Schavuot - das Wochenfest




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Schavuot (Schawuot) heißt übersetzt Wochen(fest) und ist zugleich der Abschluss des mit dem Pessachfest beginnenden Festkreises.

Die Schreibweise
Sowohl für die Schreibform Schavuot als auch für Schawuot gibt es gute Gründe: Schavuot ist näher am hebräischen unpunktierten Bet und bei Schawuot ist die Aussprache [v] gesichert, während einige Leser(innen) bei der Schreibweise Schavuot die Aussprache [f] wählen würden. Im Hebräischen sprechen die meisten Sprecher(innen) das unpunktierte Bet und das konsonantische Waw identisch als [v] aus, die Differenzierung zwischen [v] und [w] machen nur wenige. Es gibt also Argumente für beide Schreibungen, ich entscheide mich in diesem Text für die Nähe zum hebräischen Wort.

Das Datum
Levitikus (Das dritte Buch Mose) 23,15 weist an, am Tag nach dem Schabbat, an welchem das Schwingen der Garbe erfolgt sieben Wochen bis zum Schavuot-Fest zu zählen. Schabbat hat zwei Bedeutungen, einmal den wöchentlichen Ruhetag und somit den Samstag als klar definierten Wochentag (da jüdische Tage am Abend beginnen und der Schabbat gegenüber den Werktagen herausgehoben ist, handelt es sich um die Zeit von Freitagabend Dunkelwerden bis Samstagabend Dunkelsein) und dann einen Ruhetag. Üblich ist, Schabbat grundsätzlich als den konkreten Wochentag anzusehen und nur dann mit Feiertag zu übersetzen, wenn eine Apposition diese Übersetzung nahelegt. So ist Schabbat Schabbaton eine Umschreibung für den Versöhnungstag. Die Frage ist nun, ob das Schwingen der Garbe als Apposition gilt und die Übersetzung Ruhetag rechtfertigt oder ob damit nur ein konkreter Schabbat gemeint ist. Das rabbinische Judentum versteht den Schabbat des Schwingens der Garbe als den Pessachtag und beginnt mit dem Zählen der sieben Wochen am Folgetag, so dass Schavuot immer am sechsten Siwan stattfindet. Das karäische Judentum hingegen versteht den Schabbat in Lev. 23,15 als konkreten Wochentag und feiert somit Schavuot an unterschiedlichen Daten, aber immer am Sonntag. Es gibt natürlich auch Jahre, in welchen Pessach auf einen Schabbat fällt und somit auch bei uns Schavuot auf einen Sonntag fällt. Da die Übergabe der Tora eindeutig am 6. Siwan erfolgt, setzt eine Verbindung des Schavuot-Festes mit der Tora-Übergabe dieses Datum als festen Termin voraus.

Die Inhalte des Schavuot-Festes
Schavuot schließt die Zeit des Omerzählens ab und ist im rabbinischen Judentum zugleich die Feier der Übergabe der Tora am Sinai. Es ist ein fröhliches Fest, die landwirtschaftliche Konnotation ist der Beginn der Weizenernte. In vielen Gemeinden versammeln sich die Mitglieder, um während der Nacht miteinander zu lernen. Die traditionelle Form der Lernnacht besteht darin, aus jeder Parascha (Wochenabschnitt der Tora) einen Vers zu besprechen oder den Anfang und das Ende jedes biblischen Buches zu lesen, eine Alternative zu dieser Möglichkeit sind Vorträge und Diskussionen zu unterschiedlichen Themen. Schavuot gehört mit Pessach und Sukkot zu den drei Pilgerfesten; zur Zeit des Tempels war das Pilgern nach Jerusalem vorgesehen. Typische Speisen für Schavuot sind Milchspeisen, denn die Tora ernährt uns so wie Milch die Kinder. Eine weitere Erklärung für die Bevorzugung von Milchspeisen ist der Zahlwert des hebräischen Wortes für Milch, welcher vierzig lautet. Moscheh (Moses) war vierzig Tage und vierzig Nächte auf dem Berg Sinai, ehe er mit den Geboten herunterstieg. In der Synagoge wird Schavuot das Buch Ruth als Festrolle vorgelesen, die Moabiterin Ruth gilt als erste sich aus eigenem Willen der Tora angeschlossen habende Frau. Viele Gemeinden schmücken ihre Synagoge mit Blumen, um den blühenden Berg Sinai zu symbolisieren.

Literatur zu jüdischen Festen

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