Lichtreklame




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Lichtreklame

Wie die Lichtreklame Deutschland eroberte

Wer kennt ihn nicht, den Time Square. Lichterüberflutet erstrahlt der Platz in der Nacht zu einem Werbeparadies. Möglich ist dies durch die Erfindung der Leuchtreklame bzw. Lichtwerbung. Diese elektrisch beleuchtete Sichtwerbung ist ein wichtiger Bestandteil der Werbewelt. Große Häuser wie das KaDeWe aber auch fast jede kleine Pizzeria oder Apotheken verwenden die Lichtreklame um auf ihren Laden oder ihr Restaurant aufmerksam zu machen. Diese Form der Außenwerbung nutzt weißes und farbiges elektrisches Licht um Logos, Namen, Slogans oder Unternehmen darzustellen.

Die erste Außenwerbung war übrigens die Litfaßsäule, benannt nach deren Erfinder Ernst Litfaß, ein Drucker aus Berlin. Somit stand 1854 die erste Außenwerbung in Form einer Säule in Berlin und damit in Deutschland. Mit dem Einzug der Elektrizität in den 1890er Jahren wurde deren Potenzial für die Werbung entdeckt. Im Jahr 1896 brachte der Markenartikel Malton-Wein seine erste Lichtwerbeanlage am Berliner Spittelmarkt an. Weitere Leuchtreklamen von Manoli, einer Zigarettenmarke, und Bahlsen folgten. Von Berlin aus wurde ganz Deutschland erobert. Die Meinungen über die neue Art der Werbung waren gespalten. Viele empfanden das Licht der Leuchtreklame störend und forderten deren Deinstallation. Die Folge war u.a. dass um 1900 in einigen Städten die Lichtreklame verboten wurde.

Erst sieben Jahre später setzte die Weiterentwicklung der Leuchtreklame ein. Bezüglich der Gestaltung von Lichtwerbeanlagen kam es zu zahlreichen Neuerungen, wie z.B. wechselnde Werbebotschaften und szenischen Darstellungen. Der erste Weltkrieg stoppte die Entwicklung der Lichtreklame aus Gründen der Energiepolitik. Die Großanlagen, installiert zwischen 1909 und 1914, veränderten dennoch das nächtliche Stadtbild der Großstädte nachhaltig. Erst 1922 hob man das Verbot der Lichtwerbung wieder auf, führte aber eine Leuchtmittelsteuer ein. Abschreckung für viele Unternehmen, diese zu verwenden. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der 1920er florierte dann aber auch wieder die Lichtreklameindustrie. Eine Lichtwerbeanlage der Firma Odol erregte am Potsdamer Platz in Berlin das Aufsehen und erlangte Berühmtheit Gezeigt wurde wie das Mundwasser aus der Odolflasche in ein Glas tropfte. Die Leuchtreklameindustrie brachte viele verschiedene Bauformen für Lichtwerbeanlagen auf den Markt. Z.B. den Leuchtkasten, der meist rechteckig und flach ist, Ausleger, d.h. senkrecht zur Fassade angebrachte Leuchtkästen oder Quader, sogenannte freistehende Würfel, die in alle vier Richtungen leuchten.