Wer schreibt für einen Cent pro Wort?




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Eine Lizenz zum Gelddrucken

Gerade schau ich mal wieder bei Texter.me rein und werfe einen Blick auf die Jobangebote. Und was sehe ich unter http://www.texter.me/jobboerse/seo-texter-gesucht-269 ? Mal wieder so ein typisches  tolles Angebot, wie man sie auch bekommt, wenn man auf die "Texter gesucht"-Einträge antwortet, die man in Stellenbörsen findet: Geboten wird ein absolut opulentes Honorar von 1 ct/Wort.

Ehrlich: Wer für das Geld arbeitet, gehört nicht nur geprügelt, sondern hat auch noch keine Ahnung vom Geschäft. Ok, natürlich höre ich jetzt wieder "Ich habe das Geld doch nötig", "Man bekommt doch nichts anderes", "Besser als nichts" usw. Aber wer es sich schon antun will, für 1 ct/Wort zu arbeiten, sollte mal ein bisschen nachdenken.

Natürlich wird überall im Internet die Lizenz zum Gelddrucken angeboten "Werde Internet-Millionär", "Reich in 14 Tagen" und was es da noch alles gibt. Grundsätzlich kann sich ja eigentlich jeder denken, dass derjenige, der so eine Lizenz zum Gelddrucken hat, selbst Geld druckt und niemandem erzählt wie man sie bekommt. Ich mach's trotzdem und sogar umsonst, weil es mir langsam Weh tut, dass es offenbar Texter gibt, die für einen Hungerlohn arbeiten. Das was ich Euch verrate ist auch keine Lizenz zum Drucken von 100-Euro-Scheinen, sondern eher eine für 10-Cent-Stücke, aber immerhin.

Es ist ganz einfach und eigentlich sollte jeder Texter das wissen: Von der VG Wort bekommt man ja mittlerweile auch Tantiemen für Texte, die man online stehen hat. Die eine Möglichkeit dabei ist, eine Zählmarke einzubauen, dann bekommt man ganz nett was pro Text und Jahr, bei mir waren es dieses Jahr sowas wie 20 Eurillos. Genau weiß ich es nicht, denn ich habe noch keine Abrechnung, sondern erst den Scheck bekommen. Der Haken dabei: Kohle gibt's nur für Texte die im jeweiligen Jahr mindestens 1500 mal aufgerufen worden sind.

Es gibt aber noch eine weitere Möglichkeit: Texte, bei denen man keinen Zugriff auf den Quelltext hat - das ist z.B. der Fall, wenn man für Artikelverzeichnisse wie Pageballs schreibt und - kann man zur Sonderausschüttung anmelden, weil man da keine Möglichkeit hat, die Zählmarke einzubauen. Das gibt zwar weit weniger Geld als die reguläre Methode, so etwa zwei, drei Euro pro Text, dafür muss man aber auch keinen Mindestzugriff erfüllen.

Und nun kann man rechnen: Die Mindestlänge für einen solchen Text ist 1800 Zeichen. Das sind weniger als 300 Worte. Wenn ihr dafür drei Euro bekommt, seid ihr auch wieder bei einen Cent pro Wort. Und das beste: Ihr könnt diesen Text jedes Jahr erneut melden und wieder die Kohle abgreifen. Und übrigens gilt die Mindestlänge von 1800 Zeichen nur für Prosa, Gedichte können auch kürzer sein. Und selbstverständlich kann man schreiben, was man will - also über was einen interessiert und nicht über Versicherungen, Stützstrümpfe oder Analstöpsel - und behält auch alle Rechte am Text. Kleiner Wermutstropfen: Die Ausschüttung erfolgt immer im Oktober des Folgejahres, das heißt, im Extremfall wartet ihr ein Jahr und zehn Monate auf die Kohle - wenn Ihr nämlich einen Text im Januar schreibt. Das ist aber immer noch besser, als ein Kolbenfresser bzw. gar keine Kohle zu sehen, wie es mir auch schon gegangen ist.

Also: Bevor man für 1 ct/Wort oder gar weniger schreibt, schreibt man lieber ohne Honorar, stellt den Text bei einem Artikelverzeichnis online und holt sich die Tantiemen von der VG Wort. Wenn das mehr Leute kapieren, müssen die 1ct-SEO-Heinis auch mehr bezahlen, wenn sie Texte haben wollen.

Ach ja: Und natürlich melde ich auch diesen Text bei der VG Wort an, deswegen habe ich ihn auch nicht direkt in Forum von texter.me gepostet, sondern hier eingestellt... ;-)   

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