Kurzgeschichte: Grüsse aus der Vergangenheit




Platz #150 in Kunst, Kultur & Foto, #5559 insgesamt
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Kurzgeschichte von D.S. Schley

Kurzgeschichte: Grüsse aus der Vergangenheit
D.S. Schley

Kurzgeschichte der Kurzgeschichtenautorin D.S. Schley: "Grüsse aus der Vergangenheit"

Bei den Kurzgeschichten handelt es sich um geistiges Eigentum von D.S. Schley. Die Kurzgeschichten sind urheberrechtlich geschützt. Die Kurzgeschichten dürfen nicht weiter veröffentlicht werden.

Grüsse aus der Vergangenheit

Schon viele Menschen wurden von ihrer Vergangenheit eingeholt, das ist an und für sich eigentlich keine schlechte Sache, denn wie viele Menschen haben schon wirklich schlimme Dinge getan oder erlebt. Aber was tun, wenn einen die Vergangenheit nicht nur einholen, sondern überholen will?


Das drohte mir an einem ganz normalen Morgen. Ich hatte die Nacht über schlecht geschlafen und saß deswegen schon vor Sonnenaufgang in der Küche und trank meinen Kaffee. Vor mir lag die Zeitung von gestern, welche ich noch nicht gelesen hatte. Ein Blick auf die Titelseite zeigte mir aber mehr von meiner Vergangenheit, als mir lieb war.


Vor zwanzig Jahren waren meine Eltern durch die Hand einer üblen Sekte ermordet worden. Dank meiner Tante Melina kam ich damals mit dem Leben davon, aber der Sektenführer hatte mir ewige Rache geschworen.


Und nun sah ich auf der Titelseite sein Foto. Das Blut drohte mir in den Adern zu gefrieren, ein Druck auf der Brust hinderte mich am Atmen. Nichts hatte ich mir sehnlicher gewünscht, als dieses Gesicht nie mehr zu sehen. Selbst in meinen Albträumen belästigte es mich seit ein paar Jahren nicht mehr.


Erschrocken sprang ich von meinem Stuhl auf und lief zum Telefon. Meine Tante Melina würde wissen, was zu tun war. Nach dem ersten Klingeln nahm sie auch schon ab.
„Er ist wieder da!“ war alles, was ich heraus brachte.


„Ich weiß es auch schon,“ entgegnete meine Tante ruhig. „Bleib aber ruhig Steffi. Es sind zwanzig Jahre vergangen und bestimmt hat er dich vergessen.“
„Das glaubst du doch selber nicht,“ warf ich ihr abfällig vor. „Er hat mir Rache geschworen und versprochen, dass er mich da treffen wird, wo es am meisten weh tut.“


Einige Sekunden schwiegen wir beide betroffen. Der grausame Tod meiner Eltern stand mir vor Augen. Das Monster hatte sie gefoltert, um meinen Aufenthaltsort zu erfahren, aber meiner Eltern hatten bis zuletzt geschwiegen. Ihnen und dem selbstlosen Einsatz meiner Tante verdankte ich mein Leben.
„Wir treffen uns bei der Arbeit,“ schlug Melina vor und ich nahm den Vorschlag sogleich an.

Beim Büro meiner Tante und ihres Mannes Alexander stieg ich aus dem Auto und sah mich aufmerksam um. Das Foto hatte mich paranoid gemacht. Bereits jetzt hatte ich mehr Angst, als jemals zuvor in meinem Leben. Selbst die sonst so beruhigenden Eschen vor dem Büro, flüsterten heute böse Worte im Wind. Bedrohlich neigten sie sich in die Tiefe und verbargen zu viele Dinge vor meinem Blick.
Mich noch immer umschauend betrat ich das Haus und rief nach meiner Tante.
„Melina?“ niemand antwortete. „Alexander?“
Die Tür war offen gewesen, also musste jemand da sein. Wachsam und mehr als nur verängstigt schlich ich mich durch den Gang und rief leise nach meiner Tante.
Die letzte Tür im Gebäude war verschlossen und dahinter war kein Geräusch zu hören. Trotzdem stellten sich mir auf einmal die Nackenhaare auf und mein Herz schlug wie verrückt. Irgendetwas stimmte hier nicht, und in mir machte sich eine Panik breit. Mit einem Ruck riss ich die Tür auf und sah- meine Tante und ihren Mann. Versunken über einem Brief saßen sie am Schreibtisch und fuhren erschrocken hoch, als ich die Tür öffnete.
„Ich habe euch gerufen! Warum sagt ihr denn nichts?“ warf ich ihnen wütend vor.
Geknickt sahen sie erst sich und dann wieder mich an. Dann stand meine Tante wortlos auf und gab mir den Brief, den sie soeben gelesen hatten.

