündhaft teuer sein? Mittlerweile hat eine schwedische Möbelkette ihre ganz eigene Antwort gefunden und es damit praktisch zur Weltherrschaft gebracht. Das Problem ist nur: Wo billig draufsteht, ist auch billig drin. Die Produkte besagter Möbelkette mögen zwar etwas phantasievoller und spritziger daherkommen, als die manch anderer konventioneller Einrichtungshäuser, für die Ewigkeit gemacht sind sie aber nicht. Um es mal milde auszudrücken. Unsere eingangs erwähnten Münchner Studenten fanden dagegen ihre ganz eigene Antwort auf die Nachfrage nach schicken, aber bezahlbaren Möbeln und Accessoires.

Zwischen Bauhaus und Bali

Getrieben von dem Motto „Mehr Geschmack als Geld!“ gründeten Jürgen Reiter und Peter Schönhofen im Jahre 1981 die KARE Design GmbH. Die beiden entwarfen und vertrieben Möbel, Leuchten und Wohn-Accessoires, die aus dem Rahmen fielen. Damit haben sie es zwar bis heute noch nicht zur Weltherrschaft gebracht, aber sie beschäftigen mittlerweile allein in ihrem Hauptquartier bei München immerhin rund 350 Mitarbeiter und betreiben zwischen Accra und Zagreb zahlreiche Shops mit ungewöhnlichen, hochwertig verarbeiteten und trotzdem bezahlbaren Designerstücken. In Deutschland ist KARE Design in München und Regensburg mit eigenen Shops zu finden und darüber hinaus in zahlreichen Städten als Shop-in-Shop-Lösung. Wem es bis zur nächsten derartigen Einkaufsmöglichkeit etwas zu weit ist, der wird natürlich auch im Internet fündig. Hier ist das reichhaltige Repertoire nicht nur nach Funktionsbereichen von „Bad“ bis „Beleuchtung“ sortiert, sondern der geneigte Kunde kann sich auch von diversen Themenbereichen inspirieren lassen. Von „Romantic“ über „Mountain Chalet“, „Rockstar“, Modern Vintage“ oder „Metropolis“ bis zu „Design & the City“ bleibt hier kaum ein Acker unbestellt – um nur einige zu nennen.

Wer nun beim Stichwort „Design“ gleich an den Barcelona-Chair oder futuristische Lounge-Möbel im Sixties-Look denkt, liegt nicht ganz falsch. Aber auch nicht ganz richtig. Denn KARE Design beschränkt sich nicht auf den mitunter etwas unterkühlten Charme der Klassiker, sondern kombiniert diese gerne mit originellen Recycling-Ideen, bunten Ethno-Anleihen oder plüschigem Las-Vegas-Glamour. Bei KARE findet man den streng an der klassischen Moderne orientierten Freischwinger neben Truhen im Shabby-Style aus gebrauchten Holzteilen, Regalen aus balinesischen Fischerbooten, DIY-Chic, orientalischen Kissen und ausgefallenen Nippes.

Mut zum Mix

Freunde strenger Stilreinheit, die quasi das gesamte Haus von der Küche bis zum Schlafzimmer mit Designstücken einer bestimmten Epoche ausstatten wollen, werden bei KARE Design eher weniger froh. Das Konzept aus München orientiert sich mehr an einem bunten, dabei aber auch gut und gerne unvollständigen Flohmarkt und ist damit die ideale Fundgrube für wilde Stilmixe.

Die Patchwork-Wohnwelt, die sich aus KARE-Teilen zusammensetzen lässt, setzt auf eine junge, lifestyle-begeisterte und kreative Kundschaft, die aus dem KARE-Universum klug auszuwählen weiß und dabei genauso mutig zu Werke geht, wie deren Schöpfer. Dabei wird der Begriff Patchwork keineswegs nur im übertragenen Sinne gebraucht, sondern auch im wörtlichen Sinne ziemlich schrill in Szene gesetzt. Omas Ohrensessel oder eine kleine Empire-Sitzbank im knallbunten Flickenkleid verlangen dem künftigen Besitzer einiges an Stilsicherheit ab, um sie gekonnt mit anderen Elementen zu kombinieren. Doch das Ergebnis ist auf jeden Fall ein Wohnumfeld, dass sich deutlich vom allgegenwärtigen Ikea-Einheitslook abhebt – und vermutlich auch ein bisschen länger hält.




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