wahre Geschichten




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Die Abfindung oder Alles eine Frage der Zugehörigkeit

wahre Geschichten
open your arms

Die Abfindung
oder
Alles eine Frage der Zugehörigkeit

„Junge, aufgeschlossene Studentin betreut ihre Kinder und hilft im Haushalt“, so stand es in der Stadtteilzeitung. Nach einem Telefonat und dem ersten Treffen wusste ich, dass Ania genau die Richtige war.
Ich hatte mich von dem Vater meiner Tochter getrennt und beschlossen, mehr zu arbeiten, um meiner Kleinfamilie ein angenehmes Leben zu ermöglichen. Mein Zuhause sollte stets schön und sauber sein, und auch mir und meiner Tochter wollte ich gerecht werden.
Ania kam einmal die Woche, und die Wohnung glänzte hinterher. Sie packte im Haushalt an, und ein Herz für Kinder hatte sie auch. Außerdem hatten wir einen guten Draht zu einander. Hin und wieder erzählten wir uns auch persönliche Dinge.
An einem Tag hatte Ania sich mal wieder mit ihrem Freund gestritten. Um banale Dinge. Sie putzte anschließend doppelt so schnell. Die Wohnung glänzte ganz besonders. Anschließend war sie mit ihrer Freundin verabredet, sie wollten in eine Bar gehen und Millionäre kennenlernen. Ein Ziel. Eine entschlossene Frau. Ein guter Abend. Ania lernte an diesem Abend tatsächlich Lars kennen, einen gut aussehenden, intelligenten, zugegeben wesentlich älteren Mann. Charmant, gebildet, großzügig. Dass seine Luxusyacht im Mittelmeer lag, er jedes Jahr in der Karibik Urlaub machte, eine Penthouse-Wohnung an der Alster besaß, ein Haus am Stadtrand, eines auf Teneriffa, dass er alte, teure Autos sammelte, das alles hatte er an diesem ersten Abend nicht erzählt.
Bei der ersten Begegnung lachten sie sehr viel. Tauschten Telefonnummern aus, trafen sich bald wieder. Und verliebten sich ineinander.
Da war er also: Anias Traummann. Von ihrem alten Freund hatte sie sich schnell getrennt. Nicht wegen Lars. Die Liebe zwischen Ania und Lars wuchs langsam, aber gewaltig. Bald nahm er sie mit in die Karibik. Sie lernte schnell das Segeln, war die perfekte Partnerin. Nicht nur auf der Yacht. Sie war glücklich, und es wurde eine richtig, richtig, große Liebe.
Zum Putzen und Kinderbetreuen hatte Ania immer seltener Zeit. Als ich einmal für die Berlinale ein schönes Abendkleid brauchte und nicht wusste, was ich anziehen sollte, sagte Ania: „Ich leih’ dir eines meiner Kleider. Lars hat mir gerade wieder ein traumhaft schönes gekauft.“ Es war wirklich schön. Dass es 1000,- Euro gekostet hat, wusste kaum jemand. Nur meiner besten Freundin teilte ich ganz stolz mit: „Hab’ ich mir von meiner Haushaltshilfe geliehen.“ Das klang interessanter als: „Hab’ ich mir von einer Freundin geliehen.“
Mit Lars war Ania inzwischen schon einige Jahre glücklich zusammen. Nun ja. Was heißt glücklich? Es gab da noch einen kleinen Haken, der bei Ania regelmäßig Tobsuchtsanfälle auslöste. Sie lebte mittlerweile in der tollen Penthouse-Wohnung. Wenn sie nicht gerade mit Lars durch die Weltgeschichte segelte. Der Haken hieß Gisela.
Es gab noch eine Ehefrau, die Rheuma hatte und auf Teneriffa lebt. Die nicht so lustig und verrückt war wie Ania, die nicht gern segelte, die nicht gern ausging. Immer wieder drängte Ania Lars, er solle sich doch bitte schön von dieser Frau trennen. Lars versuchte es angeblich, aber nichts passierte. Eines Tages bemerkte die Ehefrau das Doppelleben ihres Mannes. Gespürt hatte sie es schon nach wenigen Monaten. Doch sie wollte es nicht wirklich wahr haben. Gab es Indizien, verschloss sie die Augen. Oder sie stellte Lars zur Rede. Lars hatte immer hervorragende Ausreden. Nach acht Jahren wusste die Ehefrau endgültig Bescheid. Sie wusste auch, dass ihr Mann sehr glücklich war mit Ania. Schließlich stellte sie Lars vor die Wahl: entweder Scheidung oder Trennung von Ania. Lars hatte mindestens eine schlaflose Nacht. Eine. Er liebte Ania. Allerdings wollte er seine Ehefrau auf keinen Fall verlieren. Es gab dramatische Wochen. Ania weinte viel, sie kämpfte aber auch. Doch sie verlor den Kampf.
Acht fast glückliche Jahre. Warum jetzt? Warum nicht am Anfang? Warum nicht viel später? Da war sie wieder, die Frage nach der Zugehörigkeit. Wer gehörte zu wem? Was waren Anias Ziele? Ein Mann? Ein Millionär? Eine Liebe? Eine Familie? Eine Zukunft?
Lars wollte es Ania leichter machen. Er kaufte ihr ein Apartment in ihrer Heimatstadt, 600 Kilometer von der Penthouse-Wohnung entfernt. Er kaufte ihr ein Pferd. Er zahlte ihr eine Abfindung, damit sie die nächsten Jahre glücklich und unbeschwert leben konnte. Die Wohnung, das Pferd, die Abfindung nahm sie. Gern? Nein. Sie wollte Liebe. Liebe für immer.
Nach vielen Tränen, Auseinandersetzungen und Kämpfen hatte Ania wieder ein Ziel: Vergessen. Sie suchte sich eine Arbeit, die ihr wenig Zeit fürs Privatleben ließ. Sie wollte vergessen. Es gelang ihr einigermaßen. Nach einem Jahr fragte Lars vorsichtig an, ob sie mit in die Karibik kommen wolle. Eine Minute überlegte sie. Und voller Stolz sagte sie: Nein.

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