„Hallo Steffi,
Jahre sind vergangen, doch ich habe dich nicht vergessen, ganz im Gegenteil. Lange Zeit war ich in der Versenkung verschwunden, aber eines kannst du mir glauben: Ich habe jeden gottverdammten Tag an dich gedacht, Habe mir ausgemalt, wie ich dich umbringen würde, dich quälen. Nicht so gnädig wie deine Eltern. Die hatten es immerhin nach ein paar Stunden geschafft. Für dich hatte ich etwas ganz besonderes vorbereitet- sei darauf gespannt. Es wird dir dein Leben versüßen. Obwohl, wohl eher meines als deines, aber das wirst du sicher schon selbst erraten haben.
Denk an mein Versprechen! Zwanzig Jahre habe ich gebraucht, um es einzulösen, aber jetzt steht der Tag X vor der Tür.
Wir sehen uns in der Hölle (welche du zuerst betreten wirst)
Andreas

Ich las den Brief mehrere Male, immer wieder von vorne und mit jedem Mal wurde ich bleicher.
„Wann ist der Brief angekommen? Und wie?“ fragte ich, mich mühsam zusammen reißend.
Er lag heute Morgen vor der Tür. Kein Absender und auch sonst war nichts dabei. Wir wollten gleich zu Mike fahren. Er ist der beste Personenschützer der Welt und er wird ein wenig auf dich aufpassen.“
Meine Tante sah mich besorgt an und nahm mich dann zärtlich in die Arme.
„Wir schaffen das schon, Kleines. Ist ja nicht das erste Mal.“
Mühsam hielt ich meine Tränen zurück und klammerte mich an meine Tante. Seit dem Tod meiner Eltern, war sie die Einzige, die ich liebte, der ich vertraute und die alles von mir bekommen konnte. Doch jetzt konnte selbst sie mich nicht trösten.
Alexander nahm mich am Arm und führte mich zu meinem Auto.
„Ich fahre dich und Lina fährt uns in ihrem Auto hinterher.“
Doch ich schüttelte den Kopf. „Ich kann schon alleine fahren,“ protestierte ich leise. Doch Alexander hörte gar nicht auf mich, sonder stieß mich sanft auf den Beifahrersitz und nahm selbst auf dem Fahrersitz platz.
„Ich fahre hinter dir, mein Schatz,“ sagte meine Tante zu mir, gab mir einen Kuss und stieg in ihr eigenes Auto.


Alexander ließ den Motor um und gab Gas. Plötzlich schaute er verwirrt in den Spiegel und gab stieg leicht auf die Bremse.
Verängstig schaute auch ich mich um und sah, dass Melinas Auto anscheinend nicht ansprang. Alexander wendete und fuhr neben seine Frau. Wenige Meter von ihr entfernt flog das Auto plötzlich in der Luft und mit ihm Melina. Die Druckwelle beförderte mein eigenes Auto ebenfalls in die Luft. Wir überschlugen uns und wurden wild herumgeschleudert. Irgendjemand schrie wie eine Wilde und nach einiger Zeit bemerkte ich, dass der Schrei von mir kam, trotzdem konnte ich nicht mehr aufhören. Mein Auto brannte und wir standen auf dem Dach. Von Melinas Auto war überhaupt nichts mehr zu sehen, nur noch ein schwarzer Krater am Boden. Ich drehte meinen Kopf und sah Alexander bewusstlos in den Gurten hängen. Verzweifelt schrie ich weiter, versuchte mich zu befreien und irgendwie aus dem brennenden Auto zu kommen.
Plötzlich fiel ein Schatten auf Alexanders Gesicht. Ich versuchte mich zusammen zu reißen und hörte auf zu schreien.


„Hilfe!“, schrie ich, doch heraus kam nur ein Krächzen. Dann sah ich das Gesicht meiner Albträume. Andreas beugte sich ins Fenster herein und grinste mir höhnisch zu.
„Hey Miststück! Habe ich dir nicht gesagt, dass ich dich da treffen werde, wo es am meisten weh tut?“ Er sah sich um und begann zu lachen.
„Deine Tante ist wohl nicht mehr da, aber ihr Mann kann dich ja noch trösten.“
Plötzlich zog er eine Pistole aus der Tasche und schoss Alexander vor meinen Augen in den Kopf.
„Ups!“ Andreas lachte jetzt noch hämischer und lauter. Mir verschwamm alles vor den Augen. Das Blut tropfte auf den Boden, jeder Knochen im Leib schmerzte höllisch.


„Jetzt hat die kleine Stefanie wohl gar nichts mehr im Leben, für das es sich zu leben lohnt.“
Dann war er weg. In der Ferne hörte ich die Sirenen und der letzte Gedanke der mir durch den Kopf ging, war: Jetzt hat er gewonnen. Das wichtigste in meinem Leben hat er mir genommen!


Dann umfing mich eine gnädige Dunkelheit, die mich vergessen ließ.
 

The End

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