Wohlstand für alle - eine Lüge




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Wohlstand für alle - eine Lüge
Wohlstand für alle - eine Lüge

Leistungs- und Erfolgsorientierung prägen die gesellschaftlichen Strukturen in Deutschland ebenso, wie das Postulat, dass Wohlstand für alle möglich ist. Wie ist es unter diesen Umständen möglich, dass sich in Deutschland ein schleichender Prozess vollzieht: Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer? Bedeutet diese wahrnehmbare Tatsache, dass immer mehr Menschen einfach für dieses Gesellschaftssystem ungeeignet sind oder ist es das System, das für die Menschen ungeeignet ist? Um diese Fragen zu klären sollte das Postulat vom Wachstum durch Leistung und Erfolg kritisch betrachtet werden. 

Wohlstand durch Erfolg - eine Lüge

Die streitbare Vorstellung vom Erfolg: Es streitet wohl kaum jemand ab, dass unsere Gesellschaft erfolgsorientiert, konsumorientiert, eben an Leistung und Wirtschaftswachstum orientiert ist. Dabei bezieht sich Erfolg ausschließlich auf finanziellen Erfolg.
Wie konnte es zu dieser Konzentration auf Erfolgsorientierung kommen? Irgendwann erkannten die Menschen, dass demokratische Strukturen und Chancengleichheit besser sind als Klassen- oder Schichtstrukturen. Doch an welchen Kriterien sollte diese Chancengleichheit gemessen werden? Menschen sind schließlich verschieden. Im Dilemma dieser Frage rückte der Gesichtspunkt des Wohlstandes ins Zentrum des Interesses. Es wurde gesagt, dass jede und jeder das gleiche Recht auf Wohlstand habe. Gleichzeitig wurde das Versprechen formuliert, dass es allen in gleicher Weise möglich werden sollte, diesen Wohlstand zu erreichen. Das Postulat von Wohlstand durch Leistungs- und Erfolgsorientierung war geboren. Doch ist durch dieses Postulat die Gleichheit der Menschen in Deutschland inzwischen Wirklichkeit geworden? Eher nicht! Immer wieder wird in Studien darauf hingewiesen, dass in kaum einem anderen Land der finanzielle Erfolg eines Menschen so sehr von seiner Herkunft abhängig ist, wie in Deutschland.
 

Wohlstand und Ungleichheit

Erfolg als finanzieller Erfolg ist vor allem in Deutschland meist nicht an die eigene Leistungs- und Erfolgsorientierung gebunden. Vielmehr geht die Gleichung von Erfolg = Reichtum meist nur dort auf, wo Eigentum bereits vorhanden ist. Obwohl Eigentum im Laufe der Geschichte durchaus als Wurzel von finanzieller Ungleichheit erkannt wurde, wurde es dennoch als unverletzliches und „geheiliges“ Menschenrecht in den westlichen Verfassungen verankert. Hierfür ist sicherlich einerseits die Annahme verantwortlich, die der deutsche Dichter Friedrich von Schiller (1759-1805) in folgendem Satz formulierte: „Etwas muß er sein eigen nennen, oder der Mensch wird morden und brennen.“ Andererseits spielt auch folgende Überzeugung eine Rolle, die von Abraham Lincoln (1809-1865), Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, formuliert wurde: „Eigentum ist eine Frucht von Arbeit. Eigentum ist wünschenswert, ein positives Gut in der Welt. Dass einige reich sind, zeigt, dass andere reich werden können, und das ist wiederum eine Ermutigung für Fleiß und Unternehmensgeist.“
Die visionäre Haltung, dass jeder eine Entwicklung vom „Tellerwäscher zum Millionär“ machen kann, führte zur Überzeugung: „Allen ist alles möglich!“. Aus dieser Überzeugung entwickelte sich wiederum die Vorstellung: „Hast du was, bist du wer!“ bzw. die inneren Einstellung "Nur wer etwas hat, der ist auch etwas!" Beide Grundüberzeugungen konnten in Deutschland nur deshalb so eine zentrale Stellung einnehmen, weil die Menschen auch hier daran glauben, dass Eigentum ausschließlich „die Frucht von Arbeit“ ist. Doch Eigentum ist, betrachtet man die Eigentumsverhältnisse der meisten Menschen mit viel Eigentum genauer, in sehr vielen Fällen nicht die Frucht von eigener Arbeit. In unserer modernen demokratischen Gesellschaft existiert eine – wenn auch ignorierte – Ungleichheit der Menschen. Dies vor allem durch die ungleiche Verteilung von Eigentum. 

Wohlstand für alle?

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Wohlstand für alle - eine Lüge

Wohlstand durch Bildung - auch eine Lüge

Wer diesen Zusammenhang durchschaut, dem wird unweigerlich klar, dass dies auch durch mehr Bildung nicht ausgeglichen werden kann – bessere Bildung alleine ist kein Allheilmittel gegen das Auseinanderdriften von Arm und Reich. Vielmehr trägt bessere Bildung nur zu einer weiteren Verschiebung und zu Selbstzweifeln bei.
Das Postulat vom Wohlstand für alle durch Leistungs- und Erfolgsorientierung kann in Deutschland nicht zu dem beitragen, wozu es eigentlich gedacht war – Wohlstand für alle lässt sich hierdurch Leistungs- und Erfolgsorientierung ebenso wenig erreichen, wie eine gleiche Verteilung von Reichtum. Dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander driftet hat mit der vorhandenen ungleichen Verteilung von Eigentum zu tun. Dass immer mehr Menschen an psychosomatischen Krankheiten oder Depression leiden, hat damit zu tun, dass immer mehr Menschen einfach für dieses Gesellschaftssystem ungeeignet sind und gleichzeitig das System für viele Menschen ungeeignet ist. Doch warum wird trotz dieser Tatsache weiter an dem System festgehalten?  

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